Bridge the Gap.

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Bewertung Frage 6 — Unterstützung in der Bevölkerung S. 8

Fünf Ursachen mangelnder Regierungslegitimität: qawm, Klientelismus, Ressourcenkonflikte, „Selbstbedienungsladen”-Wahrnehmung, Ghani als Präsident von US-Gnaden

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„Insgesamt müssen die folgenden Aspekte berücksichtigt werden, um zu verstehen, weshalb die afghanische Regierung auch schon in den Vorjahren des Wiederaufbaus (seit 2001) es nicht verstand, Legitimation in der Bevölkerung zu gewinnen: a) …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Insgesamt müssen die folgenden Aspekte berücksichtigt werden, um zu verstehen, weshalb die afghanische Regierung auch schon in den Vorjahren des Wiederaufbaus (seit 2001) es nicht verstand, Legitimation in der Bevölkerung zu gewinnen: a) Kollektive Identitäten (qawm) … Der Staat stellt historisch kaum einen positiv konnotierten Fixpunkt für Identitäten dar. b) Klientelismus: Der afghanische Staatsapparat wurde stets als Ressource in den Händen mächtiger Klientelgruppen gesehen … die Übernahme von staatlichen Ämtern durch eine Klientelgruppe direkt dazu führte, dass die konkurrierende Gruppe sich als ausgeschlossen betrachtete, opponierte und ggfs. sich den Taliban anschloss. c) Ressourcenzugang und -kontrolle: Für das Gros der Afghan:innen basierte die Parteinahme … weniger auf ideologischen Abwägungen, sondern auf der pragmatischen Frage von Ressourcenzugängen und -kontrolle … d) Staatsverständnis: Die Dominanz von Klientelnetzwerken bedingte, dass in den Augen der meisten Afghan:innen der Staatsapparat als ein Selbstbedienungsladen erscheint … Fälle wie der Skandal um die Kabul Bank, bei der die Veruntreuung von ca. 1 Mrd. US-$ durch regierungsnahe Eliten Zutage trat, untermauerten den Eindruck von korrupten Eliten. e) Präsident: Ashraf Ghani galt immer als Präsident von US-Gnaden. Aufgrund seiner Laufbahn (u. a. Weltbank) war er zudem stets ein Mann der internationalen Gemeinschaft, der in Afghanistan – selbst unter seinem eigenen Stamm der Ahmadzai – kaum über eine wirkliche Unterstützung verfügte. Letztlich bedingte sein technokratisches Staatsverständnis, dass die Bevölkerung in ihm keinen charismatischen Führer erblickte.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)103, S. 8 (Original, neues Fenster)

Schetter benennt fünf Ursachen für die mangelnde Legitimität der Regierung: (a) kollektive Identitäten (qawm), also Staat als historisch wenig identitätsstiftender Fixpunkt; (b) Klientelismus, also Staat als Ressource, ausgeschlossene Klientelgruppen schlossen sich den Taliban an; (c) Ressourcenkonflikte (Wasser und Land in Helmand, Kundus, Herat, Kandahar), pragmatisch über Ideologie; (d) Staatsapparat als „Selbstbedienungsladen”, Kabul-Bank-Skandal (Veruntreuung ca. 1 Mrd. US-$); (e) Ghani als Präsident von US-Gnaden, Weltbank-Mann, ohne Unterstützung selbst im eigenen Ahmadzai-Stamm und ohne Charisma.

Thema: Afghanische Regierung & Streitkräfte Status: entwurf_unbestaetigt

Quelle

Dokument: Schriftliche Stellungnahme zum Panel „Zivilgesellschaft und Stabilität der Institutionen” — Lage in Afghanistan zur Zeit des Doha-Abkommens

Autor:in: Prof. Dr. Conrad Schetter

Professor für Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Bonn; Direktor des Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC); seit 1994 wissenschaftliche Befassung mit Afghanistan

Ausschussdrucksache: 20(27)103

Datum: 2022-09-09

Art des Belegs: wörtliches Zitat

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