BewertungFrage 4 — Haltung der afghanischen RegierungS. 4–5
Ghani war zunehmend der Realität entrückt, umgab sich mit westlich geprägten Exilafghan:innen
Originalstelle
„Gleichzeitig muss man sehen, wie sehr Ghani offenbar auch der Realität entrückt war. Er hatte sich seit 2014 zusehends mit jungen, westlich geprägten Exilafghanen wie Sicherheitsberater Hamdullah Mohib umgeben, die seine Entrücktheit und Isolation beförderten. Sie konnten das afghanische power game nicht mitspielen, und Ghani konnte es auch nicht. Er versuchte stattdessen, die warlords und Regionalfürsten zu bekämpfen, die der Westen zeitgleich weiter als Partner sah.“
Ghani sei zunehmend der Realität entrückt gewesen; er habe sich seit 2014 mit jungen, westlich geprägten Exilafghan:innen wie Sicherheitsberater Hamdullah Mohib umgeben, die Entrücktheit und Isolation befördert hätten. Ghani habe Warlords und Regionalfürsten bekämpft, die der Westen zeitgleich als Partner ansah.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens beherrschten die Taliban weite ländliche Gebiete, während die Regierung die großen Städte hielt. Die afghanische Armee sei dabei auf amerikanische Luftunterstützung angewiesen gewesen; die Zivilbevölkerung sei zwischen unklaren Fronten gefangen gewesen.
Das Doha-Abkommen sei kein Friedensabkommen für Afghanistan gewesen, sondern ein bilaterales Abzugsabkommen zwischen den USA (und damit zwangsläufig auch den Verbündeten) und den Taliban.
Fast durchgängig seit 2001 seien fundamentale Afghanistan-Entscheidungen aus innenpolitischen Motiven der intervenierenden Mächte heraus getroffen worden, nicht primär aus afghanischer Realität.
Die Islamische Republik sei zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens enorm geschwächt gewesen: Die offenbar erneut gefälschte Präsidentschaftswahl (die vierte in zwei Jahrzehnten) habe die Elite gespalten, der lähmende Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah die Staatsmacht erodiert und die Bevölkerung weiter entfremdet.