BewertungFrage 6 — Unterstützung in der BevölkerungS. 6
Republik fehlte die innere Kohäsion der Taliban; die Gruppe mit größtem Zusammenhalt gewann
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„Am Ende hat die Gruppe mit dem größten inneren Zusammenhalt auf dem afghanischen Schlachtfeld gewonnen – weil die USA ihren längsten Krieg so schnell wie möglich hinter sich lassen wollten und weil der afghanische Staat im August 2021 ausgehöhlt, die politische Elite auf ihren eigenen Vorteil bedacht und der Präsident isoliert war – nach innen und außen. Der Islamischen Republik fehlte die „social cohesion”, die es in den Reihen der Taliban gab.“
Am Ende habe die Gruppe mit größtem innerem Zusammenhalt gewonnen, weil die USA den Krieg möglichst schnell hinter sich lassen wollten, der Staat im August 2021 ausgehöhlt, die politische Elite auf eigenen Vorteil bedacht und der Präsident isoliert war; der Islamischen Republik habe die „social cohesion” der Taliban gefehlt.
ANA und ANSF seien über Jahre gut ausgebildet und ausgerüstet gewesen; angesichts des Verteidigervorteils hätten sie eine gute Chance gegen die angreifenden Taliban gehabt. Das Problem habe nicht in der Kampfkraft, sondern im Einsatzwert gelegen: Es fehlten Kohäsion und Schlagkraft.
Eine eigenständige, breite afghanische Oppositionsbewegung gegen die Taliban habe nicht entstehen können; die fehlende politische Einheit sei offen sichtbar gewesen. Ohne sie sei weder Krieg noch Frieden zu gewinnen.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens beherrschten die Taliban weite ländliche Gebiete, während die Regierung die großen Städte hielt. Die afghanische Armee sei dabei auf amerikanische Luftunterstützung angewiesen gewesen; die Zivilbevölkerung sei zwischen unklaren Fronten gefangen gewesen.
Das Doha-Abkommen sei kein Friedensabkommen für Afghanistan gewesen, sondern ein bilaterales Abzugsabkommen zwischen den USA (und damit zwangsläufig auch den Verbündeten) und den Taliban.
Fast durchgängig seit 2001 seien fundamentale Afghanistan-Entscheidungen aus innenpolitischen Motiven der intervenierenden Mächte heraus getroffen worden, nicht primär aus afghanischer Realität.
Die Islamische Republik sei zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens enorm geschwächt gewesen: Die offenbar erneut gefälschte Präsidentschaftswahl (die vierte in zwei Jahrzehnten) habe die Elite gespalten, der lähmende Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah die Staatsmacht erodiert und die Bevölkerung weiter entfremdet.