Der Fall der Provinzen
Vom 6. bis zum 15. August 2021 übernahmen die Taliban eine Provinzhauptstadt nach der anderen. Gehe Tag für Tag durch diese elf Tage. Die Karte zeigt, welche Städte gefallen waren. Daneben steht, was am selben Tag in Berlin entschieden wurde.
Montag, 16. August 2021
27 von 34 Provinzhauptstädten
An diesem Tag fiel laut Chronik keine Provinzhauptstadt.
Zur gleichen Zeit in Berlin
Freitag, 6. August 2021
Für diesen Tag ist in der Zeitleiste dieser Website noch kein Eintrag aus Berlin erfasst.
Samstag, 7. August 2021
Für diesen Tag ist in der Zeitleiste dieser Website noch kein Eintrag aus Berlin erfasst.
Sonntag, 8. August 2021
Für diesen Tag ist in der Zeitleiste dieser Website noch kein Eintrag aus Berlin erfasst.
Montag, 9. August 2021
-
In Berlin wird ein vertraulicher Bericht der deutschen Botschafterin in Washington vom 6. August verteilt. Gesprächspartner in der US-Regierung halten einen Sieg der Taliban darin für „nicht unausweichlich, aber denkbar“.
Originalstelle „Die Handlungsempfehlung war, zu spiegeln, was die Amerikaner tun, nicht in der Grundannahme, dass eine Eskalation unvermeidlich ist, aber die …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Die Handlungsempfehlung war, zu spiegeln, was die Amerikaner tun, nicht in der Grundannahme, dass eine Eskalation unvermeidlich ist, aber die Perspektive und die Möglichkeit in Betracht ziehend, dass alles sehr viel schneller gehen kann, als wir es möchten und als Berlin es erwartet hat.“
Quelle: Drs. 20/14700, S. 518–520 (Original, neues Fenster) · Belegkarte
Dienstag, 10. August 2021
Für diesen Tag ist in der Zeitleiste dieser Website noch kein Eintrag aus Berlin erfasst.
Mittwoch, 11. August 2021
-
Das Länderreferat Afghanistan im Auswärtigen Amt legt Außenminister Maas drei Szenarien vor. Eine militärische Übernahme durch die Taliban nennt es eine „sehr reale Möglichkeit“.
Originalstelle „Die schnellen Raumgewinne der TLB bergen die Gefahr eines „Domino Effekts“. Ob es den ANDSF gelingt, das Vorrücken der Taliban zu einem bestimmten …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Die schnellen Raumgewinne der TLB bergen die Gefahr eines „Domino Effekts“. Ob es den ANDSF gelingt, das Vorrücken der Taliban zu einem bestimmten Zeitpunkt zu stoppen, darf nicht zuletzt angesichts der unklaren militärischen Strategie und einer ausbleibenden überzeugenden Reaktion der Führung in Kabul, zumindest bezweifelt werden.“
Quelle: Drs. 20/14700, S. 511 (Original, neues Fenster) · Belegkarte
Donnerstag, 12. August 2021
-
Der Landsleutebrief geht hinaus, ein Rundschreiben an Deutsche im Land: Sie sollen Afghanistan dringend verlassen. Nach Aussage des Geschäftsträgers in Kabul hatte die Botschaft schon im Juli darum gebeten.
Originalstelle „Die deutsche Botschaft Kabul weist ausdrücklich darauf hin, dass sie aufgrund ihrer eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten und begrenzten Kapazitäten …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Die deutsche Botschaft Kabul weist ausdrücklich darauf hin, dass sie aufgrund ihrer eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten und begrenzten Kapazitäten keine Garantie dafür geben kann, dass auch bei einer weiteren Verschärfung der Sicherheitslage … die konsularische Betreuung durch die Botschaft gewährleistet werden kann.“
Quelle: Drs. 20/14700, S. 529–531 (Original, neues Fenster) · Belegkarte
Freitag, 13. August 2021
-
morgens · Berlin / Kabul
Die ursprünglich für Montag, den 16. August geplante Krisenstabssitzung wird auf Drängen des BMVg auf Freitag, den 13. August, vorverlegt. Anlass ist die am 12. August bekannt gewordene US-Truppenverlegung von 3.000 Soldaten an den Flughafen Kabul.
Originalstelle „Ich habe daraufhin über die Arbeitsebene veranlasst, dass das BMVg die sowieso geplante Krisensitzung … darauf drängt, dass diese Sitzung vorverlegt …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Ich habe daraufhin über die Arbeitsebene veranlasst, dass das BMVg die sowieso geplante Krisensitzung … darauf drängt, dass diese Sitzung vorverlegt wird auf den Freitag, den 13., und dass wir dort auch mit dem Vorschlag hineingehen, nicht nur ein Vorerkundungsteam nach Afghanistan zu schicken, wie es geplant war, sondern eine robuste militärische Evakuierungsmission zu planen.“
Quelle: Drs. 20/14700, S. 508, 522 (Original, neues Fenster) · Belegkarte
-
mittags · Krisenstab Berlin
Die Krisenstabssitzung beschließt: Anhebung der Krisenstufe auf 3b, „konkreter Einstieg in die Vorbereitung einer möglichen Evakuierung“, Entsendung eines Krisenunterstützungsteams (KUT) und Planung weiterer militärischer Kräfte. Eine sofortige Evakuierung wird noch nicht beschlossen.
Originalstelle „1. Anhebung der Krisenstufe auf 3b 2. Ausdünnung auf Grundlage Vorschlag der Botschaft durch Abt. 1 3. Konkreter Einstieg in die Vorbereitung einer …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„1. Anhebung der Krisenstufe auf 3b 2. Ausdünnung auf Grundlage Vorschlag der Botschaft durch Abt. 1 3. Konkreter Einstieg in die Vorbereitung einer möglichen Evakuierung 4. Entsendung eines KUT [Krisenunterstützungsteam] (AA/BMVg) … 5. Planung und Vorbereitung (im Inland) zur möglichen Entsendung weiterer militärischer Kräfte“
Quelle: Drs. 20/14700, S. 551 (Original, neues Fenster) · Belegkarte
Samstag, 14. August 2021
-
13:34 (deutsche Zeit) · Berlin (AA)
AA-interne Telefonschalte unter Leitung von Staatssekretärin Leendertse. Ergebnis: Die Deutsche Botschaft Kabul soll zum frühestmöglichen Zeitpunkt an den Flughafen verlegen.
-
ca. 19:00 (deutsche Zeit) · Berlin (AA)
Außenminister Maas gibt die Entscheidung frei, die Botschaft am nächsten Tag zu schließen und an den Flughafen zu evakuieren. Krisenbeauftragter Dr. Diehl bittet Dr. Jokisch, van Thiel anzurufen: „Ruf den van Thiel an, dass es jetzt losgehen kann.“
Sonntag, 15. August 2021
-
13:04 (afgh. Zeit) / 10:34 (deutsche Zeit) · Berlin (AA, Krisenreaktionszentrum)
Berlin sendet die Antwort: „Haben Sie!“ Damit gibt es grünes Licht für die Evakuierung. Dr. Jokisch sitzt zu diesem Zeitpunkt mit Staatssekretärin Leendertse in deren Büro auf dem Sofa, als der Anruf van Thiels eingeht.
„Haben Sie!“ — Informationsmanager/-in, Krisenreaktionszentrum AA
-
nachmittags · Berlin (Krisenstab)
Der Krisenstab beschließt, „aufgrund der Dringlichkeit der Lageentwicklung in Afghanistan unverzüglich eine militärische Evakuierungsoperation zu beginnen“. Wegen Gefahr in Verzug erfolgt der Beschluss ohne vorherige Zustimmung des Bundestages; ein Mandatstext soll spätestens am 18. August dem Parlament zugeleitet werden.
Originalstelle „Im Krisenstab wurde entschieden, aufgrund der Dringlichkeit der Lageentwicklung in Afghanistan unverzüglich eine militärische Evakuierungsoperation …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Im Krisenstab wurde entschieden, aufgrund der Dringlichkeit der Lageentwicklung in Afghanistan unverzüglich eine militärische Evakuierungsoperation zu beginnen. Wegen Gefahr in Verzug ist es im vorliegenden Fall der Bundesregierung nicht möglich, die Zustimmung des Bundestages zu diesem Einsatz vor Beginn einzuholen.“
Quelle: Drs. 20/14700, S. 572 (Original, neues Fenster) · Belegkarte
Montag, 16. August 2021
-
ganztägig · Berlin
Der Krisenstab tagt erneut, wie in der Sitzung am Vortag angekündigt. Die Vorbereitung des Mandatstexts für die militärische Evakuierungsoperation läuft auf Hochdruck; das Kabinett soll am 18. August befassen.
Woher die Daten stammen
Kontext, kein Befund des Bundestags Die Tage, an denen die Provinzhauptstädte fielen, stehen nicht in den Berichten des Bundestags. Sie folgen einer Chronik des US-amerikanischen Online-Magazins Long War Journal (Bill Roggio) und der Berichterstattung in der Presse. Einzelne Angaben können um 12 bis 24 Stunden abweichen.
Für 7 Provinzen nennt die Chronik kein Datum: Bamyan, Daykundi, Kapisa, Khost, Nuristan, Paktya, Panjshir. Sie bleiben auf der Karte ungefärbt. Das heißt nicht, dass die Taliban dort am 16. August keine Kontrolle hatten.
Die Einträge unter „Zur gleichen Zeit in Berlin“ stammen aus dem Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses (Drucksache 20/14700). Die Provinzgrenzen kommen von Natural Earth (gemeinfrei). Die Datei bildet Pandschir und Daikundi noch als Teil der Nachbarprovinzen ab. Wir haben die beiden Flächen auf der Karte richtig benannt.
Alle Fälle nach Datum
| Datum | Stadt (Provinz) | Gefallen bis dahin | Hinweis |
|---|---|---|---|
| 6. August | Zaranj (Nimruz) | 1/34 | Erste Provinzhauptstadt |
| 7. August | Sheberghan (Jawzjan) | 2/34 | |
| 8. August | Sar-e Pul (Sari Pul) | 3/34 | |
| 8. August | Kunduz (Kunduz) | 4/34 | |
| 8. August | Taloqan (Takhar) | 5/34 | |
| 9. August | Aybak (Samangan) | 6/34 | |
| 10. August | Farah (Farah) | 7/34 | |
| 10. August | Pul-e Khumri (Baghlan) | 8/34 | |
| 11. August | Faizabad (Badakhshan) | 9/34 | |
| 12. August | Ghazni (Ghazni) | 10/34 | |
| 12. August | Herat (Hirat) | 11/34 | Drittgrößte Stadt des Landes |
| 13. August | Lashkar Gah (Hilmand) | 12/34 | |
| 13. August | Kandahar (Kandahar) | 13/34 | Zweitgrößte Stadt des Landes |
| 13. August | Tarinkot (Uruzgan) | 14/34 | |
| 13. August | Pul-e Alam (Logar) | 15/34 | |
| 13. August | Qalat (Zabul) | 16/34 | |
| 13. August | Ferozkoh (Ghor) | 17/34 | |
| 13. August | Qala-e Naw (Badghis) | 18/34 | |
| 14. August | Sharana (Paktika) | 19/34 | |
| 14. August | Charikar (Parwan) | 20/34 | |
| 14. August | Mazar-i-Sharif (Balkh) | 21/34 | |
| 14. August | Maimana (Faryab) | 22/34 | |
| 15. August | Mehtarlam (Laghman) | 23/34 | |
| 15. August | Asadabad (Kunar) | 24/34 | |
| 15. August | Jalalabad (Nangarhar) | 25/34 | |
| 15. August | Maidan Shar (Wardak) | 26/34 | |
| 15. August | Kabul (Kabul) | 27/34 | Hauptstadt. Präsident Ghani verlässt das Land. |