BewertungFrage 6 — Unterstützung in der BevölkerungS. 6
Seitenwechsel war jahrzehntelange Überlebensstrategie und blieb es
Originalstelle
„In vier Jahrzehnten Dauerkrieg mussten die Afghanen lernen, im Krisenfall fliegend die Seite zu wechseln und immer wieder neue Allianzen zu schmieden und neuen Herren zu dienen – als Überlebensstrategie. Das war auch während der vergangenen zwei Jahrzehnte nicht anders.“
In vier Jahrzehnten Dauerkrieg hätten die Menschen gelernt, im Krisenfall fliegend die Seite zu wechseln und neue Allianzen zu schmieden. Diese Überlebensstrategie habe auch in den letzten zwanzig Jahren weiter gegolten.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens beherrschten die Taliban weite ländliche Gebiete, während die Regierung die großen Städte hielt. Die afghanische Armee sei dabei auf amerikanische Luftunterstützung angewiesen gewesen; die Zivilbevölkerung sei zwischen unklaren Fronten gefangen gewesen.
Das Doha-Abkommen sei kein Friedensabkommen für Afghanistan gewesen, sondern ein bilaterales Abzugsabkommen zwischen den USA (und damit zwangsläufig auch den Verbündeten) und den Taliban.
Fast durchgängig seit 2001 seien fundamentale Afghanistan-Entscheidungen aus innenpolitischen Motiven der intervenierenden Mächte heraus getroffen worden, nicht primär aus afghanischer Realität.
Die Islamische Republik sei zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens enorm geschwächt gewesen: Die offenbar erneut gefälschte Präsidentschaftswahl (die vierte in zwei Jahrzehnten) habe die Elite gespalten, der lähmende Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah die Staatsmacht erodiert und die Bevölkerung weiter entfremdet.