BewertungFrage 5 — Schritte der afghanischen Regierung nach DohaS. 52020–2021
Ghani konzentrierte sich auf persönlichen Machterhalt, entließ und ernannte Generäle erratisch
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„Es ging aus meiner Sicht zu diesem Zeitpunkt weniger um die Sicherung der politischen Stabilität als um den persönlichen Machterhalt. Die Angriffe der Taliban auf afghanische Sicherheitskräfte und Zivilisten nahmen zu, 2021 gehört zu den blutigsten Jahren seit 2001. Ghani wusste, dass er um sein politisches Überleben kämpft. Er entließ und ernannte Verteidigungsminister und Generäle im schnellen Rhythmus, oft erratisch. Er verbündete sich in letzter Minute mit warlords und regionalen Machthabern, die ihn vorher angewidert hatten. Er klammerte sich an den Gedanken, dass die USA niemals bedingungslos aus Afghanistan abziehen würden.“
Statt politischer Stabilität sei es Ghani um persönlichen Machterhalt gegangen. Bei zunehmenden Taliban-Angriffen entließ und ernannte er Verteidigungsminister und Generäle erratisch, verbündete sich in letzter Minute mit Warlords, die ihn zuvor angewidert hatten, und klammerte sich an die Annahme, die USA würden nie bedingungslos abziehen.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens beherrschten die Taliban weite ländliche Gebiete, während die Regierung die großen Städte hielt. Die afghanische Armee sei dabei auf amerikanische Luftunterstützung angewiesen gewesen; die Zivilbevölkerung sei zwischen unklaren Fronten gefangen gewesen.
Das Doha-Abkommen sei kein Friedensabkommen für Afghanistan gewesen, sondern ein bilaterales Abzugsabkommen zwischen den USA (und damit zwangsläufig auch den Verbündeten) und den Taliban.
Fast durchgängig seit 2001 seien fundamentale Afghanistan-Entscheidungen aus innenpolitischen Motiven der intervenierenden Mächte heraus getroffen worden, nicht primär aus afghanischer Realität.
Die Islamische Republik sei zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens enorm geschwächt gewesen: Die offenbar erneut gefälschte Präsidentschaftswahl (die vierte in zwei Jahrzehnten) habe die Elite gespalten, der lähmende Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah die Staatsmacht erodiert und die Bevölkerung weiter entfremdet.