Gründung der Taliban-Bewegung
In der südafghanischen Provinz Kandahar formiert sich die Taliban-Bewegung als religiös-konservative Kraft.
Die Taliban nehmen die Hauptstadt Kabul ein und gründen das Islamische Emirat Afghanistan.
Im September 1996 nahmen die Taliban die Hauptstadt Kabul ein und gründeten das Islamische Emirat Afghanistan. Sie setzten ihre strenge Auslegung des islamischen Rechts durch: Frauen wurden aus dem öffentlichen Leben gedrängt, Mädchen durften nicht mehr zur Schule gehen, Musik und Fernsehen wurden verboten. Gleichzeitig endete der Bürgerkrieg in weiten Teilen des Landes und ein großer Teil der Bevölkerung empfand die Lage zunächst als ruhiger.
Die Taliban-Herrschaft dauerte bis 2001 und endete mit der westlichen Militärintervention nach 9/11. Sie ist der erste Bezugspunkt für das Islamische Emirat, das 2021 wieder ausgerufen wurde.
In der südafghanischen Provinz Kandahar formiert sich die Taliban-Bewegung als religiös-konservative Kraft.
Das Terrornetzwerk Al-Qaida verübt von Afghanistan aus geplante Anschläge in den USA.
Die USA und Verbündete beginnen mit der Operation Enduring Freedom Luftangriffe und Bodenoperationen gegen die Taliban.
5 verknüpfte Aussagen aus den Berichten, sortiert nach Art.
„Bagram Airfield, den größten Luftwaffenstützpunkt der USA in Afghanistan seit 2001, verließen die letzten US-Soldaten am frühen Morgen des 2. Juli heimlich ohne Abstimmung mit den afghanischen Zuständigen. Am 21. Juli erklärte US-Generalstabschef, General Mark A. Milley, dass ungefähr die Hälfte aller 419 Distrikte von den Taliban kontrolliert werde und 17 der 34 Provinzhauptstädte vor einer Übernahme durch die Taliban stünden. Am 6. August 2021 nahmen die Taliban in Nimrus im Südwesten die erste Provinzhauptstadt ein, zwei Tage später schon Kunduz, drei Tage später als erstes Korps-Hauptquartier das 17. Pamir Korps.“
Rasant und oft ohne Gegenwehr gewannen die Taliban die Kontrolle über immer mehr Distrikte, von 73 am 1. Mai zu 195 am 5. Juli 2021. Bagram Airfield verließen die letzten US-Soldaten am 2. Juli ohne Abstimmung mit den afghanischen Zuständigen. Am 6. August nahmen Taliban Nimrus ein, zwei Tage später Kunduz, am fünften Tag der Offensive Kandahar, nach einer Woche die Hälfte aller Provinzen, am zehnten Tag kampflos Kabul.
„Der Zeuge Prof. Dr. Dr. Gießmann hat vor dem Ausschuss berichtet, es sei ihm zugetragen worden, „dass sowohl von afghanischer Seite als auch von den USA an die Taliban der Wunsch herangetragen” worden sei, nach Kabul einzurücken, weil sich dort kriminelle Gangs betätigten und ein „absolutes Chaos gedroht habe”. Die Zeugin Leendertse, damalige Staatssekretärin im AA, hat vor dem Ausschuss nach Vorhalt der Aussage des Zeugen Prof. Dr. Dr. Gießmann erklärt, dass sie keine Kenntnis über eine solche Aufforderung der USA oder der afghanischen Regierung an die Taliban gehabt habe.“
Gießmann berichtet, ihm sei zugetragen worden, dass sowohl von afghanischer Seite als auch von den USA der Wunsch an die Taliban herangetragen worden sei, in Kabul einzurücken, wegen drohenden „absoluten Chaos” durch kriminelle Gangs. Staatssekretärin Leendertse (AA) erklärte, von einer solchen Aufforderung keine Kenntnis zu haben. Nadery: Der ehemalige Präsident Karzai habe versucht, Kontakt zu den Taliban aufzunehmen und sie zur Ordnungswiederherstellung nach Kabul zu rufen.
„Das Verhandlungsteam der Taliban sei – so der Zeuge Prof. Dr. Dr. Gießmann weiter – bei den innerafghanischen Friedensverhandlungen „diszipliniert und geschlossen” aufgetreten. Es sei aber ebenfalls „nur begrenzt entscheidungsfähig” gewesen. Die Vertreter in Doha hätten sich „rückversichern” müssen bei den „Oberen der Bewegung in Pakistan”. … Die Ausgangserwartung bei den Verhandlungen war aufseiten der Taliban: Wir werden am Schluss an der Macht sein; wir werden sozusagen alles entscheiden können.“
Gießmann beschrieb die Taliban-Delegation unter Mullah Zaeef als „diszipliniert und geschlossen”, aber nur begrenzt entscheidungsfähig; sie musste sich bei den „Oberen der Bewegung in Pakistan” rückversichern. Erklärtes Ziel der Taliban: „am Schluss an der Macht sein” und „alles entscheiden können”. Gleichzeitig wollten sie ihre Isolation der 1990er Jahre vermeiden. Caro: Die Taliban-Erfahrung aus den US-Verhandlungen lehrte sie, „nur auf ihrer Position zu bestehen”.
„Al-Qaida („die Basis“) ist eine global operierende terroristische Gruppierung, die im Jahr 1988 in Afghanistan gegründet wurde. Die Gruppe verfolgt das Ziel, den globalen Jihad gegen den Westen und seine Verbündeten zu führen. Inder Folge der Terroranschläge auf die Botschaften der Vereinigten Staaten in Dar -es-Salam und Nairobi am 7. August 1998 tauchte der Name „Al-Qaida“ erstmals in westlichen Medien auf. Die Taliban (aus dem Arabischen „Schüler“ / „Studenten“) hingegen sind eine lokale Bewegung, die in Afghanistan und Pakistan aktiv ist und eine dezidiert nationale Agenda hat.“
Al-Qaida (gegründet 1988) ist eine global operierende terroristische Gruppierung mit dem Ziel des globalen Jihad. Die Taliban hingegen sind eine in Afghanistan und Pakistan aktive lokale Bewegung mit einer dezidiert nationalen Agenda, die einen islamischen Staat in Afghanistan anstrebt. Die Kommission warnt, „die Taliban als internationale oder gar transnationale Terrororganisation zu bezeichnen“. Auf dem Höhepunkt 2001 kontrollierten die Taliban 80–90 Prozent des Staatsgebiets.
„Meiner Meinung nach ist es ein Geburtsfehler der Bonn-Konferenz, dass die Taliban dort nicht teilgenommen haben, aber eigentlich noch viel mehr, dass es den demokratischen Kräften, die es auch in Afghanistan gegeben hat, inklusive der organisierten Zivilgesellschaft, eben nicht erlaubt wurde, bei diesem Hauptforum oben auf dem Berg mitzureden. Das waren der eigentliche strategische Fehler und die falsche Weichenstellung gleich von Anfang an.“
Thomas Ruttig (Afghanistan Analysts Network), der als VN-Delegationsmitglied an der Konferenz teilnahm, nannte zwei „Geburtsfehler“ von Bonn: Ausschluss der Taliban und, noch gravierender, Ausschluss demokratischer afghanischer Kräfte und der organisierten Zivilgesellschaft vom Hauptforum. Steiner argumentierte demgegenüber, eine Taliban-Teilnahme sei „politisch nicht denkbar“ gewesen, da USA und andere zentrale Akteure nicht mit ihnen hätten verhandeln wollen.