Bridge the Gap.

Empfehlung 61 von 72 · Enquete-Kommission

Krisenmanagement gemeinsam, ganzheitlich und angepasst an die Lage vor Ort

Bei Krisen-Einsätzen sollen alle Ministerien zusammenarbeiten und das Ganze im Blick haben. Sie sollen die Kultur und die Lage vor Ort beachten, damit sie den Konflikt nicht verschärfen.

Passen Militär, Diplomatie und Entwicklungshilfe zusammen?

Welche Empfehlung zu welcher großen Frage gehört, hat die Redaktion festgelegt. Die Kommission selbst hat keine solche Zuordnung getroffen.

  1. Befund · Bericht · was die Berichte festgestellt haben

    Warum die Kommission das empfiehlt

    Laut Begründung haben die mangelnde Einbeziehung lokaler Gegebenheiten und unzureichende Abstimmung mit Partnern zur Konfliktverschärfung in Afghanistan beigetragen. Kulturelle Sensibilität und Konfliktverständnis seien von Anfang an nötig. Kurzfristige Rotation auf Führungsebenen habe Wissensverlust und erschwerte Vertrauensbildung begünstigt.

    Zusammenfassung der Redaktion

    Begründung der Kommission · Originalstelle
    „Begründung: Die mangelnde Einbeziehung von lokalen Gegebenheiten und die unzureichende Abstimmung mit internationalen Partnern im Krisenmanagement haben zur Konfliktverschärfung in Afghanistan beigetragen. Um ein solches Risiko künftig signifikant zu senken, sind kulturelle Sensibilität und ein informiertes Konfliktverständnis von Anbeginn für das Handeln vor Ort erforderlich.“

    Quelle: Drs. 20/14500, S. 49 (Original, neues Fenster)

    Belege aus den Berichten:

    Afghanischer Kontext nicht ausreichend berücksichtigt: Beziehungen, Stämme, lokale Machtzentren prägen Gesellschaft stärker als zentralstaatliche Institutionen

    Bewertung

    Originalstelle
    „Afghanistans kulturelle Gegebenheiten, traditionelle Hierarchien, fragmentierte Sozialstrukturen und politische Machtverhältnisse sowie die vielfach …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
    „Afghanistans kulturelle Gegebenheiten, traditionelle Hierarchien, fragmentierte Sozialstrukturen und politische Machtverhältnisse sowie die vielfach sich überlagernden Interessenskonflikte … wurden von deutscher Seite bei Entscheidungen, insbesondere zum Staatsaufbau, aber auch in der operativen Umsetzung, nicht ausreichend berücksichtigt. … Afghaninnen und Afghanen sehen sich eher ihren Familien, Stämmen, ethnischen oder religiösen Gruppen verbunden und verpflichtet, als gegenüber einem Gesamtstaat, dem nur begrenzte Verantwortungsbereiche zugebilligt werden. In Afghanistan gab es stets mehrere Machtzentren mit regionalen Besonderheiten und indirekter Herrschaft durch Patronage-Systeme.“

    Quelle: Drs. 20/10400, S. 17 (Original, neues Fenster) · Belegkarte

    Fehlende Landeskenntnis und fehlende ressortgemeinsame Linie über gesamten Zeitraum

    Bewertung

    Landeskenntnis, historisch-kulturelles Konfliktverständnis oder vertiefte Wahrnehmung des Gastlandes war nicht vorhanden, wissenschaftliche Beratung wurde nicht ausreichend hinzugezogen. Der Begriff „Stabilisierung“ wurde durch die beteiligten Ressorts unterschiedlich ausgelegt. Damit war über den gesamten Zeitraum keine einheitliche ressortgemeinsame Linie zu erkennen. Eine Vermischung von Peacemaking, Peace enforcement und Peacekeeping wurde auf der Umsetzungsebene deutlich.

    Originalstelle
    „Damit war über den gesamten Zeitraum des Engagements keine einheitliche ressortgemeinsame Linie zu erkennen, was zwangsläufig auch zu …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
    „Damit war über den gesamten Zeitraum des Engagements keine einheitliche ressortgemeinsame Linie zu erkennen, was zwangsläufig auch zu Abstimmungsproblemen auf allen Ebenen führen musste. • Auf der politisch -strategischen Ebene war eine einheitlich interne und externe Kommunikation nicht erkennbar, sodass eine Vermischung von Peacemaking, Peace enforcement und Peacekeeping auf der Umsetzungsebene deutlich wurde und die übergreifende politische Zielsetzung von „ nation building“ oder „state building“ nicht erkennbar war. • Entgegen den taktischen und operativen Wirkungsanalysen und lessons learned wurde die ressortübergreifende und systematische Evaluierung vernachlässigt.“

    Quelle: Drs. 20/10400, S. 53 (Original, neues Fenster) · Belegkarte

  2. Empfehlung · Wortlaut

    Was die Kommission empfiehlt

    „Internationales Krisenmanagement sollte prinzipiell ressortgemeinsam, ganzheitlich und konfliktsensibel gemäß den lokalen Gegebenheiten erfolgen.“

    Quelle: Drs. 20/14500, S. 49 (Original, neues Fenster) · Belegkarte

    An wen sich die Empfehlung richtet

    • Bundesregierung (alle Ressorts)
      Zuordnung der Redaktion, S. 49 · unklarDer Wortlaut verlangt ressortgemeinsames Krisenmanagement, nennt aber keinen Adressaten; der Umsetzungsteil nennt keinen Akteur.
  3. Stand der Umsetzung · eigene Recherche

    Was daraus wurde

    Angekündigt

    Die Regierung hat es angekündigt, etwa im Koalitionsvertrag, aber noch keinen konkreten Schritt gemacht.

    Zuletzt geprüft am 7. November 2026. Eigene Recherche von Bridge the Gap, keine Aussage der Kommission.

    Was wir geprüft haben, mit allen Belegen →