Sachverständige:rFrage 3 — Glaubwürdigkeit der Taliban-VersprechenS. 4
Versprechen ohne Al-Qaida-Basis war glaubhaft; Taliban sind keine Araber
Originalstelle
„Andere Versprechungen, wie, dass von afghanischem Boden kein Sicherheitsrisiko mehr zum Nachteil der USA und seiner Verbündeten ausgehen soll, ist glaubhaft gewesen. Al Quaida ist eine arabische Organisation. Die Taliban sind Paschtunen und haben eine ganz andere Abstammung, Kultur und Geschichte als Araber. Schon zu Zeiten Mullah Omar (1960-2013) war das Verhältnis zwischen Taliban und Al-Qaida nicht ohne Spannungen. Die Beharrung auf die Gastfreundschaft zu Osama bin Laden, hat den Taliban 20 Jahre Entmachtung, Krieg und Zerstörung gebracht. Von daher war es Glaubhaft, dass die Taliban nicht wieder interessiert daran waren, Al-Qaida erneut eine Basis in Afghanistan zu bieten.“
Das Versprechen, von afghanischem Boden gehe kein Sicherheitsrisiko mehr für USA und Verbündete aus, sei glaubhaft gewesen: Al-Qaida sei arabisch, die paschtunischen Taliban hätten andere Abstammung, Kultur und Geschichte; das Verhältnis sei schon unter Mullah Omar spannungsreich gewesen. Die Beharrung auf Gastfreundschaft für Bin Laden habe den Taliban 20 Jahre Entmachtung, Krieg und Zerstörung eingebracht.
Dokument: Stellungnahme zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr — Lage in Afghanistan zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens (Sicherheitslage und militärische Lage)
Autor:in: Prof. Dr. Daniel Zerbin
Wissenschaftliche und dienstliche Befassung mit islamistischem Terrorismus, Selbstmordattentaten; zwei dienstliche Aufenthalte in Afghanistan
Ausschussdrucksache: 20(27)112
Datum: 2022-09-14
Art des Belegs: wörtliches Zitat
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Sachverständige:rFrage 1 — Politische und Sicherheitslage zum Zeitpunkt des Doha-AbkommensS. 2
Das Doha-Abkommen habe vor allem dem Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump gedient, weil das Ende des Afghanistan-Kriegs zu seinen Wahlversprechen gehört habe.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens habe das Leben der Menschen in Afghanistan bereits von Hoffnungslosigkeit, schlechter Sicherheitslage, politischer Instabilität und nachlassender internationaler Unterstützung geprägt gewesen.
Für die afghanischen Sicherheitskräfte sei spätestens jetzt klar gewesen, dass die westliche Unterstützung ausläuft und sie der Taliban-Bedrohung absehbar allein gegenüberstehen würden.
Nach Angaben des US-Militärs (Oktober 2018) stand weniger als die Hälfte der Bezirke noch unter Kontrolle der afghanischen Regierung; in rund 30 % der Bezirke fanden Kampfhandlungen statt.