Sachverständige:rFrage 6 — Leistungsfähigkeit und Kampfeswille der ANA/ANSFS. 5
Offizielle Truppenstärke von ~300.000 war wahrscheinlich grob überhöht; ehem. Finanzminister: ~50.000
Originalstelle
„Die Stärke der afghanischen Streitkräfte wurde mit ca. 300.000 Soldaten durch Regierungskreise angegeben. Laut dem ehemaligen Finanzminister Khalid Payenda sei diese Anzahl in Wahrheit jedoch zu hoch beziffert worden, sodass letztendlich nur ein Sechstel der offiziellen Zahl, also knapp 50.000 Mann, zu Verfügung gestanden hätten, als der Abzug der US-Truppen eingeleitet wurde. Als Begründung wurde Korruption in den Reihen der afghanischen Offiziere angegeben, die anhand dieser als „Geistersoldaten” bezeichneten Überzahl finanzielle Mittel durch die Zentralregierung in Kabul erhielten. Deshalb habe es nie eine zahlenmäßige Überlegenheit gegeben, wie sie zu Beginn der Machtübernahme durch die Taliban angenommen wurde.“
Die offiziell angegebene Truppenstärke (~300.000) sei laut dem früheren Finanzminister Khalid Payenda stark überhöht gewesen; tatsächlich hätten nur etwa 50.000 Soldaten zur Verfügung gestanden. Die Differenz seien „Geistersoldaten”, die Offizieren Mittel aus Kabul einbrachten; eine zahlenmäßige Überlegenheit habe es nie gegeben.
Dokument: Stellungnahme zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr — Lage in Afghanistan zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens (Sicherheitslage und militärische Lage)
Autor:in: Prof. Dr. Daniel Zerbin
Wissenschaftliche und dienstliche Befassung mit islamistischem Terrorismus, Selbstmordattentaten; zwei dienstliche Aufenthalte in Afghanistan
Ausschussdrucksache: 20(27)112
Datum: 2022-09-14
Art des Belegs: wörtliches Zitat
Weiteres aus derselben Quelle
Sachverständige:rFrage 1 — Politische und Sicherheitslage zum Zeitpunkt des Doha-AbkommensS. 2
Das Doha-Abkommen habe vor allem dem Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump gedient, weil das Ende des Afghanistan-Kriegs zu seinen Wahlversprechen gehört habe.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens habe das Leben der Menschen in Afghanistan bereits von Hoffnungslosigkeit, schlechter Sicherheitslage, politischer Instabilität und nachlassender internationaler Unterstützung geprägt gewesen.
Für die afghanischen Sicherheitskräfte sei spätestens jetzt klar gewesen, dass die westliche Unterstützung ausläuft und sie der Taliban-Bedrohung absehbar allein gegenüberstehen würden.
Nach Angaben des US-Militärs (Oktober 2018) stand weniger als die Hälfte der Bezirke noch unter Kontrolle der afghanischen Regierung; in rund 30 % der Bezirke fanden Kampfhandlungen statt.