2019: 7.423 US-Luftschläge, 2020 nur noch 1.631; Sadat: „über Nacht 98 Prozent gestoppt”
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„2019 führten die Vereinigten Staaten 7.423 Luftschläge, so viele wie seit mindestens 2009 nicht mehr. … Nach Angaben von Sami Sadat, ehemaliger Kommandeur des afghanischen Joint Special Operations Command, gegenüber SIGAR wurden „über Nacht 98 Prozent der amerikanischen Luftschläge eingestellt”. Tatsächlich ging die Zahl der Luftschläge um 78 Prozent zurück — 2020 waren es nur noch 1.631, verglichen mit 7.243 im Jahr zuvor. Diese entfielen zur Hälfte auf die zwei Monate vor der Unterzeichnung des Doha-Abkommens. Der Verlust der amerikanischen Luftnahunterstützung ermöglichte es den Taliban, ihre Truppen auf offenem Feld zusammenzuführen und bedeutende Städte in ganz Afghanistan zu unterwandern und zu umzingeln.“
2019 führten die USA mit 7.423 Luftschlägen so viele wie seit 2009 nicht mehr durch, 2020 nur noch 1.631 (−78 %), die Hälfte davon vor Doha; Sadat: „über Nacht 98 Prozent gestoppt.” Mit dem Verlust der Luftnahunterstützung konnten die Taliban ihre Truppen offen zusammenführen und bedeutende Städte umzingeln.
Dokument: Die Faktoren, die zum Zusammenbruch der afghanischen Regierung und ihrer Sicherheitskräfte führten (deutsche Übersetzung)
Autor:in: John F. Sopko und David H. Young
John F. Sopko: Sondergeneralinspektor der US-Regierung für den Wiederaufbau in Afghanistan (SIGAR); David H. Young: SIGAR-Teamleiter „Lessons Learned”-Programm
Ausschussdrucksache: 20(27)196
Datum: 2023-03-02
Art des Belegs: wörtliches Zitat
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BewertungEinleitung — sieben Kernlehren aus 20 JahrenS. 3
Aus 20 Jahren Wiederaufbau identifiziert SIGAR sieben zentrale Lehren: (1) chronische Schwierigkeiten, eine kohärente Strategie zu erarbeiten und umzusetzen; (2) systematische Unterschätzung der Zeit, unrealistische Fristen, schnelle Ausgaben förderten Korruption und reduzierten Effektivität; (3) viele Institutionen und Infrastrukturprojekte waren nicht tragfähig; (4) kontraproduktive zivile und militärische Personalpolitik; (5) anhaltende Unsicherheit untergrub Wiederaufbau; (6) US-Regierung verstand den afghanischen Kontext nicht; (7) Monitoring und Evaluation reichten selten aus, um Wirkungen zu verstehen.
SIGAR identifiziert sechs unmittelbare Faktoren des Zusammenbruchs der Zivilregierung: (1) die Regierung glaubte nicht an einen tatsächlichen US-Abzug und war unvorbereitet; (2) Ausschluss von den US-Taliban-Gesprächen schwächte und unterminierte sie; (3) sie bestand trotz ihrer schwachen Position auf Integration der Taliban in die Republik; (4) die Taliban waren nicht kompromissbereit; (5) Ghani regierte mit einem engen, selektiven Loyalistenkreis; (6) langfristig: starke Zentralisierung, fehlende Legitimität und endemische Korruption.
Die afghanische Regierung sei beim Abzug der USA und ihrer Vertragsnehmer gänzlich unvorbereitet für den Kampf gegen die Taliban gewesen. Mohib bestätigte SIGAR, Bidens April-Ankündigung sei ein „Schock” gewesen, weil US-Vertreter zuvor stets ein Bekenntnis zu einem unabhängigen, demokratischen Afghanistan abgegeben und Argumente eines „Vorwand”-Abzugs zurückgewiesen hatten.
Mehrere Insider bestätigten gegenüber SIGAR den unterminierenden Effekt des Doha-Ausschlusses: Hugo Llorens: Der Ausschluss habe das Taliban-Narrativ „Kabul ist Marionette” bestätigt; Sami Sadat: Die psychologische Wirkung habe afghanische Soldaten in den Überlebensmodus umschalten lassen; Lisa Curtis (NSC): Das Abkommen habe „den Taliban nicht genug abverlangt, die Regierung verunsichert und die Moral der ANSF untergraben”.
Hekmat Karzai konstatierte „enormen Druck” auf beiden Seiten zur „Absorption”. Bis zur Woche vor dem Kollaps habe sich die Ghani-Regierung für die dominierende politische Kraft gehalten; Ghani weigerte sich bis zuletzt zur Machtabgabe. Wäre er in Kabul geblieben, hätte vermutlich eine vermittelte Übergangsregierung mit Beteiligung Regierung und Taliban gebildet werden können und Verfassungselemente erhalten bleiben. Seine Flucht am 15. August machte das unmöglich.