Bridge the Gap.

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Taliban

Vorgehen, Strategie, Übernahme.

58 erfasste Aussagen.

Gemeinsame Feststellungen des Ausschusses (6)

Feststellung Teil 2, Kap. 1, Abschnitt 1.1 — Ausgangslage S. 156–157

Taliban-Taktik „Fight and Talk”: Kampfdruck vor jeder Verhandlungsrunde

Originalstelle
„Sowohl während der Verhandlungen zum Doha-Abkommen im Frühjahr 2020 als auch im Rahmen des innerafghanischen Friedensprozesses zwischen September …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Sowohl während der Verhandlungen zum Doha-Abkommen im Frühjahr 2020 als auch im Rahmen des innerafghanischen Friedensprozesses zwischen September 2020 und August 2021 hätten die Taliban dabei auf die Taktik „Fight and Talk” zurückgegriffen. Die Taktik habe sich dadurch ausgezeichnet, dass vor konkreten Verhandlungsterminen der „Kampfdruck” erhöht worden sei, um den Verhandlungspartnern die eigene Stärke zu demonstrieren. … Sie werden feststellen, dass immer kurz vor einer Gesprächsrunde die Angriffe vehement zugenommen haben.“

Quelle: Drs. 20/14700, S. 156–157 (Original, neues Fenster)

Die Taliban hätten konstant auf die Taktik „Fight and Talk” gesetzt: Vor jeder Verhandlungsrunde sei der Kampfdruck erhöht worden, um Stärke zu demonstrieren. Das bestätigten BMVg-Zeugen Oberstleutnant i. G. G. und Generalleutnant Schütt.

Thema: Taliban Akteure: Taliban, BMVg abschlussbericht\teil2-kap1-doha-lage.json
Feststellung Teil 2, Kap. 1, Abschnitt 2.1.3 — Externe Akteure S. 165–166

Sachverständige: Pakistan unterstützte Taliban massiv, Iran Hazara-Schiit:innen; weitere Akteure (Indien, China, Russland, Golfstaaten)

Originalstelle
„Pakistan habe ein starkes Interesse an einer schwachen afghanischen Regierung gehabt und deshalb die Taliban „massiv unterstützt”. Der Iran habe …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Pakistan habe ein starkes Interesse an einer schwachen afghanischen Regierung gehabt und deshalb die Taliban „massiv unterstützt”. Der Iran habe hingegen die schiitische Minderheit, die sog. Hazara, in Afghanistan unterstützt. … Die „pakistanische Armee und der Geheimdienst” hätten die „Talibanbewegung” laut Stellungnahme der Sachverständigen Dr. Mielke „maßgeblich organisatorisch und durch die Kanalisierung internationaler Gelder unterstützt”.“

Quelle: Drs. 20/14700, S. 165–166 (Original, neues Fenster)

Die Sachverständigen bestätigten: Pakistan habe ein Interesse an einer schwachen afghanischen Regierung und die Taliban massiv unterstützt (Armee und Geheimdienst, Kanalisierung internationaler Gelder); der Iran habe die schiitische Hazara-Minderheit unterstützt; Petersmann hob hervor, dass auch Indien, China, Russland und die Golfstaaten relevante externe Akteure waren.

Hinweis: Marty widersprach in seiner Stellungnahme der Mehrheits­sicht und nannte Pakistans Einfluss „maßlos übertrieben”; diese abweichende Einordnung ist in `stn-marty-015` dokumentiert.
Thema: Taliban abschlussbericht\teil2-kap1-doha-lage.json
Feststellung Teil 2, Kap. 4, Erster Abschnitt 2.1.2 — Verhandlungsteam der Taliban S. 345

Taliban-Delegation: „diszipliniert und geschlossen”, aber nur begrenzt entscheidungsfähig; Rücksprache mit „Oberen in Pakistan”

Originalstelle
„Das Verhandlungsteam der Taliban sei – so der Zeuge Prof. Dr. Dr. Gießmann weiter – bei den innerafghanischen Friedensverhandlungen „diszipliniert …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Das Verhandlungsteam der Taliban sei – so der Zeuge Prof. Dr. Dr. Gießmann weiter – bei den innerafghanischen Friedensverhandlungen „diszipliniert und geschlossen” aufgetreten. Es sei aber ebenfalls „nur begrenzt entscheidungsfähig” gewesen. Die Vertreter in Doha hätten sich „rückversichern” müssen bei den „Oberen der Bewegung in Pakistan”. … Die Ausgangserwartung bei den Verhandlungen war aufseiten der Taliban: Wir werden am Schluss an der Macht sein; wir werden sozusagen alles entscheiden können.“

Quelle: Drs. 20/14700, S. 345 (Original, neues Fenster)

Gießmann beschrieb die Taliban-Delegation unter Mullah Zaeef als „diszipliniert und geschlossen”, aber nur begrenzt entscheidungsfähig; sie musste sich bei den „Oberen der Bewegung in Pakistan” rückversichern. Erklärtes Ziel der Taliban: „am Schluss an der Macht sein” und „alles entscheiden können”. Gleichzeitig wollten sie ihre Isolation der 1990er Jahre vermeiden. Caro: Die Taliban-Erfahrung aus den US-Verhandlungen lehrte sie, „nur auf ihrer Position zu bestehen”.

Thema: Taliban Akteure: Mullah Zaeef, Taliban abschlussbericht\teil2-kap4-friedensverhandlungen.json
Feststellung Teil 2, Kap. 4, Erster Abschnitt 3.13 — Machtübernahme S. 361–362

Gießmann: Wunsch an die Taliban, in Kabul einzurücken, weil Chaos drohte; Leendertse hatte keine Kenntnis

Originalstelle
„Der Zeuge Prof. Dr. Dr. Gießmann hat vor dem Ausschuss berichtet, es sei ihm zugetragen worden, „dass sowohl von afghanischer Seite als auch von den …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Der Zeuge Prof. Dr. Dr. Gießmann hat vor dem Ausschuss berichtet, es sei ihm zugetragen worden, „dass sowohl von afghanischer Seite als auch von den USA an die Taliban der Wunsch herangetragen” worden sei, nach Kabul einzurücken, weil sich dort kriminelle Gangs betätigten und ein „absolutes Chaos gedroht habe”. Die Zeugin Leendertse, damalige Staatssekretärin im AA, hat vor dem Ausschuss nach Vorhalt der Aussage des Zeugen Prof. Dr. Dr. Gießmann erklärt, dass sie keine Kenntnis über eine solche Aufforderung der USA oder der afghanischen Regierung an die Taliban gehabt habe.“

Quelle: Drs. 20/14700, S. 361–362 (Original, neues Fenster)

Gießmann berichtet, ihm sei zugetragen worden, dass sowohl von afghanischer Seite als auch von den USA der Wunsch an die Taliban herangetragen worden sei, in Kabul einzurücken, wegen drohenden „absoluten Chaos” durch kriminelle Gangs. Staatssekretärin Leendertse (AA) erklärte, von einer solchen Aufforderung keine Kenntnis zu haben. Nadery: Der ehemalige Präsident Karzai habe versucht, Kontakt zu den Taliban aufzunehmen und sie zur Ordnungswiederherstellung nach Kabul zu rufen.

Hinweis: Gießmanns Schilderung wird von Leendertse weder bestätigt noch widerlegt; sie hatte keine Kenntnis.
Thema: Taliban 2021-08-15 Akteure: Hans-Joachim Gießmann, Leendertse (AA), Hamid Karzai, Taliban… abschlussbericht\teil2-kap4-friedensverhandlungen.json
Feststellung Teil 2, Kap. 4, Erster Abschnitt 4.4 — Nadery: Dreistufige Taliban-Strategie S. 365

Nadery: Taliban verfolgten dreistufige Strategie: verzögern, eskalieren, ggf. zurück an den Tisch

Originalstelle
„Nach unserer Meinung und Analyse, sowohl nachrichtentechnisch als auch vor Ort, verfolgten die Taliban eine dreistufige Strategie. In der ersten …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Nach unserer Meinung und Analyse, sowohl nachrichtentechnisch als auch vor Ort, verfolgten die Taliban eine dreistufige Strategie. In der ersten Phase würden sie die Verhandlungen hinauszögern und nicht wirklich über Frieden sprechen, damit die amerikanischen und internationalen Streitkräfte das Land verlassen. Während sie die Gespräche mit Unterbrechungen fortführten, würden sie die Gewalt eskalieren und auf die militärische Übernahme drängen - was sie auch taten. Und wenn genau zu diesem Zeitpunkt unsere Streitkräfte in der Lage wären, die Übernahme durch die Taliban ganz zu verhindern, würden sie wieder auf uns zukommen und aufrichtiger verhandeln.“

Quelle: Drs. 20/14700, S. 365 (Original, neues Fenster)

Der Sprecher der Republik-Delegation Nadery: Die Taliban hätten eine dreistufige Strategie verfolgt: (1) Verhandlungen hinauszögern, bis die internationalen Streitkräfte abgezogen sind; (2) Gespräche bei gleichzeitiger Gewalteskalation und Drängen auf militärische Übernahme; (3) ernsthaftere Verhandlungen nur, falls ANSF die Übernahme verhindern könnten. Bereits im Februar 2021 sei klar gewesen, dass es nur noch um eine Machtübergabe ging.

Thema: Taliban Akteure: Nadery, Taliban abschlussbericht\teil2-kap4-friedensverhandlungen.json
Feststellung Kap. 4.1.2.4 — Taliban-Offensive S. 51–52

Taliban-Offensive: vom 1. Mai (73 Distrikte) zu 195 Distrikten am 5. Juli 2021; Kabul fiel am zehnten Tag der Offensive

Originalstelle
„Bagram Airfield, den größten Luftwaffenstützpunkt der USA in Afghanistan seit 2001, verließen die letzten US-Soldaten am frühen Morgen des 2. Juli …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Bagram Airfield, den größten Luftwaffenstützpunkt der USA in Afghanistan seit 2001, verließen die letzten US-Soldaten am frühen Morgen des 2. Juli heimlich ohne Abstimmung mit den afghanischen Zuständigen. Am 21. Juli erklärte US-Generalstabschef, General Mark A. Milley, dass ungefähr die Hälfte aller 419 Distrikte von den Taliban kontrolliert werde und 17 der 34 Provinzhauptstädte vor einer Übernahme durch die Taliban stünden. Am 6. August 2021 nahmen die Taliban in Nimrus im Südwesten die erste Provinzhauptstadt ein, zwei Tage später schon Kunduz, drei Tage später als erstes Korps-Hauptquartier das 17. Pamir Korps.“

Quelle: Drs. 20/10400, S. 51–52 (Original, neues Fenster)

Rasant und oft ohne Gegenwehr gewannen die Taliban die Kontrolle über immer mehr Distrikte, von 73 am 1. Mai zu 195 am 5. Juli 2021. Bagram Airfield verließen die letzten US-Soldaten am 2. Juli ohne Abstimmung mit den afghanischen Zuständigen. Am 6. August nahmen Taliban Nimrus ein, zwei Tage später Kunduz, am fünften Tag der Offensive Kandahar, nach einer Woche die Hälfte aller Provinzen, am zehnten Tag kampflos Kabul.

Thema: Taliban Mai–August 2021 Akteure: Taliban, USA, Afghanische Sicherheitskräfte (ANDSF) enquete\zwischenbericht-projektgruppen-1.json

Bewertungen (8)

Bewertung Kap. 3.1 — Wissen, Kontext und Analyse S. 17

Taliban-Einfluss unterschätzt: fälschliche Gleichsetzung mit Al-Qaida; Ausgrenzung beförderte ihr Image als „legitime Opposition“

Originalstelle
„Die internationale Gemeinschaft, auch Deutschland, hat sich zu wenig mit den Taliban als Teil der Gesellschaft und zentralem Konfliktakteur befasst …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Die internationale Gemeinschaft, auch Deutschland, hat sich zu wenig mit den Taliban als Teil der Gesellschaft und zentralem Konfliktakteur befasst, folglich ihren zunehmenden Einfluss unterschätzt und ihre Erfolgschancen nicht ernst genommen. Stattdessen betrachtete man die Taliban anfänglich als eine homogene Einheit und setzte sie fälschlicherweise mit Al-Qaida und deren transnational-jihadistischer Ausrichtung gleich, die es zu bekämpfen galt. … Die kategorische Ausgrenzung der Taliban verhinderte Überlegungen zu deren Einbindung in den politischen Prozess und förderte letztlich in den Augen vieler Afghaninnen und Afghanen das Image der Taliban als legitime Opposition zu einer korrupten und vom Ausland bestimmten Regierung.“

Quelle: Drs. 20/10400, S. 17 (Original, neues Fenster)

Die internationale Gemeinschaft, auch Deutschland, habe sich zu wenig mit den Taliban als Konfliktakteur befasst, ihren wachsenden Einfluss unterschätzt und sie fälschlich mit Al-Qaida gleichgesetzt. Die kategorische Ausgrenzung der Taliban habe Überlegungen zu deren politischer Einbindung verhindert und ihr Image als „legitime Opposition“ gegenüber einer korrupten, vom Ausland bestimmten Regierung in den Augen vieler Afghan:innen befördert.

Thema: Taliban enquete\zwischenbericht-bewertungen.json
Bewertung Kap. 4.1.1.4 — Al-Qaida und die Taliban S. 28–29

Unterschiedlicher Charakter: Al-Qaida transnational-terroristisch, Taliban lokal-national

Originalstelle
„Al-Qaida („die Basis“) ist eine global operierende terroristische Gruppierung, die im Jahr 1988 in Afghanistan gegründet wurde. Die Gruppe verfolgt …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Al-Qaida („die Basis“) ist eine global operierende terroristische Gruppierung, die im Jahr 1988 in Afghanistan gegründet wurde. Die Gruppe verfolgt das Ziel, den globalen Jihad gegen den Westen und seine Verbündeten zu führen. Inder Folge der Terroranschläge auf die Botschaften der Vereinigten Staaten in Dar -es-Salam und Nairobi am 7. August 1998 tauchte der Name „Al-Qaida“ erstmals in westlichen Medien auf. Die Taliban (aus dem Arabischen „Schüler“ / „Studenten“) hingegen sind eine lokale Bewegung, die in Afghanistan und Pakistan aktiv ist und eine dezidiert nationale Agenda hat.“

Quelle: Drs. 20/10400, S. 28–29 (Original, neues Fenster)

Al-Qaida (gegründet 1988) ist eine global operierende terroristische Gruppierung mit dem Ziel des globalen Jihad. Die Taliban hingegen sind eine in Afghanistan und Pakistan aktive lokale Bewegung mit einer dezidiert nationalen Agenda, die einen islamischen Staat in Afghanistan anstrebt. Die Kommission warnt, „die Taliban als internationale oder gar transnationale Terrororganisation zu bezeichnen“. Auf dem Höhepunkt 2001 kontrollierten die Taliban 80–90 Prozent des Staatsgebiets.

Hinweis: Zu dieser Aussage liegt ein Sondervotum der CDU/CSU-Fraktion vor (siehe Kap. 4.1.5), das auf die anfänglich symbiotische Beziehung zwischen Taliban und Al-Qaida verweist.
Thema: Taliban Akteure: Al-Qaida, Taliban enquete\zwischenbericht-projektgruppen-1.json
Bewertung Kap. 4.1.1.4 — Taliban-Einbindung S. 29

Brahimi: Entscheidung, Taliban militärisch zu bekämpfen statt einzubinden, war „original sin“

Originalstelle
„Einer der unglücklichen Irrtümer nach 9/11 war, dass wir derart auf Rache versessen waren, dass wir gegen die afghanischen Regeln der Kriegsführung verstießen. Wenn eine Seite gewinnt, legt die andere Seite die Waffen nieder und söhnt sich mit dem Sieger aus.“

Quelle: Drs. 20/10400, S. 29 (Original, neues Fenster)

Der ehemalige VN-Sondergesandte für Afghanistan Lakhdar Brahimi bezeichnete die Entscheidung, die Taliban militärisch zu bekämpfen statt sie einzubinden, später als „original sin“ (Ursünde). Ein Mitarbeiter des US-Foreign Service konstatierte, das Beharren auf der Verfolgung der Taliban als Verbrecher habe „mehr zum Aufstieg des Widerstands beigetragen als alles andere“. 2001 kam von deutscher Seite eine Einbindung der Taliban politisch nicht infrage.

Thema: Taliban 2001 Akteure: Lakhdar Brahimi, UNAMA, US-Foreign Service enquete\zwischenbericht-projektgruppen-1.json
Bewertung Frage 6 — Unterstützung in der Bevölkerung S. 9

Ländliche Bevölkerung näher an Taliban-Moralvorstellungen; Demokratie und Staatswesen galten als gescheitert

Originalstelle
„Insgesamt lässt sich sagen, dass gerade in der ländlichen Bevölkerung, die weitgehend vom Wiederaufbau und den Modernisierungsschüben der letzten …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Insgesamt lässt sich sagen, dass gerade in der ländlichen Bevölkerung, die weitgehend vom Wiederaufbau und den Modernisierungsschüben der letzten zwanzig Jahre entkoppelt war, zwei Dinge dafür entscheidend waren, dass sie die Rückkehr der Taliban eher gleichgültig hinnahmen bzw. befürworteten … a) Während des gesamten Krieges vermochten viele Afghan:innen, nicht mehr zu erkennen, für welche erstrebenswerten Ziele/ Ideen es sich überhaupt lohnte zu kämpfen. Gerade die politischen Ziele der Intervention (Demokratie, Staatswesen etc.) galten in den Augen vieler Afghan:innen in ihrer Umsetzung als gescheitert. … b) Gerade die Werte und Normen der ländlichen Bevölkerungen, die durch Konservativismus geprägt sind, waren weit näher an den Moralvorstellungen der Taliban (v. a. patriarchale Gesellschaftsordnung) dran als an denen der internationalen Gemeinschaft bzw. der afghanischen Regierung.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)103, S. 9 (Original, neues Fenster)

Die ländliche Bevölkerung, weitgehend vom Wiederaufbau entkoppelt, habe die Taliban-Rückkehr eher gleichgültig hingenommen oder befürwortet, weil (a) viele nicht mehr erkennen konnten, wofür zu kämpfen sich lohne (Demokratie und Staatswesen galten als gescheitert), und (b) die Werte und Normen der ländlich-konservativen Bevölkerung (insbesondere patriarchale Ordnung) der Taliban näher standen als der internationalen Gemeinschaft oder der Regierung.

Thema: Taliban stellungnahmen\04-schetter.json
Bewertung Glaubwürdigkeit der Taliban-Versprechen S. 6

Taliban stellten Doha intern als Auftakt zum militärischen Sieg dar, nicht als Friedensprozess

Originalstelle
„Denn die Taliban betrachteten Gewalt eindeutig als eines ihrer wichtigsten Druckmittel. So berichteten afghanische Quellen nach dem Doha-Abkommen …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Denn die Taliban betrachteten Gewalt eindeutig als eines ihrer wichtigsten Druckmittel. So berichteten afghanische Quellen nach dem Doha-Abkommen, dass die Taliban-Führer ihren Befehlshabern die Vereinbarung mit den Vereinigten Staaten als Auftakt zu einem militärischen Sieg nach dem Abzug der US-Streitkräfte im Mai 2021 darstellten und nicht als Beginn eines Friedensprozesses, der Kompromisse erfordern würde. Und in der Tat drängte sich der Eindruck auf, dass die Taliban so lange verhandelten, bis die USA vollständig abgezogen waren, um dann ihren Vorteil auf dem Schlachtfeld nutzen, um die Kontrolle über das Land mit Gewalt zu übernehmen.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)107, S. 6 (Original, neues Fenster)

Afghanische Quellen berichteten, dass die Taliban-Führer ihren Befehlshabern die Doha-Vereinbarung als Auftakt zu einem militärischen Sieg nach dem US-Abzug im Mai 2021 darstellten, nicht als Beginn eines Friedensprozesses. Die Taliban verhandelten offenkundig solange, bis die USA abgezogen waren, um dann ihren Vorteil auf dem Schlachtfeld zu nutzen.

Thema: Taliban stellungnahmen\07-kaim.json
Bewertung Frage 3 — Glaubwürdigkeit der Taliban-Versprechen S. 9–11

Taliban-Anti-Terror-Garantien fragwürdig; internes Taliban-Dokument zu nicht-afghanischen Dschihadisten

Originalstelle
„[Recherchen zeigen,] dass die Taliban scheinbar nie vorhatten, mit transnationalen Dschihadisten zu brechen oder diese aus Afghanistan auszuweisen. …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„[Recherchen zeigen,] dass die Taliban scheinbar nie vorhatten, mit transnationalen Dschihadisten zu brechen oder diese aus Afghanistan auszuweisen. In den Augen der Taliban erfüllen sie ihre Anti-Terror-Garantien vielmehr durch die genannten Plattitüden und dadurch, sich in Afghanistan aufhaltende transnationale Dschihadisten zu registrieren und zu überwachen, während diese mehr oder weniger frei bleiben — sprich ohne dass sie (die Taliban) ihren vorbestehenden Standpunkt gross ändern müssten. Dies ergibt sich namentlich aus einem undatierten, spätestens im Jahre 2020 erlassenen, internen Taliban-Dokument über die Behandlung von sich in Afghanistan aufhaltenden nicht-afghanischen Dschihadisten, dessen Authentizität dem Sachverständigen von mehreren Quellen bestätigt worden ist. … In der Tat stimmen viele der von den Taliban nicht öffentlich angekündigten Einschränkungen … in Ton und Inhalt praktisch mit Taliban-Bemühungen, arabischen Dschihadisten, inklusive Osama Bin Laden, vor dem 11. September 2001 Einhalt zu gebieten, überein. Eine Erklärungen, weshalb diese Bemühungen dieses Mal besser funktionieren sollten als die klar gescheiterten Versuche vor dem 11. September 2001, bleiben die Taliban schuldig.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)106, S. 9–11 (Original, neues Fenster)

Die Taliban hätten nie vorgehabt, mit transnationalen Dschihadisten zu brechen. Ein internes Taliban-Dokument (spätestens 2020) sehe nur Registrierung und Überwachung vor; der vage Doha-Wortlaut verpflichte die Taliban nicht zum Bruch mit Al-Qaida & Co. Die Restriktionen entsprächen in Ton und Inhalt praktisch denen vor dem 11. September 2001. Eine Erklärung, warum diese Bemühungen diesmal besser funktionieren sollen, blieben die Taliban schuldig.

Thema: Taliban stellungnahmen\08-marty.json
Bewertung Frage 3 — Glaubwürdigkeit der Taliban-Versprechen S. 11–12

Mullah-Fazl-Rede 3/2020 + Mohib-Aussagen: Taliban sahen Doha als Kapitulationsverhandlung, nicht als Friedensprozess

Originalstelle
„Dies ergibt sich beispielsweise aus dem Umstand, dass die Taliban das Doha-Abkommen in ihrer frei online verfügbaren Propaganda regelmässig nicht als …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Dies ergibt sich beispielsweise aus dem Umstand, dass die Taliban das Doha-Abkommen in ihrer frei online verfügbaren Propaganda regelmässig nicht als Friedensvertrag, sondern als Vereinbarung zur „Beendung der Besatzung” Afghanistans bezeichneten. Dass die Taliban den Doha-Prozess als Verhandlung einer Kapitulation auffassten, zeigt sich sodann noch klarer in einer nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Rede, die Taliban-Unterhändler Mullah Fazl im März 2020 … an Taliban-Kommandanten richtete. In dieser Ansprache sagte Fazl unter anderem: • dass „die Amerikaner sich vor die Füssen der Mudschahedin [sprich Taliban] geworfen und uns [die Taliban] um sicheres Geleit aus Afghanistan angefleht haben”; • dass die Taliban betreffend ihrer Forderungen keine Kompromisse machen würden; • dass der Taliban-Anführer das Staatsoberhaupt werde und es erneut ein Islamisches Emirate geben werde; und • dass die Taliban niemals ein Teil des republikanischen Systems werden würden, sprich niemals die Macht mit republikanischen Vertretern teilen würden. … [Hamdullah] Mohib sagt, dass die Taliban bereits während andauernden Verhandlungen zu ihm gesagt hätten, dass „Aussenminister in Schlangen warten, um sie [die Taliban] zu treffen” und „es nicht nötig ist, mit der afghanischen [republikanischen] Regierung zu sprechen.”“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)106, S. 11–12 (Original, neues Fenster)

Die Taliban hätten Doha intern als Kapitulationsverhandlung und „Beendung der Besatzung” verstanden; eine nicht-öffentliche Rede des Unterhändlers Mullah Fazl an Taliban-Kommandanten im März 2020 zeige dies klar: die Amerikaner hätten sich „vor die Füßen der Mudschahedin geworfen”, die Taliban würden keine Kompromisse machen, der Taliban-Anführer werde Staatsoberhaupt und Macht würde nie mit republikanischen Vertretern geteilt. Der frühere Sicherheitsberater Hamdullah Mohib bestätigte, dass Taliban schon 2019 sich als „wartende Regierung” gesehen hätten.

Thema: Taliban Akteure: Mullah Fazl, Hamdullah Mohib stellungnahmen\08-marty.json
Bewertung Frage 5 — Reaktionen NATO/Nachbarn S. 13–14

Marty: Pakistans Einfluss auf die Taliban wird „regelmäßig maßlos übertrieben”

Originalstelle
„In Bezug auf Pakistan ist von äusserster Wichtigkeit anzumerken, dass Pakistan und die Taliban zwar in einem speziellen Verhältnis stehen, die Rolle …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„In Bezug auf Pakistan ist von äusserster Wichtigkeit anzumerken, dass Pakistan und die Taliban zwar in einem speziellen Verhältnis stehen, die Rolle von Pakistan in Afghanistan sowie deren Einfluss auf die Taliban aber regelmässig massloss übertrieben wird. In der Tat zeigen zahlreiche Vorfälle, dass Pakistans Einfluss auf die Taliban höchstens beschränkt war. Das klarste Beispiel ist wohl, die langjährige Unterstützung der Tehrik-e Taliban Pakistan (TTP), einem Erzfeind des pakistanischen Staates, durch die afghanischen Taliban. … Ein anderes Beispiel sind gescheiterte von Pakistan aufgegleiste Friedensverhandlungen … im pakistanischen Muree im Juli 2015. … gilt ebenfalls hervorzuheben, dass glaubhafte Indizien darauf hinweisen, dass die Taliban ihr für Verhandlungen zuständiges politisches Büro bewusst in Doha, Qatar, eröffneten, um pakistanischen Einfluss zu verhindern. … [Douglas Lute-Zitat:] „Die Mehrheit der Taliban-Kämpfer kämpften innerhalb von Gehdistanz ihrer eigenen Häuser. … Es wuchs eine Art Mythologie um die Taliban Horden, die saisonal über die Grenze aus Pakistan kamen. Aber wir sahen diese nie.”“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)106, S. 13–14 (Original, neues Fenster)

Marty argumentiert, dass Pakistans Einfluss auf die Taliban regelmäßig maßlos übertrieben werde. Beispiele: die Taliban unterstützen mit TTP einen Erzfeind des pakistanischen Staates, pakistanisch eingefädelte Murree-Verhandlungen 7/2015 scheiterten, das politische Büro wurde bewusst in Doha eröffnet. Auch der frühere US-NATO-Botschafter Douglas Lute habe konstatiert, dass die meisten Taliban-Kämpfer in „Gehdistanz” ihrer Häuser kämpften; die Mythologie pakistanischer „Horden” sei nie belegt worden.

Hinweis: Marty steht hier deutlich gegen Mielke, Kaim und Schetter, die Pakistans Rolle (ISI-Unterstützung, Haqqani-Netzwerk, Medresen-Pipeline) als zentral darstellen. Beide Sichten gehören in den Datenbestand.
Thema: Taliban Akteure: Douglas Lute, TTP stellungnahmen\08-marty.json

Sondervoten der Fraktionen (2)

Sondervotum Kap. 4.1.5 — Sondervotum CDU/CSU zu 4.1.1.4 S. 77

Sondervotum CDU/CSU: Symbiotische Beziehung zwischen Taliban und Al-Qaida „unterschlagen“

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„Diese damalige symbiotische Beziehung war die Grundlage, dass sich die Taliban mehrfach weigerten, Osama Bin Laden an die US-Behörden oder …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Diese damalige symbiotische Beziehung war die Grundlage, dass sich die Taliban mehrfach weigerten, Osama Bin Laden an die US-Behörden oder internationale Gerichte auszuliefern. Das änderte sich weder nach den Al- Qaida Anschlägen auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam 1998 noch nach dem Anschlag auf die USS Cole im Jahre 2000. Selbst das durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen 1999 eingerichtete 1267 - Sanktionsregime, welches die Taliban unmissverständlich aufforderte, Bin Laden auszuliefern und das Führungspersonal der Taliban mit Sanktionen belegte, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, führte zu keiner Verhaltensänderung der Taliban-Führung.“

Quelle: Drs. 20/10400, S. 77 (Original, neues Fenster)

Das Sondervotum der CDU/CSU-Fraktion wirft Kapitel 4.1.1.4 vor, die anfänglich enge, symbiotische Beziehung zwischen Taliban und Al-Qaida zu unterschlagen. Im Austausch für den durch die Taliban gebotenen Schutzraum rekrutierte Al-Qaida ausländische Kämpfer für die Taliban. Diese Beziehung war Grundlage für die wiederholte Weigerung der Taliban, Bin Laden auszuliefern, auch nach den Anschlägen 1998 (Nairobi und Daressalam), 2000 (USS Cole) und nach dem VN-Sanktionsregime 1267.

Hinweis: Fraktionsposition CDU/CSU; kein gemeinsamer Befund der Kommission.
Thema: Taliban Akteure: CDU/CSU-Fraktion, Taliban, Al-Qaida enquete\zwischenbericht-projektgruppen-1.json
Sondervotum Teil 3, Kap. 5, Abschnitt 3.1.3 — Schutz durch Taliban S. 1001–1002

Taliban-„Schutz des Nichtangreifens” auch für EZ-Standorte, von BMZ-Referatsleiter Fischer bestätigt

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„„Ich weiß […], dass hier auch Standorte für Vorhaben der Entwicklungszusammenarbeit weitergegeben worden sind.” Näherhin sprach Fischer vom „Schutz …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„„Ich weiß […], dass hier auch Standorte für Vorhaben der Entwicklungszusammenarbeit weitergegeben worden sind.” Näherhin sprach Fischer vom „Schutz des Nichtangreifens”. Der Leiter des NATO-Referats im Auswärtigen Amt (Referat 201) erläuterte gegenüber dem Ausschuss, dass die Weitergabe der Standorte an die Taliban für die Sicherheit der NATO-Truppen von Vorteil gewesen sei: „Also, es war ja eine […] Maßnahme zum Schutz der internationalen Truppenkontingente vor Ort.“

Quelle: Drs. 20/14700, S. 1001–1002 (Original, neues Fenster)

BMZ-Referatsleiter Helmut Fischer sagte vor dem Ausschuss aus, dass auch Standorte deutscher EZ-Vorhaben an die Taliban weitergegeben worden seien, und zwar als „Schutz des Nichtangreifens”. Der Leiter des NATO-Referats im AA (Referat 201) bestätigte: Die Weitergabe an die Taliban habe dem Schutz der internationalen Truppenkontingente gedient.

Thema: Taliban Akteure: Helmut Fischer (BMZ), Auswärtiges Amt, Taliban, NATO sondervoten\afd.json

Aussagen der Sachverständigen (42)

Sachverständige:r Kap. 5.1 — Petersberger Konferenz S. 212–213

Ruttig: Geburtsfehler der Bonn-Konferenz: Ausschluss der Taliban UND der demokratischen Zivilgesellschaft

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„Meiner Meinung nach ist es ein Geburtsfehler der Bonn-Konferenz, dass die Taliban dort nicht teilgenommen haben, aber eigentlich noch viel mehr, dass …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Meiner Meinung nach ist es ein Geburtsfehler der Bonn-Konferenz, dass die Taliban dort nicht teilgenommen haben, aber eigentlich noch viel mehr, dass es den demokratischen Kräften, die es auch in Afghanistan gegeben hat, inklusive der organisierten Zivilgesellschaft, eben nicht erlaubt wurde, bei diesem Hauptforum oben auf dem Berg mitzureden. Das waren der eigentliche strategische Fehler und die falsche Weichenstellung gleich von Anfang an.“

Quelle: Drs. 20/10400, S. 212–213 (Original, neues Fenster)

Thomas Ruttig (Afghanistan Analysts Network), der als VN-Delegationsmitglied an der Konferenz teilnahm, nannte zwei „Geburtsfehler“ von Bonn: Ausschluss der Taliban und, noch gravierender, Ausschluss demokratischer afghanischer Kräfte und der organisierten Zivilgesellschaft vom Hauptforum. Steiner argumentierte demgegenüber, eine Taliban-Teilnahme sei „politisch nicht denkbar“ gewesen, da USA und andere zentrale Akteure nicht mit ihnen hätten verhandeln wollen.

Thema: Taliban Akteure: Thomas Ruttig, Michael Steiner, Taliban enquete\zwischenbericht-anhoerungen.json
Sachverständige:r Kap. 3 — Gewaltökonomie/Opium S. 17–18

Opium: Afghanistans Anteil 1980 ~20 %, Ende 1990er >70 % weltweit; das Taliban-Verbot 2000/01 senkte Produktion auf 185 Tonnen

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„Der Anteil Afghanistans an der Opiumproduktion stieg von etwa 20% im Jahr 1980 auf über 70% zum Ende der 1990er Jahre (UNODC, 2002, S. 2). Auf dem …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Der Anteil Afghanistans an der Opiumproduktion stieg von etwa 20% im Jahr 1980 auf über 70% zum Ende der 1990er Jahre (UNODC, 2002, S. 2). Auf dem Höhepunkt des Bürgerkrieges 1994 erreichte die geschätzte Opiumproduktion 3.400 Tonnen und stieg während der Taliban-Herrschaft auf 4.600 Tonnen im Jahr 1999 (UNODC, 2002). … Den Taliban gelang es im Jahr 2000/1, die Opiumproduktion fast auf null zurückzufahren, was jedoch ein einmaliges Ereignis blieb“

Quelle: Gutachten BICC: Korruption in Afghanistan (Enquete-Kommission), S. 17–18 (Original, neues Fenster)

Afghanistans Anteil an der weltweiten Opiumproduktion stieg von ~20 % (1980) auf >70 % (Ende 1990er); 1994 lag die Produktion bei 3.400 Tonnen, 1999 unter den Taliban bei 4.600 Tonnen. Den Taliban gelang es 2000/01, die Opiumproduktion fast auf null (185 Tonnen) zurückzufahren. Das war ein einmaliges Ereignis; 2002 stieg sie wieder auf 3.400 Tonnen. Drogenökonomie wurde Basis transnationaler kriminelle Netzwerke.

Thema: Taliban 1980 – 2002 enquete_gutachten\bicc-korruption.json
Sachverständige:r 1 Einleitung S. 7

Westliche Intervention 2001 traf auf ein erfolgreich durchgesetztes Talibanverbot des Mohnanbaus

Originalstelle
„„Die westliche Intervention ab 2001 fiel zufällig in ein Jahr, in dem die Taliban den Anbau von Schlafmohn verboten und dieses Verbot weitgehend durchgesetzt hatten.“

Quelle: Gutachten Florian Kuehn: Drogenökonomie Afghanistan 2001–2021 (Enquete-Kommission), S. 7 (Original, neues Fenster)

Die westliche Intervention 2001 sei zufällig in ein Jahr gefallen, in dem die Taliban den Schlafmohnanbau verboten und das Verbot weitgehend durchgesetzt hatten; die Motive dafür blieben bis heute umstritten.

Thema: Taliban 2001 enquete_gutachten\kuehn-drogenoekonomie.json
Sachverständige:r 2 Entwicklung der Drogenökonomie S. 14

Taliban setzten Cannabisverbot wegen Inlandskonsums leichter durch als beim Opium

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„Für die Volatilität im Anbau von Cannabis ist der Einfluss der Taliban entscheidender als etwa für Opium. Gerade weil Garda und Haschisch in …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Für die Volatilität im Anbau von Cannabis ist der Einfluss der Taliban entscheidender als etwa für Opium. Gerade weil Garda und Haschisch in Afghanistan konsumiert werden, fällt es den Taliban leichter, den Anbau zu unterbinden: Mit Fatwas und Verweisen auf den Verstoß gegen die religiösen Regeln gelingt es ihnen, Produzenten wie Händlern zu vermitteln, dass Anbau und Handel gegen religiöse Gebote verstoßen.“

Quelle: Gutachten Florian Kuehn: Drogenökonomie Afghanistan 2001–2021 (Enquete-Kommission), S. 14 (Original, neues Fenster)

Bei Cannabis sei der Einfluss der Taliban auf die Anbau-Volatilität entscheidender als bei Opium gewesen, weil Garda und Haschisch in Afghanistan selbst konsumiert würden; mit Fatwas und religiösen Argumenten hätten die Taliban Anbau und Handel zunehmend unterbinden können; 2021 sei das Verbot umfassend geworden, 2022 landesweit.

Thema: Taliban 2021–2022 enquete_gutachten\kuehn-drogenoekonomie.json
Sachverständige:r 2.1 Entwicklung und Trends S. 15

Bis ca. 2007 vertrat UNODC die Auffassung, Taliban profitierten nicht nennenswert vom Opium

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„In den Berichten des UNODC gibt es eine Veränderung insofern, als das UNODC bis ca. 2007 in seinen Berichten die Auffassung vertritt, dass die …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„In den Berichten des UNODC gibt es eine Veränderung insofern, als das UNODC bis ca. 2007 in seinen Berichten die Auffassung vertritt, dass die Taliban und andere Aufständische nicht oder nicht nennenswert vom Drogengeld profitieren; die Drogenkartelle seien eingesessen, manche sympathisierten mit der Regierung, andere mit der Aufstandsbewegung, aber es sei kein einheitliches politisches Profil zu erkennen. Dies wird im Wesentlichen in der einschlägigen Forschung bestätigt.“

Quelle: Gutachten Florian Kuehn: Drogenökonomie Afghanistan 2001–2021 (Enquete-Kommission), S. 15 (Original, neues Fenster)

Bis etwa 2007 habe das UNODC in seinen Berichten die Position vertreten, dass Taliban und andere Aufständische nicht oder nicht nennenswert vom Drogengeld profitierten; einschlägige Forschung bestätige dies im Wesentlichen.

Thema: Taliban bis ca. 2007 enquete_gutachten\kuehn-drogenoekonomie.json
Sachverständige:r 2.1 Entwicklung und Trends S. 17

Taliban besteuerten in der dritten Phase Handelsströme flächendeckend

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„In diese letzte Phase fällt auch, gewissermaßen den Annahmen der USA nacheilend, dass die Taliban zunehmend vom Opiumhandel profitieren: Anders als …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„In diese letzte Phase fällt auch, gewissermaßen den Annahmen der USA nacheilend, dass die Taliban zunehmend vom Opiumhandel profitieren: Anders als die Republik gelingt es den Taliban, Handelsströme (nicht nur mit Opium) flächendeckend zu besteuern. Die dadurch generierten Einnahmen machen sie indes nicht zu Drogenhändlern: Bis zur Machtübernahme 2021 zapfen sie vom Anbau über die regionalen bis zu den internationalen Ausfuhrhändlern die Geldflüsse an und können so einen Anteil der Wertschöpfung für sich beanspruchen.“

Quelle: Gutachten Florian Kuehn: Drogenökonomie Afghanistan 2001–2021 (Enquete-Kommission), S. 17 (Original, neues Fenster)

In der letzten Interventionsphase sei es den Taliban, anders als der Republik, gelungen, Handelsströme (nicht nur Opium) flächendeckend zu besteuern und einen Anteil der Wertschöpfung der Drogenwirtschaft abzuschöpfen; sie seien dadurch jedoch nicht zu Drogenhändlern geworden.

Thema: Taliban enquete_gutachten\kuehn-drogenoekonomie.json
Sachverständige:r Entstehung der Taliban S. 2

Taliban entstanden 1994 in Kandahar, um den Bürgerkrieg zu beenden

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„Etwa um 1994 gründete sich aus Kandahar heraus eine Gruppe, die sich „Schüler”, also „Taliban” nannte, um die Bürgerkriegsparteien zu bekämpfen und um den Bürgerkrieg zu beenden, was tatsächlich auch klappte.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)100, S. 2 (Original, neues Fenster)

Rund um 1994 formierten sich in Kandahar die als „Schüler” („Taliban”) bezeichneten Kämpfer mit dem Ziel, den Bürgerkrieg zu beenden, was ihnen gelang.

Thema: Taliban ab ca. 1994 stellungnahmen\01-dube.json
Sachverständige:r Entstehung der Taliban S. 2

Taliban sind ausnahmslos Pashtunen; Pashtunen sind größte und konservativste Ethnie (~40 %)

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„Die Taliban gehörten und gehören ausnahmslos der Ethnie der Pashtunen an, also der konservativsten afghanischen Ethnie, die mit ca. 40% die größte Gruppe darstellt.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)100, S. 2 (Original, neues Fenster)

Die Taliban gehören ausnahmslos der Ethnie der Pashtunen an, die mit rund 40 % die größte und konservativste Ethnie Afghanistans ist.

Thema: Taliban stellungnahmen\01-dube.json
Sachverständige:r Entstehung der Taliban S. 2

Taliban wurden durch ISI (Pakistan) ausgebildet und logistisch unterstützt, Geld aus Saudi-Arabien und USA

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„Ausgebildet sowie finanziell und logistisch unterstützt wurden die Talibankämpfer durch den pakistanischen Militärgeheimdienst (ISI), der wiederum finanzielle Mittel dafür aus Saudi Arabien und aus den USA bekam.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)100, S. 2 (Original, neues Fenster)

Die Talibankämpfer seien durch den pakistanischen Militärgeheimdienst ISI ausgebildet und logistisch wie finanziell unterstützt worden; der ISI habe seinerseits Mittel aus Saudi-Arabien und den USA bezogen.

Thema: Taliban Akteure: Pakistanischer Militärgeheimdienst (ISI), Saudi-Arabien, USA stellungnahmen\01-dube.json
Sachverständige:r Ländliches Afghanistan S. 2

Taliban sind in ländlichen Gebieten zuhause und im Alltag Bauern, Handwerker, Mullahs

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„In diesen ländlichen Gebieten sind die Taliban zuhause. Sie sind Bauern, kleine Handwerker, Mullahs, kleine Kaufleute…. Ruft der Dorfälteste die …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„In diesen ländlichen Gebieten sind die Taliban zuhause. Sie sind Bauern, kleine Handwerker, Mullahs, kleine Kaufleute…. Ruft der Dorfälteste die Männer seines Dorfes, weil es mit Nachbarn, der Polizei, der Armee oder ausländischen Truppen Ärger gibt, wird die Kalashnikov herausgeholt und alle Männer sind bereit zu kämpfen.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)100, S. 2 (Original, neues Fenster)

In ländlichen Gebieten lebten die Taliban als gewöhnliche Bauern, Handwerker, Mullahs oder Kaufleute; wenn die Dorfältesten zum Kampf gegen Nachbarn, Polizei, Armee oder ausländische Truppen riefen, hätten die Männer Waffen geholt und gekämpft.

Thema: Taliban stellungnahmen\01-dube.json
Sachverständige:r Machtübernahme 1996 S. 2

Mehrheit der Bevölkerung 1996 mit Taliban-Machtübernahme zufrieden, weil der Bürgerkriegs-Terror endete

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„Nach der Machtübernahme der Taliban um 1996 herum war der größte Teil der einfachen afghanischen Bevölkerung zufrieden. Es kehrte Ruhe im Land ein. Der Terror durch die Bürgerkriegsparteien hatte ein Ende.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)100, S. 2 (Original, neues Fenster)

Mit der Taliban-Machtübernahme um 1996 sei der größte Teil der einfachen Bevölkerung zufrieden gewesen, weil Ruhe einkehrte und der Bürgerkriegs-Terror endete.

Thema: Taliban ab ca. 1996 stellungnahmen\01-dube.json
Sachverständige:r Machtübernahme 1996 S. 2

Drogenanbau bis 2001 von Taliban als „unislamisch” auf nahezu Null gedrückt

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„So wurde durch die Taliban auch der Drogenanbau sowie der entsprechende Konsum bis 2001 auf nahezu Null gebracht, weil er „unislamisch” ist und gegen die pashtunischen Traditionen verstößt.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)100, S. 2 (Original, neues Fenster)

Bis 2001 hätten die Taliban Drogenanbau und -konsum mit der Begründung, beides sei „unislamisch” und gegen pashtunische Traditionen, auf nahezu Null gedrückt.

Thema: Taliban 1996–2001 stellungnahmen\01-dube.json
Sachverständige:r Machtübernahme 1996 S. 2–3

Drakonische Taliban-Strafen wurden von der Landbevölkerung toleriert und unterstützt

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„Die drakonischen Strafen der Taliban in den Städten nach der Machtübernahme 1996 wurde aber durch die ländliche afghanische Bevölkerung nicht nur toleriert, sondern auch unterstützt.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)100, S. 2–3 (Original, neues Fenster)

Die drakonischen Strafen der Taliban in den Städten nach 1996 seien von der ländlichen Bevölkerung nicht nur toleriert, sondern aktiv unterstützt worden.

Thema: Taliban stellungnahmen\01-dube.json
Sachverständige:r Aktuelle Lage Taliban S. 5

Innerhalb der Taliban heftige Machtkämpfe; moderate Fraktion wird zurückgedrängt

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„Derzeit haben wir in Afghanistan die Situation, dass es innerhalb der Talibanführung heftige Machtkämpfe gibt. Es wirkt so, als ob die „moderate” …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Derzeit haben wir in Afghanistan die Situation, dass es innerhalb der Talibanführung heftige Machtkämpfe gibt. Es wirkt so, als ob die „moderate” Fraktion, die auch für eine behutsame Öffnung der Schulen für Mädchen und eine Integration der Frauen in den Arbeitsmarkt plädiert, zurückgedrängt wird.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)100, S. 5 (Original, neues Fenster)

Aktuell tobten innerhalb der Talibanführung heftige Machtkämpfe; die moderate Fraktion, die für eine behutsame Öffnung der Mädchenschulen und Frauen-Integration in den Arbeitsmarkt eintrete, werde zurückgedrängt.

Thema: Taliban Stand 09/2022 stellungnahmen\01-dube.json
Sachverständige:r Aktuelle Lage Taliban S. 5

Extremistische Taliban-Fraktion treibt Scharia-Rache an früheren Ortskräften voran

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„Die extremistische Fraktion dagegen arbeitet in Richtung „Mittelalter” und befürwortet eindeutig eine Rache an allen Afghanen, die für die westlichen …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Die extremistische Fraktion dagegen arbeitet in Richtung „Mittelalter” und befürwortet eindeutig eine Rache an allen Afghanen, die für die westlichen Streitkräfte wie auch für westliche Regierungen und deren nachgeordnete Einrichtungen gearbeitet haben. Die Racheakte würden und werden dann nach den Gesetzen der Scharia vollzogen werden.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)100, S. 5 (Original, neues Fenster)

Die extremistische Fraktion der Taliban arbeite Richtung „Mittelalter” und befürworte Rache an allen Afghan:innen, die für westliche Streitkräfte, Regierungen und nachgeordnete Einrichtungen gearbeitet haben. Die Racheakte würden nach Scharia-Recht vollzogen.

Thema: Taliban stellungnahmen\01-dube.json
Sachverständige:r Frage 1b — Sicherheitslage S. 3

Ab 22.02.2020 vereinbarte Periode reduzierter Gewalt zeigte hohe interne Disziplin der Taliban

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„Nach Beendigung der Doha-Verhandlungen setzte ab 22. Februar die von den USA mit der Taliban-Delegation mündlich vereinbarte Periode reduzierter …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Nach Beendigung der Doha-Verhandlungen setzte ab 22. Februar die von den USA mit der Taliban-Delegation mündlich vereinbarte Periode reduzierter Gewalt ein – eine Woche vor der Unterzeichnung des Abkommens am 29. Februar 2020. Dies hatte v.a. symbolische Bedeutung und zeigte erneut die Machbarkeit kompletter Gewaltreduktion, was auf eine hohe interne Disziplin der Talibanbewegung hindeutete und die Perspektiven für ‚Frieden' … scheinbar in greifbare Nähe rücken ließ.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)105, S. 3 (Original, neues Fenster)

Eine Woche vor der Unterzeichnung, ab 22. Februar 2020, habe die mündlich vereinbarte Periode reduzierter Gewalt eingesetzt; ihre Machbarkeit habe auf eine hohe interne Disziplin der Taliban hingedeutet und Friedensperspektiven scheinbar in greifbare Nähe gerückt.

Thema: Taliban stellungnahmen\02-mielke.json
Sachverständige:r Frage 6 — Unterstützung in der Bevölkerung S. 10

Taliban gewannen 11/2019–7/2020 nur 9 Distrikte hinzu; Wende erst April–Juni 2021 (104 vs. 94 Distrikte)

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„Die Taliban haben zwischen November 2019 und Juli 2020 die Kontrolle in neun Distrikten hinzugewonnen (von vorher 69 auf 78), aber trotz der …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Die Taliban haben zwischen November 2019 und Juli 2020 die Kontrolle in neun Distrikten hinzugewonnen (von vorher 69 auf 78), aber trotz der Intensivierung der Gewalt in den Folgemonaten und insbesondere nach Einsetzen des intra-afghanischen Dialogs keine Erweiterung ihres Einflussbereichs erreicht. Erst zwischen April und Juni 2021 dehnte sich ihre Kontrolle auf 104 Distrikte aus und übertraf damit erstmals die Zahl der Distrikte (=94) unter Regierungskontrolle (Roggio 2022).“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)105, S. 10 (Original, neues Fenster)

Von November 2019 bis Juli 2020 gewannen die Taliban nur neun Distrikte hinzu (von 69 auf 78) und konnten bis weit ins Jahr 2020 ihre Einflusszone nicht erweitern. Erst zwischen April und Juni 2021 dehnte sich die Taliban-Kontrolle auf 104 Distrikte aus und übertraf erstmals die der Regierung (94, Roggio 2022).

Thema: Taliban 11/2019 – 6/2021 stellungnahmen\02-mielke.json
Sachverständige:r Frage 6 — Unterstützung in der Bevölkerung S. 10–11

Taliban-Basislegitimität durch Co-Governance: Staat zahlte Gehälter, Taliban regelten Schulen und Gesundheit

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„In den von den Taliban kontrollierten und beeinflussten Gebieten vermochte die Bewegung dort eine Art Basislegitimität erlangen, wo sie …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„In den von den Taliban kontrollierten und beeinflussten Gebieten vermochte die Bewegung dort eine Art Basislegitimität erlangen, wo sie Governance-Defizite der Regierung ausgleichen, in den Augen der Bevölkerung Gerechtigkeit schaffen oder auch die Performanz der Regierungsinstitutionen verbessern konnte. Bekannt ist die vergleichsweise schnelle und korruptionsfreie Rechtsprechung der Taliban-Richter oder auch ihre Co-Governance im Schul- und Gesundheitswesen … Hier bildeten sie Kommissionen auf Distriktebene, deren Vertreter die Anwesenheit von Lehr- und Gesundheitspersonal und die Verfügbarkeit von Medikamenten überwachten. Es gab zunehmend Distrikte, z.B. im Norden in der Provinz Kunduz, wo die Taliban auf lokaler Ebene herrschten und die Regierung aber weiterhin die Gehälter der Lehrer, Ärzte und Medizinangestellten zahlte. … Dem stehen zahlreiche Beispiele aus Gemeinden gegenüber, wo Älteste auf Bitten der Bevölkerung in der Lage waren, lokale Talibanautoritäten beispielsweise von der Einrichtung oder dem Weiterbetrieb auch von Mädchenschulen zu überzeugen. Die Beziehung zwischen Taliban und Zivilbevölkerung war weitgehend von kontinuierlichen Aushandlungsprozessen geprägt (Jackson 2021).“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)105, S. 10–11 (Original, neues Fenster)

In Taliban-kontrollierten Gebieten habe die Bewegung Basislegitimität dort erlangt, wo sie Governance-Defizite ausglich und schnelle, korruptionsfreie Rechtsprechung sowie Co-Governance in Schul- und Gesundheitswesen anbot. In Distrikten wie Kunduz herrschten Taliban lokal, während der Staat weiter Gehälter zahlte; lokal hätten Älteste teils Mädchenschulen erwirken können. Die Taliban-Zivilgesellschaftsbeziehung sei stark von Aushandlungsprozessen geprägt gewesen (Jackson 2021).

Thema: Taliban stellungnahmen\02-mielke.json
Sachverständige:r Frage 7 — Externe Akteure S. 11

Pakistanische sunnitische Medresen + ISI radikalisierten Flüchtlinge; Talibanbewegung ist das Resultat

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„Pakistan war traditionell der Ort, an den viele Familien einen Sohn zur Ausbildung als Imam oder Mullah sendeten, denn die sunnitischen Medresen in …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Pakistan war traditionell der Ort, an den viele Familien einen Sohn zur Ausbildung als Imam oder Mullah sendeten, denn die sunnitischen Medresen in Pakistan genossen unter Afghan:innen einen guten Ruf. Unbestritten ist der Einfluss Pakistans und islamistischer Parteien und Akteure aus den Golfstaaten auf die Radikalisierung großer Teile der Flüchtlingsbevölkerung durch die Verbreitung dschihadistischer Weltbilder, die Politisierung des Islam und islamistische Propaganda. Teile der Talibanbewegung sind das Resultat dieser Entwicklung. … Die pakistanische Armee und der Geheimdienst haben die Talibanbewegung maßgeblich organisatorische und durch die Kanalisierung internationaler Gelder unterstützt (Giustozzi 2019), weiterhin sind die religiösen und wirtschaftlichen Netzwerke zwischen Akteuren in Pakistan und den Taliban ein wichtiger Faktor, der die ‚Resilienz' der Bewegung erklärt.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)105, S. 11 (Original, neues Fenster)

Pakistanische sunnitische Medresen hatten unter Afghan:innen einen guten Ruf; Pakistan und islamistische Akteure aus den Golfstaaten hätten große Teile der Flüchtlingsbevölkerung radikalisiert. Teile der Talibanbewegung seien das Resultat. Die pakistanische Armee und der Geheimdienst hätten die Taliban maßgeblich organisatorisch und durch die Kanalisierung internationaler Gelder unterstützt (Giustozzi 2019); religiöse und wirtschaftliche Netzwerke erklärten die Resilienz der Bewegung.

Thema: Taliban Akteure: Pakistanischer Geheimdienst (ISI), Golfstaaten stellungnahmen\02-mielke.json
Sachverständige:r Frage 3 — Bewertung des Doha-Abkommens S. 3–4

Anti-Terror-Zusagen: gegen IS-K ja (auch politisch nutzbar), aber keine öffentliche Trennung von Al-Qaida

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„Den Kampf gegen mutmaßliche Zellen des IS-K scheinen die Taliban ernst zu nehmen – wobei sie ihn offenbar auch dazu nutzen, um politische Gegner zu …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Den Kampf gegen mutmaßliche Zellen des IS-K scheinen die Taliban ernst zu nehmen – wobei sie ihn offenbar auch dazu nutzen, um politische Gegner zu brandmarken und zu töten. Eine öffentliche Trennung von Al-Qaida hat nicht stattgefunden. Die Zeit des gemeinsamen Kampfes gegen die Sowjetunion und die Unterstützung während des afghanischen Bürgerkriegs hat zu einer engen Verbundenheit und zu familiären Beziehungen durch Heirat geführt. Es darf nicht überraschen, dass al-Zawahiri mutmaßlich in der ehemaligen Green Zone lebte – mutmaßlich in einem Haus, das seit dem Regimewechsel von engen Vertrauten des de-facto-Innenministers Sirajuddin Haqqani genutzt wird.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)101(neu), S. 3–4 (Original, neues Fenster)

Der Kampf gegen mutmaßliche IS-K-Zellen scheinen die Taliban ernst zu nehmen, nutzten ihn aber auch, um politische Gegner zu brandmarken und zu töten; eine öffentliche Trennung von Al-Qaida habe nicht stattgefunden; die enge Verbundenheit aus Sowjet-Krieg und Bürgerkrieg habe zu familiären Heiratsbeziehungen geführt; al-Zawahiri habe mutmaßlich in der ehemaligen Green Zone in einem Haus von Vertrauten Sirajuddin Haqqanis gelebt.

Hinweis: Widerspruch zur Einschätzung Zerbins, die Taliban hätten Anti-Al-Qaida-Zusagen glaubhaft eingehalten. Petersmann beurteilt die Verbindung als unverändert eng.
Thema: Taliban stellungnahmen\03-petersmann.json
Sachverständige:r Frage 7 — Externe Akteure und regionale Dynamik S. 7

AFG ist Schauplatz für Stellvertreterkriege seit dem Sowjet-Einmarsch: Mudschahedin → Taliban → Al-Qaida-Verbindung

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„Afghanistan ist spätestens seit dem Einmarsch der Sowjetunion ein Schauplatz für Stellvertreterkriege. Es sei daran erinnert, wer die Mudschahedin in …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Afghanistan ist spätestens seit dem Einmarsch der Sowjetunion ein Schauplatz für Stellvertreterkriege. Es sei daran erinnert, wer die Mudschahedin in ihrem Kampf gegen die Rote Armee finanzierte, ideologisierte und hochrüstete (USA, Saudi-Arabien, Pakistan). Aus diesen Mudschahedin sind die Taliban hervorgegangen - mitsamt enger Beziehungen zu Al-Qaida.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)101(neu), S. 7 (Original, neues Fenster)

Spätestens seit dem sowjetischen Einmarsch sei Afghanistan Schauplatz von Stellvertreterkriegen; USA, Saudi-Arabien und Pakistan hätten die Mudschahedin im Kampf gegen die Rote Armee finanziert, ideologisiert und hochgerüstet. Aus den Mudschahedin seien die Taliban hervorgegangen, mitsamt enger Al-Qaida-Beziehungen.

Thema: Taliban Akteure: USA, Saudi-Arabien, Pakistan stellungnahmen\03-petersmann.json
Sachverständige:r Frage 7 — Externe Akteure: Pakistan, Iran S. 10

Iran finanzierte seit 2012 das Maschhad-Büro der Taliban; Pragmatik über Ideologie

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„Innerhalb der Zivilgesellschaft förderte der Iran stets stark die schiitischen Gemeinden und ihre religiösen Institutionen. Dies lässt sich etwa an …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Innerhalb der Zivilgesellschaft förderte der Iran stets stark die schiitischen Gemeinden und ihre religiösen Institutionen. Dies lässt sich etwa an den iranischen Investitionen in Herat wie auch in den westlichen Stadteilen von Kabul ablesen, in denen große Gemeinden der schiitischen Hazara entstanden. Es gilt aber auch zu beachten, dass der Iran seit 2012 das Maschhad Büro der Taliban finanzierte, um die USA und deren Verbündete in Westafghanistan militärisch zu schwächen. Der offensichtliche, ideologische Widerspruch zwischen Schiiten und Taliban wog in der iranischen Politik weniger schwer als pragmatische Überlegungen.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)103, S. 10 (Original, neues Fenster)

Iran habe einerseits schiitische Gemeinden und religiöse Institutionen gefördert (Investitionen in Herat und Westkabul / Hazara), andererseits seit 2012 das Maschhad-Büro der Taliban finanziert, um die USA in Westafghanistan zu schwächen; pragmatische Überlegungen überwogen den ideologischen Widerspruch.

Thema: Taliban stellungnahmen\04-schetter.json
Sachverständige:r Frage 7 — Externe Akteure: Pakistan, Iran S. 10

Pakistan unterstützte Taliban offen: Rückzugsräume, Ressourcen, religiöse und Händlernetzwerke

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„Pakistan galt über die letzten 20 Jahre gegenüber der afghanischen Regierung als kritisch bis hin als feindlich eingestellt; immer wieder kam es …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Pakistan galt über die letzten 20 Jahre gegenüber der afghanischen Regierung als kritisch bis hin als feindlich eingestellt; immer wieder kam es entlang der Durand Line zu Scharmützeln zwischen Armeeangehörigen beider Länder. Recht unverhohlen unterstützte Pakistan das Wiedererstarken der Taliban und bot den Taliban Rückzugsräume an und stattete sie mit Ressourcen aus. Die Verbindung zur afghanischen Zivilgesellschaft sehe ich in den folgenden drei Bereichen: a) NGOs … b) Händlernetzwerke (paschtunische Händlerfamilien) … c) Religiöse Netzwerke (Sufi-Gemeinschaften, Wanderprediger, Medresen) — Zentren oft in Pakistan, von wo aus sie nach Afghanistan hineinwirkten. Sicherlich spielten einige (nicht alle!) dieser Netzwerke eine wichtige Rolle im Ausgreifen der Taliban.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)103, S. 10 (Original, neues Fenster)

Pakistan habe das Wiedererstarken der Taliban relativ unverhohlen unterstützt (Rückzugsräume, Ressourcen); Verbindungen zur afghanischen Zivilgesellschaft bestünden über (a) NGOs, (b) paschtunische Händlerfamilien im Transportsektor und (c) religiöse Netzwerke (Sufi-Gemeinschaften, Wanderprediger, Medresen mit Zentren in Pakistan). Einige (nicht alle) dieser Netzwerke spielten beim Ausgreifen der Taliban eine wichtige Rolle.

Thema: Taliban stellungnahmen\04-schetter.json
Sachverständige:r Vertrauensverlust des afghanischen Staats und seiner Eliten S. 3

Taliban-Anhängerschaft beruhte primär auf anti-elitärem Image

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„Die Anhängerschaft, den die Taliban in weiten Teilen der Gesellschaft erfuhren, beruht weniger auf der Attraktivität ihrer religiös-ideologischen …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Die Anhängerschaft, den die Taliban in weiten Teilen der Gesellschaft erfuhren, beruht weniger auf der Attraktivität ihrer religiös-ideologischen Weltanschauung, sondern auf ihrem Image als anti-elitäre Bewegung des „kleinen Mannes ohne Stimme”. Von vielen traditionell-konservativen Menschen, die vom Wiederaufbau ausgeschlossen waren oder familiäre Verluste durch Kämpfe und Drohnenanschläge erlitten hatten, erhielten die Taliban Zuspruch.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)104, S. 3 (Original, neues Fenster)

Die Anhängerschaft der Taliban beruhe weniger auf religiös-ideologischer Attraktivität als auf einem anti-elitären Image (Bewegung des „kleinen Mannes ohne Stimme”); Zuspruch sei vor allem von traditionell-konservativen Menschen gekommen, die vom Wiederaufbau ausgeschlossen waren oder Angehörige durch Kämpfe oder Drohnenanschläge verloren hatten.

Thema: Taliban stellungnahmen\05-zeino.json
Sachverständige:r Herausforderungen der Entwicklungszusammenarbeit S. 3

Mögliche Enttäuschung der Taliban-Anhänger:innen offen

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„Die neue (de facto) Taliban-Regierung wird möglicherweise Teile ihrer Anhänger ebenso ernüchtern, enttäuschen oder verlieren. Welchen Ideen sich die Menschen in Zukunft zuwenden werden, bleibt bis dato offen.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)104, S. 3 (Original, neues Fenster)

Die neue (de facto) Taliban-Regierung werde möglicherweise Teile ihrer Anhänger:innen enttäuschen; welcher Ideen sich die Menschen künftig zuwenden, bleibe offen.

Thema: Taliban stellungnahmen\05-zeino.json
Sachverständige:r Frage 3 — Glaubwürdigkeit der Taliban-Versprechen S. 4–5

Vor Doha: Taliban hielten Absprachen; nach Doha und Abzug nicht mehr durchsetzbar

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„Ich selbst habe in meiner Zeit als Chef des Stabes ISAF mehrfach mit Vertretern der Taliban gesprochen und kann daher sagen: sie haben sich damals …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Ich selbst habe in meiner Zeit als Chef des Stabes ISAF mehrfach mit Vertretern der Taliban gesprochen und kann daher sagen: sie haben sich damals immer an die jeweiligen Absprachen gehalten – wohl wissend, dass wir Verstöße hätten ahnden können. Das war nach dem Doha-Abkommen und Abzug der internationalen Truppe NICHT mehr möglich. Insofern waren Zweifel an dem Versprechen der Taliban berechtigt.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)99, S. 4–5 (Original, neues Fenster)

Aus seinen eigenen Taliban-Gesprächen als ISAF-Stabschef wisse Domröse, dass sich die Taliban damals an Absprachen gehalten hätten, auch weil Verstöße hätten geahndet werden können; nach Doha und Abzug sei diese Sanktionsmöglichkeit weggefallen, Zweifel an den Taliban-Versprechen daher berechtigt.

Thema: Taliban stellungnahmen\06-domroese.json
Sachverständige:r Lage zum Jahreswechsel 2019/2020 S. 2

US-Regierung 9/2019: 2.000–5.000 IS-K-Kämpfer aktiv; Taliban-Al-Qaida-Beziehungen weiterhin eng

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„Die US-Regierung schätzte im September 2019, dass zwischen 2.000 und 5.000 IS-K-Kämpfer in Afghanistan aktiv seien und die Gruppe über die Fähigkeit …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Die US-Regierung schätzte im September 2019, dass zwischen 2.000 und 5.000 IS-K-Kämpfer in Afghanistan aktiv seien und die Gruppe über die Fähigkeit verfüge, Anschläge mit hohen Verlusten im Land zu verüben und westliche Interessen dort sowie in der Region anzugreifen. Zugleich betonte sie, dass die Beziehungen zwischen Al-Qaida und den Taliban weiterhin eng seien.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)107, S. 2 (Original, neues Fenster)

Die US-Regierung schätzte im September 2019, dass zwischen 2.000 und 5.000 IS-K-Kämpfer in Afghanistan aktiv seien; IS-K sei die aktivste Terrorgruppe; zugleich betonte sie, die Beziehungen zwischen Al-Qaida und den Taliban seien weiterhin eng.

Hinweis: Spannung zu Zerbin, der die Glaubwürdigkeit der Al-Qaida-Abkehr der Taliban betont. Kaim und Petersmann berichten dagegen weiterhin enge Beziehungen.
Thema: Taliban stellungnahmen\07-kaim.json
Sachverständige:r NATO und Nachbarstaaten S. 9–10

Pakistan unterstützte Taliban und Haqqani-Netzwerk; US-Befehlshaber führten Aufstandsmacht auf Islamabad zurück

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„Pakistans Sicherheitsdienste unterhielten bis zum Fall Kabuls Verbindungen zu afghanischen aufständischen Gruppen, vor allem zum Haqqani-Netzwerk. …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Pakistans Sicherheitsdienste unterhielten bis zum Fall Kabuls Verbindungen zu afghanischen aufständischen Gruppen, vor allem zum Haqqani-Netzwerk. US-Militärbefehlshaber führten einen Großteil der Macht und Langlebigkeit der Aufständischen auf diese finanzielle und militärische Unterstützung aus Islamabad zurück; Präsident Trump hat vor diesem Hintergrund Pakistan beschuldigt, „genau die Terroristen zu beherbergen, die wir bekämpfen”. Seit Ende 2018 hat die Regierung Trump Islamabad jedoch um Unterstützung bei den US-Gesprächen mit den Taliban gebeten, und Sonderbotschafter Khalilzad dankte Pakistan für die Erleichterung der Reise von Taliban-Vertretern zu den Gesprächen in Doha.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)107, S. 9–10 (Original, neues Fenster)

Pakistans Sicherheitsdienste hätten bis zum Fall Kabuls Verbindungen zu afghanischen Aufständischen, vor allem zum Haqqani-Netzwerk, gepflegt; US-Befehlshaber hätten einen Großteil der Macht und Langlebigkeit der Aufständischen auf finanzielle und militärische Unterstützung aus Islamabad zurückgeführt. Trump beschuldigte Pakistan, „genau die Terroristen zu beherbergen, die wir bekämpfen”. Gleichzeitig hatte die Trump-Regierung Islamabad ab Ende 2018 um Hilfe bei den Doha-Gesprächen gebeten, Khalilzad dankte Pakistan für die Erleichterung der Taliban-Reisen.

Thema: Taliban stellungnahmen\07-kaim.json
Sachverständige:r Frage 1 — Sicherheitslage und politische Lage S. 3–4

Daesh Khorasan: Herbst 2019–Frühjahr 2020 Verlust der Hochburgen in Nangarhar und Kunar; bleibt Randerscheinung

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„Zwischen Herbst 2019 und Frühling 2020 verlor Daesh Khorasan seine ehemaligen Hochburgen in Teilen der ostafghanischen Provinzen Nangarhar und Kunar …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Zwischen Herbst 2019 und Frühling 2020 verlor Daesh Khorasan seine ehemaligen Hochburgen in Teilen der ostafghanischen Provinzen Nangarhar und Kunar und damit die einzigen Gebieten, die die Gruppe in Afghanistan kontrollierte. … die Gruppe jedoch im Grossen und Ganzen eine Randerscheinung bleibt, die auf wenige Teile von Afghanistan beschränkt ist. Daesh Khorasan steht seit jeher im offenen Konflikt mit den Taliban.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)106, S. 3–4 (Original, neues Fenster)

Zwischen Herbst 2019 und Frühjahr 2020 verlor Daesh Khorasan seine Hochburgen in Nangarhar und Kunar (die einzigen kontrollierten Gebiete); trotz Resistenz und einzelner Anschläge bleibe die Gruppe Randerscheinung; sie stehe in offenem Konflikt mit den Taliban.

Thema: Taliban stellungnahmen\08-marty.json
Sachverständige:r Frage 3 — Glaubwürdigkeit der Taliban-Versprechen S. 10–11

ICG-Beobachtung 08/2020: Taliban verstehen „genuinely nicht”, warum US Al-Qaida (Hunderte) als Bedrohung sehen

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„[ICG-Zitat:] „Die Taliban sehen solche [nicht-afghanischen dschihadistischen] Gruppen nicht nur nicht als ernste Gefahr, sondern scheinen gar fast …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„[ICG-Zitat:] „Die Taliban sehen solche [nicht-afghanischen dschihadistischen] Gruppen nicht nur nicht als ernste Gefahr, sondern scheinen gar fast unfähig zu verstehen, warum die Vereinigten Staaten von Amerika dies tun. Sogar wenn Taliban implizit westliche Informationen anerkennen, wonach sich einige Hundert al-Qa'ida-Verbündete in Afghanistan aufhalten und persönliche Beziehungen zu Taliban haben, bemerken Taliban, wie stark diese Zahlen mit ihren eigenen über 50'000 Kämpfern eines landesweiten Aufstandes kontrastieren … Sie sind in der Tat verwirrt wieso eine verschwindend kleine Gruppe, die sie als Ausgestossene im Exil wahrnehmen, von der einzigen Supermacht der Welt als globale Bedrohungen angesehen wird.”“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)106, S. 10–11 (Original, neues Fenster)

Laut ICG-Bericht (August 2020) verstünden die Taliban genuinely nicht, warum die USA al-Qaida (einige Hundert in AFG) als globale Bedrohung sehen, gegenüber den über 50.000 Taliban-Kämpfern eines landesweiten Aufstands. Eine zumindest teilweise Täuschungsabsicht könne aber nicht ausgeschlossen werden.

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Sachverständige:r Frage 3 — Glaubwürdigkeit der Taliban-Versprechen S. 4

Versprechen der Taliban zum Teil glaubwürdig, aus eigener Sicht eingehalten

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„Die Versprechungen der Taliban waren zum Teil glaubwürdig. Aus der subjektiven Sicht der Taliban haben sie sich auch daran gehalten: Kurzfristig und …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Die Versprechungen der Taliban waren zum Teil glaubwürdig. Aus der subjektiven Sicht der Taliban haben sie sich auch daran gehalten: Kurzfristig und langfristig haben sie Afghanistan mehr Frieden und Ordnung gebracht. Durch den militärischen Sieg über die vom Westen unterstützten Regierungstruppen, kam es zur Einstellung der Kampfhandlung. Auch die Einführung der Scharia hat ein Mindestmaß an Sicherheit und Ordnung gebracht.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)112, S. 4 (Original, neues Fenster)

Aus subjektiver Taliban-Sicht hätten sie ihre Versprechen eingehalten: Durch militärischen Sieg über die Regierungstruppen seien die Kampfhandlungen eingestellt, durch Einführung der Scharia ein Mindestmaß an Sicherheit und Ordnung hergestellt worden.

Thema: Taliban stellungnahmen\09-zerbin.json
Sachverständige:r Frage 3 — Glaubwürdigkeit der Taliban-Versprechen S. 4

Versprechen ohne Al-Qaida-Basis war glaubhaft; Taliban sind keine Araber

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„Andere Versprechungen, wie, dass von afghanischem Boden kein Sicherheitsrisiko mehr zum Nachteil der USA und seiner Verbündeten ausgehen soll, ist …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Andere Versprechungen, wie, dass von afghanischem Boden kein Sicherheitsrisiko mehr zum Nachteil der USA und seiner Verbündeten ausgehen soll, ist glaubhaft gewesen. Al Quaida ist eine arabische Organisation. Die Taliban sind Paschtunen und haben eine ganz andere Abstammung, Kultur und Geschichte als Araber. Schon zu Zeiten Mullah Omar (1960-2013) war das Verhältnis zwischen Taliban und Al-Qaida nicht ohne Spannungen. Die Beharrung auf die Gastfreundschaft zu Osama bin Laden, hat den Taliban 20 Jahre Entmachtung, Krieg und Zerstörung gebracht. Von daher war es Glaubhaft, dass die Taliban nicht wieder interessiert daran waren, Al-Qaida erneut eine Basis in Afghanistan zu bieten.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)112, S. 4 (Original, neues Fenster)

Das Versprechen, von afghanischem Boden gehe kein Sicherheitsrisiko mehr für USA und Verbündete aus, sei glaubhaft gewesen: Al-Qaida sei arabisch, die paschtunischen Taliban hätten andere Abstammung, Kultur und Geschichte; das Verhältnis sei schon unter Mullah Omar spannungsreich gewesen. Die Beharrung auf Gastfreundschaft für Bin Laden habe den Taliban 20 Jahre Entmachtung, Krieg und Zerstörung eingebracht.

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Sachverständige:r Frage 3 — Glaubwürdigkeit der Taliban-Versprechen S. 4

Taliban fürchteten NATO-Luftüberlegenheit als Hebel zur Vertragsdisziplin

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„Trotz der hohen Kampfmoral der Taliban haben sie die Luftüberlegenheit der NATO und die daraus folgende immense Zerstörungskraft gefürchtet. Auch …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Trotz der hohen Kampfmoral der Taliban haben sie die Luftüberlegenheit der NATO und die daraus folgende immense Zerstörungskraft gefürchtet. Auch während und nach dem Abzug der westlichen Streitkräfte ist und war die Bedrohung aus der Luft für die Taliban eine permanente Gefahr. Im Sinne der Spieltheorie könnte aus westlicher Sicht zu jeder Zeit defektiert werden und die Taliban gezwungen werden sich an ihre Versprechen zu halten.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)112, S. 4 (Original, neues Fenster)

Trotz hoher Kampfmoral hätten die Taliban die NATO-Luftüberlegenheit gefürchtet. Auch nach dem Abzug bleibe diese eine permanente Gefahr; spieltheoretisch könne der Westen jederzeit „defektieren” und die Taliban zur Vertragsdisziplin zwingen.

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Sachverständige:r Frage 6 — Leistungsfähigkeit und Kampfeswille der ANA/ANSF S. 6

Taliban lernten und passten sich moderner Kriegsführung an

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„Dieses Phänomen wurde dadurch auch beschleunigt, in dem die Taliban die Fähigkeit entwickelten zu lernen und sich auch gegenüber der modernen Kriegsführung anzupassen.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)112, S. 6 (Original, neues Fenster)

Der Zerfall der ANA und ANSF sei dadurch beschleunigt worden, dass die Taliban Lernfähigkeit entwickelten und sich moderner Kriegsführung anpassten.

Thema: Taliban stellungnahmen\09-zerbin.json
Sachverständige:r Frage 6 — Leistungsfähigkeit und Kampfeswille der ANA/ANSF S. 6

Taliban kulturell und religiös stärker mit der Bevölkerung verschmolzen als der Westen mit seinen Verbündeten

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„Die Taliban waren durch ihre Abstammung und durch die islamische Religion stärker mit der afghanischen Bevölkerung verschmolzen als der Westen mit …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Die Taliban waren durch ihre Abstammung und durch die islamische Religion stärker mit der afghanischen Bevölkerung verschmolzen als der Westen mit seinen afghanischen Verbündeten. Die westliche Führung war nicht in der Lage die Situation in Afghanistan außerhalb ihrer eigenen „Echokammer” realitätsnah zu beurteilen.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)112, S. 6 (Original, neues Fenster)

Die Taliban seien durch Abstammung und Religion stärker mit der afghanischen Bevölkerung verschmolzen gewesen als der Westen mit seinen Verbündeten; die westliche Führung sei nicht in der Lage gewesen, die Lage außerhalb ihrer eigenen „Echokammer” realitätsnah zu beurteilen.

Thema: Taliban stellungnahmen\09-zerbin.json
Sachverständige:r Frage 6 — Leistungsfähigkeit und Kampfeswille der ANA/ANSF S. 6

Bereitschaft zu Selbstmordattentaten verschaffte Taliban Schlagkraft und psychologische Wirkung

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„Das Potential der Taliban Selbstmordattentäter einzusetzen, um in einem ausgerufenen heiligen Krieg bis zum Tod zu kämpfen, gaben ihnen eine hohe Schlagkraft und riefen aufgrund ihrer Signalwirkung eine psychologische Wirkung beim Gegner hervor.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)112, S. 6 (Original, neues Fenster)

Die Bereitschaft der Taliban, im erklärten heiligen Krieg Selbstmordattentäter einzusetzen, habe ihnen hohe Schlagkraft und durch die Signalwirkung psychologischen Effekt beim Gegner verschafft.

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Sachverständige:r Frage 6 — Leistungsfähigkeit und Kampfeswille der ANA/ANSF S. 6 (Fn. 13)

Taliban-Spezialeinheit „Badri 313” mit ausländischer Finanzierung

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„Die Taliban hingegen sollen sich professionalisiert haben, mithilfe von Geldern aus dem Ausland. So hätten die Taliban bspw. mit den „Badri 313” eine …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Die Taliban hingegen sollen sich professionalisiert haben, mithilfe von Geldern aus dem Ausland. So hätten die Taliban bspw. mit den „Badri 313” eine eigene Spezialeinheit. Diese Spezialeinheit habe eine entscheidende Rolle beim Vormarsch der Taliban eingenommen.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)112, S. 6 (Fn. 13) (Original, neues Fenster)

Die Taliban hätten sich mit ausländischen Geldern professionalisiert; ihre Spezialeinheit „Badri 313” habe beim Vormarsch eine entscheidende Rolle gespielt.

Thema: Taliban stellungnahmen\09-zerbin.json
Sachverständige:r Frage 6 — Leistungsfähigkeit und Kampfeswille der ANA/ANSF S. 6 (Fn. 13)

Taliban nisteten sich verdeckt ein; ANSF konnte nur noch von gesicherten Stützpunkten agieren

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„Die Taliban hätten diese Situation genutzt, um sich verdeckt und mit kleinen Trupps in diesen Gebieten einzunisten und erste Scharmützel …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Die Taliban hätten diese Situation genutzt, um sich verdeckt und mit kleinen Trupps in diesen Gebieten einzunisten und erste Scharmützel herbeizuführen. Die afghanischen Sicherheitskräfte hätten somit nur noch von gesicherten Polizeistationen und Regierungsgebäuden aus agieren können.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)112, S. 6 (Fn. 13) (Original, neues Fenster)

Die Taliban hätten sich verdeckt mit kleinen Trupps eingenistet und Scharmützel ausgelöst; die ANSF habe nur noch von gesicherten Polizeistationen und Regierungsgebäuden aus agieren können.

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Sachverständige:r Faktor 4 — Taliban nicht kompromissbereit S. 9–10

Taliban sahen Aufstand als „rechtmäßigen Dschihad”; Brooking: Linie seit 2010 unverändert; Stanekzai: „Wir sind die Supermacht”

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„Wie wir in unserem Bericht von 2019 über die Wiedereingliederung ehemaliger Kombattanten ausführlich darlegten, betrachteten die Taliban ihren …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Wie wir in unserem Bericht von 2019 über die Wiedereingliederung ehemaliger Kombattanten ausführlich darlegten, betrachteten die Taliban ihren Aufstand als „rechtmäßigen dschihadistischen Kampf” und hatten ihren Kampf gegen die amerikanischen Streitkräfte und die afghanische Regierung wiederholt als „rechtliche, religiöse und nationale Verpflichtung” gerechtfertigt. … [Steve Brooking:] „Es ist bemerkenswert, dass die Taliban in den folgenden zehn Jahren [2012-21] nie deutlich von dieser Linie abwichen: Ihre Botschaft in den Gesprächen war, dass das Problem bei den Vereinigten Staaten liege. … die Verfassung von 2004 sei im Schatten von B-52-Bombern entstanden und somit inakzeptabel.” … „Wir akzeptieren diese Marionettenregierung in Afghanistan nicht”, so der Taliban-Verhandlungsführer [Abbas Stanekzai] … „Wir sind die Supermacht in Afghanistan. Wir sind die Supermacht in der Welt”“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)196, S. 9–10 (Original, neues Fenster)

Die Taliban betrachteten den Aufstand als „rechtmäßigen Dschihad” und „rechtliche, religiöse und nationale Verpflichtung”. Steve Brooking (Ex-UN-Berater für Frieden und Aussöhnung): Die Linie blieb von 2012 bis 2021 unverändert, die Verfassung 2004 sei „im Schatten von B-52-Bombern” entstanden und inakzeptabel; Verhandlungspartner sei nur die USA, nicht die „Marionette” in Kabul. Verhandlungsführer Stanekzai zu Mohammad Nateqi: „Wir sind die Supermacht in Afghanistan. Wir sind die Supermacht in der Welt.”

Thema: Taliban Akteure: Steve Brooking, Abbas Stanekzai, Mohammad Nateqi stellungnahmen\11-sopko-young-schriftlich.json
Sachverständige:r ANDSF-Faktor 1 — Doha + Abzug zerstörten Moral S. 15

Taliban als ethnisch geschlossene Freiwilligenarmee; kämpften für Religion und Familie, nicht für Sold

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„Die Taliban hingegen waren eine Freiwilligenarmee, die für ihre religiösen Überzeugungen und nicht für ihren Sold kämpfte. In ihrer eigenen …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Die Taliban hingegen waren eine Freiwilligenarmee, die für ihre religiösen Überzeugungen und nicht für ihren Sold kämpfte. In ihrer eigenen Darstellung widersetzten sie sich der ausländischen Besatzung und kämpften einen heiligen Dschihad … Nach Auffassung afghanischer Experten zeichneten sich die Taliban zudem durch größere ethnische Geschlossenheit aus, da sie sich zumeist aus paschtunischen Männern mit ähnlicher religiöser Bildung und Erfahrung zusammensetzten. Taliban-Kämpfer, die größtenteils über persönliche Kontakte rekrutiert wurden, kämpften in der Regel an der Seite ihrer Brüder und Cousins. … Angesichts der breiten Palette der in den afghanischen Einheiten innerhalb der ANDSF vertretenen ethnischen Gruppen schätzten die amerikanischen Beamten den zeitlichen Aufwand für die Verbesserung des Zusammenhalts in den Einheiten nicht angemessen ein.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)196, S. 15 (Original, neues Fenster)

Die Taliban hätten als Freiwilligenarmee aus überwiegend paschtunischen, religiös gleich geschulten Männern für Religion, Land und Familie gekämpft, meist Schulter an Schulter mit Brüdern und Cousins; die ethnische Heterogenität der ANDSF dagegen sei in ihrer Bedeutung für den Einheits­zusammenhalt von US-Beamten unterschätzt worden.

Thema: Taliban stellungnahmen\11-sopko-young-schriftlich.json
Sachverständige:r ANDSF-Faktor 6 — Taliban-Strategie S. 27–29

Taliban-Strategie: Bezirkszentren umzingeln, Norden zuerst, Stammesälteste als Kapitulations-Vermittler; Social-Media-Inszenierung als Schneeballeffekt

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„Die von den Taliban geführten Kampagnen verdeutlichten Schlüsselelemente ihrer Strategie: die Bezirkszentren zu umzingeln, zunächst die …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Die von den Taliban geführten Kampagnen verdeutlichten Schlüsselelemente ihrer Strategie: die Bezirkszentren zu umzingeln, zunächst die Bezirkszentren im Norden einzunehmen und strategische Grenzübergänge zu erobern. … Die meisten Provinzen fielen an die Taliban aufgrund von Vereinbarungen, bei denen Regierungsbeamte sich mit Stammesältesten abstimmten, die zwischen der Regierung und den Taliban vermittelten, oder die Taliban wiesen die Stammesältesten an, die Regierungstruppen zur Übergabe von Bezirken und Provinzen zu bewegen. … Die Online-Propaganda der Taliban nahm an Intensität zu, als ihre militärischen Kampagnen an Schwung gewannen, insbesondere im August 2021. In Posts in den sozialen Netzwerken wurde häufig ausdrücklich auf den Amtssitz von Gouverneuren, Polizeizentralen und Haftanstalten verwiesen, die die Taliban gerade erobert hatten, und Waffen und Ausrüstungen aufgeführt, die requiriert worden waren. Das Erbeuten von Waffen und die anschließende Zurschaustellung dieser Beute in den sozialen Netzwerken hatte eine zweifache Wirkung, nämlich die tatsächlichen militärischen Fähigkeiten der Taliban zu erweitern und die afghanischen Streitkräfte psychologisch einzuschüchtern.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)196, S. 27–29 (Original, neues Fenster)

Die Taliban-Strategie: Bezirkszentren umzingeln, zunächst den Norden einnehmen, strategische Grenzübergänge erobern; die meisten Provinzen fielen durch ausgehandelte Kapitulationen, die Stammesälteste vermittelten. Die Taliban wiesen diese teils an, Regierungstruppen zur Übergabe zu bewegen. Ihre Online-Propaganda inszenierte Eroberungen mit Beute aus sozialen Netzwerken und löste einen Schneeballeffekt aus.

Thema: Taliban stellungnahmen\11-sopko-young-schriftlich.json