Sachverständige:rFrage 11 — Deutsche Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel KunduzS. 9–102003–2021
Kunduz: hohe deutsche Investitionen, sichtbare Fortschritte, aber fragil; nach Abzug 2013 mehrfach an Taliban gefallen
Originalstelle„Nehmen wir den Raum Kunduz: Dort waren deutsche Truppen zwischen 2003 und 2013 stationiert. Hier haben die meisten deutschen Soldaten ihr Leben verloren. … Zwischen 2003 und 2013 ist enorm viel Geld in die Stadt und in die gleichnamige …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„Nehmen wir den Raum Kunduz: Dort waren deutsche Truppen zwischen 2003 und 2013 stationiert. Hier haben die meisten deutschen Soldaten ihr Leben verloren. … Zwischen 2003 und 2013 ist enorm viel Geld in die Stadt und in die gleichnamige Provinz geflossen – in Straßen und Brücken, in den Flughafen, in das Gesundheitswesen, in Bildungseinrichtungen und Bildungsprogramme, in Versorgungsleitungen, in die Verwaltung, in Projekte, die dafür sorgen sollten, dass die Bauern der Region Rosen oder Safran anbauen anstatt Mohn für die Opiumgewinnung. Es gab in dieser Zeit unbestreitbar sichtbare Fortschritte. Doch wie fragil die Strukturen waren, zeigte sich unmittelbar nach dem Abzug der deutschen Truppen: Kundus war Ende September 2015 die erste afghanische Provinzhauptstadt, die den Taliban kurzzeitig in die Hände fiel. … 2016 gelang es den Taliban erneut, Kundus kurzfristig einzunehmen. … Am 8. August 2021 gelang schließlich die endgültige Eroberung der Stadt.“
In Kunduz waren deutsche Truppen 2003–2013 stationiert (mit den meisten gefallenen deutschen Soldaten); enorme deutsche Investitionen in Infrastruktur, Gesundheit, Bildung und Mohn-Substitution brachten sichtbare Fortschritte. Doch unmittelbar nach dem Abzug fiel Kunduz Ende September 2015 als erste afghanische Provinzhauptstadt kurzzeitig an die Taliban; 2016 erneut, am 8. August 2021 endgültig.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens beherrschten die Taliban weite ländliche Gebiete, während die Regierung die großen Städte hielt. Die afghanische Armee sei dabei auf amerikanische Luftunterstützung angewiesen gewesen; die Zivilbevölkerung sei zwischen unklaren Fronten gefangen gewesen.
Das Doha-Abkommen sei kein Friedensabkommen für Afghanistan gewesen, sondern ein bilaterales Abzugsabkommen zwischen den USA (und damit zwangsläufig auch den Verbündeten) und den Taliban.
Fast durchgängig seit 2001 seien fundamentale Afghanistan-Entscheidungen aus innenpolitischen Motiven der intervenierenden Mächte heraus getroffen worden, nicht primär aus afghanischer Realität.
Die Islamische Republik sei zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens enorm geschwächt gewesen: Die offenbar erneut gefälschte Präsidentschaftswahl (die vierte in zwei Jahrzehnten) habe die Elite gespalten, der lähmende Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah die Staatsmacht erodiert und die Bevölkerung weiter entfremdet.