BewertungFrage 12 — Reformen, die Regimewechsel überdauern könntenS. 10–11Stand 09/2022, Prognose Ende 2022
Über 20 Mio Hungernde; Hunger und Armut auch als Ergebnis fehlgeschlagener Intervention
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„Derzeit hungern in Afghanistan mehr als 20 Millionen Menschen. Das ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung – und der nächste Winter steht vor der Tür. Die Prognose geht davon aus, dass vermutlich bis Ende dieses Jahres etwa 90 Prozent der Bevölkerung unter die Armutsgrenze rutschen. Dafür gibt es viele Gründe. Aber Hunger und Armut sind definitiv auch das Ergebnis einer fehlgeschlagenen Intervention, die Deutschland mitzuverantworten hat.“
Aktuell hungerten in Afghanistan mehr als 20 Millionen Menschen, mehr als die Hälfte der Bevölkerung; Prognosen gingen davon aus, dass bis Ende 2022 rund 90 Prozent unter die Armutsgrenze rutschen. Hunger und Armut seien auch Ergebnis einer fehlgeschlagenen Intervention, die Deutschland mitzuverantworten hat.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens beherrschten die Taliban weite ländliche Gebiete, während die Regierung die großen Städte hielt. Die afghanische Armee sei dabei auf amerikanische Luftunterstützung angewiesen gewesen; die Zivilbevölkerung sei zwischen unklaren Fronten gefangen gewesen.
Das Doha-Abkommen sei kein Friedensabkommen für Afghanistan gewesen, sondern ein bilaterales Abzugsabkommen zwischen den USA (und damit zwangsläufig auch den Verbündeten) und den Taliban.
Fast durchgängig seit 2001 seien fundamentale Afghanistan-Entscheidungen aus innenpolitischen Motiven der intervenierenden Mächte heraus getroffen worden, nicht primär aus afghanischer Realität.
Die Islamische Republik sei zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens enorm geschwächt gewesen: Die offenbar erneut gefälschte Präsidentschaftswahl (die vierte in zwei Jahrzehnten) habe die Elite gespalten, der lähmende Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah die Staatsmacht erodiert und die Bevölkerung weiter entfremdet.