Sachverständige:rFrage 4 — Haltung der afghanischen RegierungS. 4
Afghanische Regierung wie NATO-Partner: nicht beteiligt, Informationspolitik allein durch USA (Khalilzad)
Originalstelle
„Die afghanische Regierung war an den bilateralen Verhandlungen zwischen den USA und den Taliban in Doha genauso wenig beteiligt wie die NATO-Partner der Amerikaner. Die afghanische Regierung und die Partner wurden informiert – meistens durch den Sondergesandten Khalilzad, wie umfassend und rechtzeitig entschieden allein die USA.“
Weder die afghanische Regierung noch die NATO-Partner seien an den bilateralen USA-Taliban-Verhandlungen beteiligt gewesen; informiert habe meist der US-Sondergesandte Khalilzad. Über Umfang und Zeitpunkt entschieden allein die USA.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens beherrschten die Taliban weite ländliche Gebiete, während die Regierung die großen Städte hielt. Die afghanische Armee sei dabei auf amerikanische Luftunterstützung angewiesen gewesen; die Zivilbevölkerung sei zwischen unklaren Fronten gefangen gewesen.
Das Doha-Abkommen sei kein Friedensabkommen für Afghanistan gewesen, sondern ein bilaterales Abzugsabkommen zwischen den USA (und damit zwangsläufig auch den Verbündeten) und den Taliban.
Fast durchgängig seit 2001 seien fundamentale Afghanistan-Entscheidungen aus innenpolitischen Motiven der intervenierenden Mächte heraus getroffen worden, nicht primär aus afghanischer Realität.
Die Islamische Republik sei zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens enorm geschwächt gewesen: Die offenbar erneut gefälschte Präsidentschaftswahl (die vierte in zwei Jahrzehnten) habe die Elite gespalten, der lähmende Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah die Staatsmacht erodiert und die Bevölkerung weiter entfremdet.