Empfehlung 37 von 72 · Enquete-Kommission
Ehrlich und realistisch über Krisenmanagement kommunizieren
Die Regierung soll offen und ehrlich darüber sprechen, wie es bei Einsätzen wirklich läuft, ohne etwas schönzureden.
- Befund · Bericht · was die Berichte festgestellt haben
Warum die Kommission das empfiehlt
Die Kommission begründet die Empfehlung damit, dass das Handeln von Einsatzkräften immer auch Botschaften an die eigene Bevölkerung sende und die kommunikative Dimension der Einsatzführung Teil der strategischen Kommunikation sei. Die öffentliche Wahrnehmung sei, wie beim Afghanistan-Engagement, stark auf die Bundeswehr fokussiert, und auch darüber seien die Kenntnisse gering; der vernetzte Charakter solle breiter vermittelt werden.
Zusammenfassung der Redaktion
Begründung der Kommission · Originalstelle „Bei Einsätzen im Rahmen des Internationalen Krisenmanagements, die das Vertrauen ( hearts and minds ) der lokalen Bevölkerung des Einsatzlandes gewinnen sollen, ist zu beachten, dass die Praxis operativer Maßnahmen und das Auftreten von …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Bei Einsätzen im Rahmen des Internationalen Krisenmanagements, die das Vertrauen ( hearts and minds ) der lokalen Bevölkerung des Einsatzlandes gewinnen sollen, ist zu beachten, dass die Praxis operativer Maßnahmen und das Auftreten von Einsatzkräften neben Botschaften an die lokale Bevölkerung im Einsatzland immer auch welche an die eigene Bevölkerung aussenden. Die kommunikative Dimension der Einsatzführung und -praxis ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil der strategischen Kommunikation bei Kriseneinsätzen. Die öffentliche Wahrnehmung der deutschen Beteiligungen am internationalen Krisenengagement ist, wie es beim Afghanistan-Engagement der Fall war, stark auf die Bundeswehreinsätze fokussiert. Aber auch Kenntnisse zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr sind recht gering.“
Belege aus den Berichten:
Beschönigte Lagebewertungen führten zu Glaubwürdigkeits- und Akzeptanzverlust; der Einsatz wurde zu wenig als vernetzt wahrgenommen
Bewertung
Originalstelle „Der Afghanistaneinsatz wurde in der deutschen Öffentlichkeit viel zu wenig als vernetzter zivil-militärischer Einsatz wahrgenommen. Auslandseinsätze …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Der Afghanistaneinsatz wurde in der deutschen Öffentlichkeit viel zu wenig als vernetzter zivil-militärischer Einsatz wahrgenommen. Auslandseinsätze stehen unter einem besonderen Begründungs- und Rechtfertigungsdruck. Bundesregierungen, aber auch Parlamentsmehrheiten neigten dazu, Aufbauprojekte hervorzuheben und negative Lagentwicklungen zu beschönigen. Als der deutsche ISAF-Einsatz unübersehbar zu einem Kampfeinsatz mit ständigen Gefechten wurde, führte das zu einem Glaubwürdigkeitsverlust der Regierungskommunikation und zu einem Akzeptanzverlust des Einsatzes.“
Quelle: Drs. 20/10400, S. 22 (Original, neues Fenster) · Belegkarte
Motive und Ziele des Einsatzes wurden nie klar und eindeutig kommuniziert
Bewertung
Die Motive und Ziele des Afghanistan-Einsatzes wurden nicht klar kommuniziert. Es gab unterschiedliche Mandate (ISAF, OEF) und Ansprüche: Die USA priorisierten die Terrorismusbekämpfung, während die deutsche Herangehensweise war, über die Verbesserung der Lebensbedingungen Terrorismus den Nährboden zu entziehen. Auf nationaler Ebene fehlte ressortübergreifend eine gemeinsame Strategieentwicklung.
Originalstelle „Die Motive und Ziele des Afghanistan-Einsatzes wurden nicht klar und eindeutig kommuniziert. Es gab von Anfang an unterschiedliche Mandate (ISAF …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Die Motive und Ziele des Afghanistan-Einsatzes wurden nicht klar und eindeutig kommuniziert. Es gab von Anfang an unterschiedliche Mandate (ISAF, OEF) und Ansprüche: die USA priorisierten die Terrorismusbekämpfung, während die deutsche Herangehensweise war, über die Verbesserung der Lebensbedingungen der afghanischen Bevölkerung Unsicherheit und Terrorismus den Nährboden zu entziehen. Zudem war keine internationale Kohärenz auf Strategie- und Umsetzungsebene gegeben. Auf nationaler Ebene fehlte ressortübergreifend eine gemeinsame Strategieentwicklung und -anpassung im zivilen Bereich.“
Quelle: Drs. 20/10400, S. 149 (Original, neues Fenster) · Belegkarte
- Empfehlung · Wortlaut
Was die Kommission empfiehlt
„Internationales Krisenmanagement sollte realitätsnah, ungeschönt und glaubhaft von der strategischen bis zur Umsetzungsebene kommuniziert werden.“
Quelle: Drs. 20/14500, S. 36 (Original, neues Fenster) · Belegkarte
An wen sich die Empfehlung richtet
- Bundesregierung
laut Umsetzungsteil, S. 36
Laut Umsetzungsteil sollen Kriseneinsätze „durch die Bundesregierung“ realitätsnah kommuniziert werden.
- Bundesregierung
- Stand der Umsetzung · eigene Recherche
Was daraus wurde
Nicht begonnen
Es gibt öffentliche Informationen, aber darin ist seit dem Bericht kein Schritt zu erkennen.
Zuletzt geprüft am 7. November 2026. Eigene Recherche von Bridge the Gap, keine Aussage der Kommission.