Sachverständige:rFrage 6 — Unterstützung in der BevölkerungS. 6ab 2009 bis 2013
Ab 2009 mussten viele Regionen tags der Republik, nachts den Taliban dienen, auch Kunduz bis 2013
Originalstelle
„Immer mehr Dörfer/Regionen mussten ab 2009 zwei Herren dienen: tagsüber den Vertretern der Islamischen Republik und ihren Verbündeten, nachts den Taliban. Das galt bis zum Abzug der Bundewehr 2013 übrigens auch für die Provinz Kundus.“
Ab 2009 hätten zunehmend Dörfer und Regionen „zwei Herren dienen” müssen: tagsüber den Vertretern der Republik und ihren Verbündeten, nachts den Taliban; das habe bis zum BW-Abzug 2013 auch für die Provinz Kunduz gegolten.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens beherrschten die Taliban weite ländliche Gebiete, während die Regierung die großen Städte hielt. Die afghanische Armee sei dabei auf amerikanische Luftunterstützung angewiesen gewesen; die Zivilbevölkerung sei zwischen unklaren Fronten gefangen gewesen.
Das Doha-Abkommen sei kein Friedensabkommen für Afghanistan gewesen, sondern ein bilaterales Abzugsabkommen zwischen den USA (und damit zwangsläufig auch den Verbündeten) und den Taliban.
Fast durchgängig seit 2001 seien fundamentale Afghanistan-Entscheidungen aus innenpolitischen Motiven der intervenierenden Mächte heraus getroffen worden, nicht primär aus afghanischer Realität.
Die Islamische Republik sei zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens enorm geschwächt gewesen: Die offenbar erneut gefälschte Präsidentschaftswahl (die vierte in zwei Jahrzehnten) habe die Elite gespalten, der lähmende Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah die Staatsmacht erodiert und die Bevölkerung weiter entfremdet.