Sachverständige:rFrage 4 — Haltung der afghanischen RegierungS. 4
Ghani: über seinen Kopf verhandelt, empfand es als Hochverrat
Originalstelle
„Präsident Ghani hat sich immer wieder bitterlich darüber beklagt, dass gegen ihn und über seinen Kopf hinweg verhandelt wurde. Er empfand das als Hochverrat. Seine komplizierte persönliche Beziehung zu Khalilzad (die beiden kennen sich aus Kindheitstagen) spielte ebenfalls eine negative Rolle.“
Präsident Ghani habe sich bitter darüber beklagt, dass über seinen Kopf hinweg verhandelt werde; er empfand es als Hochverrat; seine komplizierte persönliche Beziehung zu Khalilzad (Kindheitsbekannte) habe eine negative Rolle gespielt.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens beherrschten die Taliban weite ländliche Gebiete, während die Regierung die großen Städte hielt. Die afghanische Armee sei dabei auf amerikanische Luftunterstützung angewiesen gewesen; die Zivilbevölkerung sei zwischen unklaren Fronten gefangen gewesen.
Das Doha-Abkommen sei kein Friedensabkommen für Afghanistan gewesen, sondern ein bilaterales Abzugsabkommen zwischen den USA (und damit zwangsläufig auch den Verbündeten) und den Taliban.
Fast durchgängig seit 2001 seien fundamentale Afghanistan-Entscheidungen aus innenpolitischen Motiven der intervenierenden Mächte heraus getroffen worden, nicht primär aus afghanischer Realität.
Die Islamische Republik sei zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens enorm geschwächt gewesen: Die offenbar erneut gefälschte Präsidentschaftswahl (die vierte in zwei Jahrzehnten) habe die Elite gespalten, der lähmende Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah die Staatsmacht erodiert und die Bevölkerung weiter entfremdet.