Schwarz-weiß-Bild nicht erlebbar; Afghanistan ist Land der Grautöne und fluiden Allianzen
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„Viele der hier aufgeführten Fragen suggerieren ein schwarz-weiß-Bild, dass ich in Afghanistan so nie erlebt habe. Die Guten waren nie nur die Guten, und die Bösen waren nie nur die Bösen. Die Grenzen waren fließend, genauso wie Allianzen, Loyalitäten und das Vertrauen bzw. Misstrauen. Nach vier Jahrzehnten Krieg ist Afghanistan ein Land von Grautönen und komplizierten Schattierungen.“
Viele Leitfragen suggerierten ein Schwarz-weiß-Bild, das in Afghanistan so nicht existiere; nach vier Jahrzehnten Krieg sei das Land von Grautönen und komplizierten Schattierungen geprägt, Allianzen und Loyalitäten seien fluide.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens beherrschten die Taliban weite ländliche Gebiete, während die Regierung die großen Städte hielt. Die afghanische Armee sei dabei auf amerikanische Luftunterstützung angewiesen gewesen; die Zivilbevölkerung sei zwischen unklaren Fronten gefangen gewesen.
Das Doha-Abkommen sei kein Friedensabkommen für Afghanistan gewesen, sondern ein bilaterales Abzugsabkommen zwischen den USA (und damit zwangsläufig auch den Verbündeten) und den Taliban.
Fast durchgängig seit 2001 seien fundamentale Afghanistan-Entscheidungen aus innenpolitischen Motiven der intervenierenden Mächte heraus getroffen worden, nicht primär aus afghanischer Realität.
Die Islamische Republik sei zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens enorm geschwächt gewesen: Die offenbar erneut gefälschte Präsidentschaftswahl (die vierte in zwei Jahrzehnten) habe die Elite gespalten, der lähmende Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah die Staatsmacht erodiert und die Bevölkerung weiter entfremdet.