Vertrauen in den Staat fehlte, sonst hätten Taliban nicht binnen 14 Tagen kampflos durchmarschieren können
Originalstelle
„Letztendlich: wäre das Vertrauen in den Staat und die Bereitschaft für den Staat zu sterben noch vorhanden gewesen, hätte es den Taliban nicht gelingen können, binnen 14 Tagen den letzten Rest des Landes fast kampflos unter Kontrolle zu bringen. Den Afghaninnen und Afghanen war klar: der Westen hat das Land aufgegeben, die Regierung ist gelähmt und agiert erratisch, die Armee zerbricht.“
Hätten Vertrauen in den Staat und Sterbebereitschaft für ihn noch bestanden, hätten die Taliban den Rest des Landes nicht binnen 14 Tagen fast kampflos unter Kontrolle bringen können. Den Menschen sei klar gewesen, der Westen hat aufgegeben, die Regierung ist gelähmt und erratisch, die Armee zerbricht.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens beherrschten die Taliban weite ländliche Gebiete, während die Regierung die großen Städte hielt. Die afghanische Armee sei dabei auf amerikanische Luftunterstützung angewiesen gewesen; die Zivilbevölkerung sei zwischen unklaren Fronten gefangen gewesen.
Das Doha-Abkommen sei kein Friedensabkommen für Afghanistan gewesen, sondern ein bilaterales Abzugsabkommen zwischen den USA (und damit zwangsläufig auch den Verbündeten) und den Taliban.
Fast durchgängig seit 2001 seien fundamentale Afghanistan-Entscheidungen aus innenpolitischen Motiven der intervenierenden Mächte heraus getroffen worden, nicht primär aus afghanischer Realität.
Die Islamische Republik sei zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens enorm geschwächt gewesen: Die offenbar erneut gefälschte Präsidentschaftswahl (die vierte in zwei Jahrzehnten) habe die Elite gespalten, der lähmende Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah die Staatsmacht erodiert und die Bevölkerung weiter entfremdet.