Sachverständige:rANDSF-Faktor 2 — Reduktion US-LuftschlägeS. 16März 2020 – Mai 2021
Wartungs-Contractor-Abzug Mai 2021 + „aktive Verteidigung” → Munitions- und Treibstoffmangel im Feld
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„Die Entscheidung der USA über den Abzug von Vertragsnehmern für betriebsnahe Instandhaltungsarbeiten aus Afghanistan im Mai 2021 (entsprechend dem Abkommen zwischen den USA und den Taliban) bewirkte, dass weniger einsatzbereite Flugzeuge zur Verfügung standen … Infolgedessen beklagten sich die ANDSF-Einheiten darüber, dass sie nicht über genügend Munition, Lebensmittel, Wasser und anderes militärisches Gerät verfügten, um militärische Einsätze gegen die Taliban aufrechtzuerhalten. Generalleutnant a. D. Barno sagte: „Wir haben diese Armee so aufgebaut, dass sie auf Unterstützung von Vertragsnehmern zurückgreifen kann. Anderenfalls kann sie nicht funktionieren. Das Spiel ist vorbei... Als die Vertragsnehmer abzogen, war es, als hätten wir alle Steine aus dem Holzstapelturm herausgezogen und erwartet, dass er stehen bleibt.” … Der amtierende afghanische Verteidigungsminister … wies die ANDSF am 19. März 2020 an, eine Strategie der „aktiven Verteidigung” zu verfolgen, wonach die ANDSF-Kräfte nur dann angreifen durften, wenn der Feind nach ihrer Erkenntnis selbst einen Angriff vorbereitete.“
Mit dem Abzug der US-Wartungs-Contractors im Mai 2021 standen weniger einsatzbereite Flugzeuge zur Verfügung; ANDSF-Einheiten beklagten Munitions-, Lebensmittel-, Wasser- und Materialmangel. Barno: „Wir haben diese Armee so aufgebaut, dass sie auf Vertragsnehmer-Unterstützung zurückgreifen kann … Als die Vertragsnehmer abzogen, war es, als hätten wir alle Steine aus dem Holzstapelturm herausgezogen und erwartet, dass er stehen bleibt.” Parallel wies der Verteidigungsminister am 19.03.2020 die Strategie „aktive Verteidigung” an: keine Offensivoperationen außer bei bevorstehendem Feindangriff.
Dokument: Die Faktoren, die zum Zusammenbruch der afghanischen Regierung und ihrer Sicherheitskräfte führten (deutsche Übersetzung)
Autor:in: John F. Sopko und David H. Young
John F. Sopko: Sondergeneralinspektor der US-Regierung für den Wiederaufbau in Afghanistan (SIGAR); David H. Young: SIGAR-Teamleiter „Lessons Learned”-Programm
Ausschussdrucksache: 20(27)196
Datum: 2023-03-02
Art des Belegs: wörtliches Zitat
Verwandte Aussagen
Sachverständige:rFrage 8 — Maßnahmen Republik/Verbündete nach DohaS. 21–22
Die Republik kündigte 2017 einen Vier-Jahres-Plan an (Erweiterung Spezialops und Luftwaffe, bessere Führung, Vereinheitlichung Befehlsstruktur, Korruptionsbekämpfung). Das Endziel, 2019 das Blatt zu wenden, wurde verfehlt. Nach Doha wurde der „aktive Verteidigung”-Befehl erteilt: nur defensive, keine offensiven Operationen. Das sollte dem Friedensprozess eine Chance geben; afghanische Offiziere sahen das als unangebrachte Einschränkung, vor allem weil die Taliban reziproke Versprechen nicht hielten.
2020 hätten die ANSF dem Druck der Taliban kaum noch standgehalten und Kontrolle über wichtige Überlandstraßen (Wardak, Kundus, Baghlan, Helmand) verloren; Ghanis Order, nur zu verteidigen, habe Irritationen und mentale Probleme im Sicherheitsapparat verstärkt. Der Apparat habe Doha kritisch gesehen, weil die eingestellten US-Luftangriffe gerade in umkämpften Gebieten den Taliban zugutekamen.
Aus 20 Jahren Wiederaufbau identifiziert SIGAR sieben zentrale Lehren: (1) chronische Schwierigkeiten, eine kohärente Strategie zu erarbeiten und umzusetzen; (2) systematische Unterschätzung der Zeit, unrealistische Fristen, schnelle Ausgaben förderten Korruption und reduzierten Effektivität; (3) viele Institutionen und Infrastrukturprojekte waren nicht tragfähig; (4) kontraproduktive zivile und militärische Personalpolitik; (5) anhaltende Unsicherheit untergrub Wiederaufbau; (6) US-Regierung verstand den afghanischen Kontext nicht; (7) Monitoring und Evaluation reichten selten aus, um Wirkungen zu verstehen.
SIGAR identifiziert sechs unmittelbare Faktoren des Zusammenbruchs der Zivilregierung: (1) die Regierung glaubte nicht an einen tatsächlichen US-Abzug und war unvorbereitet; (2) Ausschluss von den US-Taliban-Gesprächen schwächte und unterminierte sie; (3) sie bestand trotz ihrer schwachen Position auf Integration der Taliban in die Republik; (4) die Taliban waren nicht kompromissbereit; (5) Ghani regierte mit einem engen, selektiven Loyalistenkreis; (6) langfristig: starke Zentralisierung, fehlende Legitimität und endemische Korruption.
Die afghanische Regierung sei beim Abzug der USA und ihrer Vertragsnehmer gänzlich unvorbereitet für den Kampf gegen die Taliban gewesen. Mohib bestätigte SIGAR, Bidens April-Ankündigung sei ein „Schock” gewesen, weil US-Vertreter zuvor stets ein Bekenntnis zu einem unabhängigen, demokratischen Afghanistan abgegeben und Argumente eines „Vorwand”-Abzugs zurückgewiesen hatten.
Mehrere Insider bestätigten gegenüber SIGAR den unterminierenden Effekt des Doha-Ausschlusses: Hugo Llorens: Der Ausschluss habe das Taliban-Narrativ „Kabul ist Marionette” bestätigt; Sami Sadat: Die psychologische Wirkung habe afghanische Soldaten in den Überlebensmodus umschalten lassen; Lisa Curtis (NSC): Das Abkommen habe „den Taliban nicht genug abverlangt, die Regierung verunsichert und die Moral der ANSF untergraben”.
Hekmat Karzai konstatierte „enormen Druck” auf beiden Seiten zur „Absorption”. Bis zur Woche vor dem Kollaps habe sich die Ghani-Regierung für die dominierende politische Kraft gehalten; Ghani weigerte sich bis zuletzt zur Machtabgabe. Wäre er in Kabul geblieben, hätte vermutlich eine vermittelte Übergangsregierung mit Beteiligung Regierung und Taliban gebildet werden können und Verfassungselemente erhalten bleiben. Seine Flucht am 15. August machte das unmöglich.