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3. Oktober 2015 Kunduz, Afghanistan Humanitäre Lage Hintergrund

US-Luftangriff trifft Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Kunduz

Bei einem US-Luftangriff auf ein Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Kunduz sterben über 40 Menschen.

Was passiert ist

Am 3. Oktober 2015 griff ein US-Kampfflugzeug ein Krankenhaus der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Kunduz an. Über 40 Menschen starben, darunter Personal und Patienten. Die USA sprachen von einem tragischen Versehen. Der Angriff fand statt, während Taliban-Kämpfer die Stadt Kunduz erstmals seit 2001 kurzzeitig erobert hatten.

Warum es zählt

Der Angriff stand für die humanitären Kosten des Einsatzes und für die schwierige Lage in den Nordprovinzen, in denen auch die Bundeswehr ihren Schwerpunkt hatte.

Vorher

Dezember 2001 Kabul, Afghanistan 25 Stimmen

ISAF-Einsatz unter UN-Mandat beginnt

Der UN-Sicherheitsrat mandatiert die internationale Schutztruppe ISAF zur Stabilisierung Afghanistans.

Folgewirkungen

Stimmen dazu

4 verknüpfte Aussagen aus den Berichten, sortiert nach Art.

Was die Berichte als Sachverhalt feststellen (2)

Feststellung Frage 11 — Deutsche Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel Kunduz S. 9

3. Oktober 2015: US-Luftangriff zerstörte MSF-Trauma-Klinik in Kundus, 42 Tote

Originalstelle
„Mit fatalen Folgen: einer der amerikanischen Luftangriffe traf am 3. Oktober 2015 die Trauma-Klinik der Ärzte ohne Grenzen (MSF) und tötete 42 Ärzte und Patienten. Dieser Angriff hätte niemals stattfinden dürfen.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)101(neu), S. 9 (Original, neues Fenster)

Am 3. Oktober 2015 habe ein US-Luftangriff die MSF-Trauma-Klinik in Kundus getroffen und 42 Ärzt:innen und Patient:innen getötet; auch dieser Angriff hätte niemals stattfinden dürfen.

Thema: Humanitäre Lage 2015-10-03 stellungnahmen\03-petersmann.json
Feststellung Kap. 4.1.2.4 — Taliban-Offensive S. 51–52

Taliban-Offensive: vom 1. Mai (73 Distrikte) zu 195 Distrikten am 5. Juli 2021; Kabul fiel am zehnten Tag der Offensive

Originalstelle
„Bagram Airfield, den größten Luftwaffenstützpunkt der USA in Afghanistan seit 2001, verließen die letzten US-Soldaten am frühen Morgen des 2. Juli …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Bagram Airfield, den größten Luftwaffenstützpunkt der USA in Afghanistan seit 2001, verließen die letzten US-Soldaten am frühen Morgen des 2. Juli heimlich ohne Abstimmung mit den afghanischen Zuständigen. Am 21. Juli erklärte US-Generalstabschef, General Mark A. Milley, dass ungefähr die Hälfte aller 419 Distrikte von den Taliban kontrolliert werde und 17 der 34 Provinzhauptstädte vor einer Übernahme durch die Taliban stünden. Am 6. August 2021 nahmen die Taliban in Nimrus im Südwesten die erste Provinzhauptstadt ein, zwei Tage später schon Kunduz, drei Tage später als erstes Korps-Hauptquartier das 17. Pamir Korps.“

Quelle: Drs. 20/10400, S. 51–52 (Original, neues Fenster)

Rasant und oft ohne Gegenwehr gewannen die Taliban die Kontrolle über immer mehr Distrikte, von 73 am 1. Mai zu 195 am 5. Juli 2021. Bagram Airfield verließen die letzten US-Soldaten am 2. Juli ohne Abstimmung mit den afghanischen Zuständigen. Am 6. August nahmen Taliban Nimrus ein, zwei Tage später Kunduz, am fünften Tag der Offensive Kandahar, nach einer Woche die Hälfte aller Provinzen, am zehnten Tag kampflos Kabul.

Thema: Taliban Mai–August 2021 Akteure: Taliban, USA, Afghanische Sicherheitskräfte (ANDSF) enquete\zwischenbericht-projektgruppen-1.json

Stimmen der Fraktionen (2)

Sondervotum Teil 3, Kap. 1, Abschnitt 2 — Zusammenfassung S. 656

SPD: Unkonditionierter Abzugstermin legitimierte Taliban als „Regierung im Wartestand“

Originalstelle
„Die Festlegung eines unkonditionierten Zeitpunkts für den Truppenabzug ohne nennenswerte Gegenleistung legitimierte die Taliban und machte diese zu einer „Regierung im Wartestand“.“

Quelle: Drs. 20/14700, S. 656 (Original, neues Fenster)

Die SPD-Fraktion sieht in der Festlegung eines unkonditionierten Abzugstermins ohne nennenswerte Gegenleistung eine Legitimation der Taliban: Diese seien dadurch zu einer „Regierung im Wartestand“ geworden.

Thema: Doha-Abkommen Akteure: USA, Taliban, SPD-Fraktion sondervoten\spd.json
Sondervotum Teil 3, Kap. 2, Abschnitt 12 — Zentrale Erkenntnisse S. 852

CDU/CSU-Kernerkenntnis 1: Doha-Abkommen veränderte die Logik des Militäreinsatzes, Bundesregierung ohne Einfluss

Originalstelle
„Das Doha-Abkommen, das zwischen den USA und den Taliban Ende Februar 2020 geschlossen wurde, veränderte die bis dahin vorherrschende Logik für den …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Das Doha-Abkommen, das zwischen den USA und den Taliban Ende Februar 2020 geschlossen wurde, veränderte die bis dahin vorherrschende Logik für den Militäreinsatz in Afghanistan. Aus einer zeitoffenen und lageabhängigen Reduzierung der NATO-Truppen wurde eine klare Abzugsperspektive, die mit Ende April 2021 ein Zieldatum hatte.“

Quelle: Drs. 20/14700, S. 852 (Original, neues Fenster)

Erste der sieben CDU/CSU-Kernerkenntnisse: Das Doha-Abkommen veränderte die Logik des Militäreinsatzes. Die Bundesregierung hatte keinen Einfluss auf das Abkommen, setzte auf nachträgliche Konditionierung. Das Risiko des Untergangs der Republik durch sichtbare Vorbereitungen für ein Ende wurde als zu groß bewertet.

Thema: Lehren für die Zukunft Akteure: USA, Taliban, NATO, Bundesregierung sondervoten\cducsu.json