Sachverständige:rFrage 7 — Loyalität und BefehlslageS. 7
Loyalität der ANA und ANSF zur Bevölkerung war niedrig; Verbindung zu Warlords beschädigte das Bild des Westens
Originalstelle
„Die Loyalität der ANA bzw. ANSF gegenüber der afghanischen Bevölkerung schätze ich als niedrig ein. Die afghanische Regierung galt als korrupt. Außerdem stützte sie ihre Macht auf lokale Kräfte ab. Diese Warlords hatten in der afghanischen Bevölkerung einen zweifelhaften Ruf. Ihre Machtstellung bezogen sie aus Gewalt und Kriminalität (wie z.B. dem Opiumhandel oder der Terrorisierung der Bevölkerung). Der schlechte Ruf der Warlords färbte dabei nicht nur auf die afghanische Regierung ab, sondern prägte auch das Bild des Westens und seiner Streitkräfte, da diese in Verbindung zueinander standen.“
Die Loyalität der ANA und ANSF zur Bevölkerung sei niedrig gewesen; die afghanische Regierung galt als korrupt und stützte ihre Macht auf Warlords, die durch Gewalt und Kriminalität (z. B. Opiumhandel, Terror) Macht ausübten. Deren schlechter Ruf habe nicht nur die Regierung, sondern auch das Bild des Westens und seiner Streitkräfte geprägt.
Dokument: Stellungnahme zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr — Lage in Afghanistan zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens (Sicherheitslage und militärische Lage)
Autor:in: Prof. Dr. Daniel Zerbin
Wissenschaftliche und dienstliche Befassung mit islamistischem Terrorismus, Selbstmordattentaten; zwei dienstliche Aufenthalte in Afghanistan
Ausschussdrucksache: 20(27)112
Datum: 2022-09-14
Art des Belegs: wörtliches Zitat
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Sachverständige:rFrage 1 — Politische und Sicherheitslage zum Zeitpunkt des Doha-AbkommensS. 2
Das Doha-Abkommen habe vor allem dem Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump gedient, weil das Ende des Afghanistan-Kriegs zu seinen Wahlversprechen gehört habe.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens habe das Leben der Menschen in Afghanistan bereits von Hoffnungslosigkeit, schlechter Sicherheitslage, politischer Instabilität und nachlassender internationaler Unterstützung geprägt gewesen.
Für die afghanischen Sicherheitskräfte sei spätestens jetzt klar gewesen, dass die westliche Unterstützung ausläuft und sie der Taliban-Bedrohung absehbar allein gegenüberstehen würden.
Nach Angaben des US-Militärs (Oktober 2018) stand weniger als die Hälfte der Bezirke noch unter Kontrolle der afghanischen Regierung; in rund 30 % der Bezirke fanden Kampfhandlungen statt.