Taliban-Justiz galt vielen ländlich als „besser, weil nicht korrupt”
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„Auch das schwindende Vertrauen der Bevölkerung in den Staat als Garant für Schutz, Recht und Ordnung ist ohne die ausufernde Korruption nicht zu erklären. Bei Reisen in ländliche Gebiete habe ich immer wieder gehört, dass die Justiz der Taliban besser sei als die der Regierung – weil nicht korrupt.“
Das schwindende Vertrauen der Bevölkerung in den Staat als Garant für Schutz, Recht und Ordnung sei ohne die ausufernde Korruption nicht erklärbar; in ländlichen Gebieten habe Petersmann immer wieder gehört, dass die Taliban-Justiz „besser” als die der Regierung sei, weil nicht korrupt.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens beherrschten die Taliban weite ländliche Gebiete, während die Regierung die großen Städte hielt. Die afghanische Armee sei dabei auf amerikanische Luftunterstützung angewiesen gewesen; die Zivilbevölkerung sei zwischen unklaren Fronten gefangen gewesen.
Das Doha-Abkommen sei kein Friedensabkommen für Afghanistan gewesen, sondern ein bilaterales Abzugsabkommen zwischen den USA (und damit zwangsläufig auch den Verbündeten) und den Taliban.
Fast durchgängig seit 2001 seien fundamentale Afghanistan-Entscheidungen aus innenpolitischen Motiven der intervenierenden Mächte heraus getroffen worden, nicht primär aus afghanischer Realität.
Die Islamische Republik sei zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens enorm geschwächt gewesen: Die offenbar erneut gefälschte Präsidentschaftswahl (die vierte in zwei Jahrzehnten) habe die Elite gespalten, der lähmende Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah die Staatsmacht erodiert und die Bevölkerung weiter entfremdet.