BewertungFrage 3 — Bewertung des Doha-AbkommensS. 4
Intervention ohne klare politische Zielvorgabe war zum Scheitern verurteilt; militärisch nicht zu gewinnen spätestens nach Obamas Surge
Originalstelle
„Die militärische Intervention in Afghanistan war ohne klare politische Zielvorgabe und messbare Kriterien für die Evaluierung und den Abzug zum Scheitern verurteilt. Soldatinnen und Soldaten können keinen Staat aufbauen. Dass der Krieg militärisch nicht zu gewinnen war, wurde spätestens nach Obamas' surge (+30.000 zusätzliche Kampftruppen für eine kurze Zeit; 2009/2010) von niemandem mehr bezweifelt. Dass die Taliban an der Macht in Afghanistan beteiligt werden müssen, ließ sich allerspätestens hier (2010) nicht mehr ignorieren.“
Die militärische Intervention ohne klare politische Zielvorgabe sei zum Scheitern verurteilt gewesen, denn Soldaten könnten keinen Staat aufbauen; spätestens nach Obamas Surge (+30.000 Truppen, 2009/2010) habe niemand mehr bezweifelt, dass der Krieg militärisch nicht zu gewinnen ist und die Taliban an der Macht beteiligt werden müssen.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens beherrschten die Taliban weite ländliche Gebiete, während die Regierung die großen Städte hielt. Die afghanische Armee sei dabei auf amerikanische Luftunterstützung angewiesen gewesen; die Zivilbevölkerung sei zwischen unklaren Fronten gefangen gewesen.
Das Doha-Abkommen sei kein Friedensabkommen für Afghanistan gewesen, sondern ein bilaterales Abzugsabkommen zwischen den USA (und damit zwangsläufig auch den Verbündeten) und den Taliban.
Fast durchgängig seit 2001 seien fundamentale Afghanistan-Entscheidungen aus innenpolitischen Motiven der intervenierenden Mächte heraus getroffen worden, nicht primär aus afghanischer Realität.
Die Islamische Republik sei zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens enorm geschwächt gewesen: Die offenbar erneut gefälschte Präsidentschaftswahl (die vierte in zwei Jahrzehnten) habe die Elite gespalten, der lähmende Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah die Staatsmacht erodiert und die Bevölkerung weiter entfremdet.