Sachverständige:rFrage 7 — Externe Akteure und regionale DynamikS. 7
Afghanistan erkennt Durand-Linie nicht an; unwahrscheinlich, dass Taliban es tun
Originalstelle
„Es kommt erschwerend hinzu, dass Afghanistan bis heute die pakistanisch-afghanische Grenze (Durand-Linie) nicht anerkennt, die das traditionelle Siedlungsgebiet der Paschtunen zerschneidet – unwahrscheinlich, dass es die Taliban tun werden.“
Afghanistan erkenne bis heute die pakistanisch-afghanische Grenze (Durand-Linie), die das paschtunische Siedlungsgebiet zerschneidet, nicht an, und es sei unwahrscheinlich, dass die Taliban dies tun.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens beherrschten die Taliban weite ländliche Gebiete, während die Regierung die großen Städte hielt. Die afghanische Armee sei dabei auf amerikanische Luftunterstützung angewiesen gewesen; die Zivilbevölkerung sei zwischen unklaren Fronten gefangen gewesen.
Das Doha-Abkommen sei kein Friedensabkommen für Afghanistan gewesen, sondern ein bilaterales Abzugsabkommen zwischen den USA (und damit zwangsläufig auch den Verbündeten) und den Taliban.
Fast durchgängig seit 2001 seien fundamentale Afghanistan-Entscheidungen aus innenpolitischen Motiven der intervenierenden Mächte heraus getroffen worden, nicht primär aus afghanischer Realität.
Die Islamische Republik sei zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens enorm geschwächt gewesen: Die offenbar erneut gefälschte Präsidentschaftswahl (die vierte in zwei Jahrzehnten) habe die Elite gespalten, der lähmende Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah die Staatsmacht erodiert und die Bevölkerung weiter entfremdet.