Abschiebepolitik war innenpolitisch motiviert, vom Begriff „Krieg” wurde sich verweigert
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„Die Wahrheit ist wohl eher: wenn man NICHT abgeschoben hätte, hätte man sich eingestehen müssen, dass in Afghanistan etwas gewaltig schiefläuft – trotz der enormen Ausgaben, des grundsätzlichen politischen Willens vieler und des hohen Blutzolls der Bundeswehr. … Das Verweigern der Benutzung des Begriffs „Krieg” für den Zustand in Afghanistan war aus meiner Sicht eine deutsche Realitätsverweigerung. Die Abschiebungen und die Diskussion über Abschiebungen nach Afghanistan waren innenpolitisch-deutsch motiviert – oft entkoppelt von der afghanischen Realität.“
Die deutsche Abschiebepraxis sei innenpolitisch motiviert und von der afghanischen Realität entkoppelt gewesen; ein Verzicht hätte das Eingeständnis verlangt, dass in Afghanistan trotz Ausgaben, politischem Willen und Bundeswehr-Blutzoll vieles falsch lief. Die Begriffsverweigerung „Krieg” sei deutsche Realitätsverweigerung gewesen.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens beherrschten die Taliban weite ländliche Gebiete, während die Regierung die großen Städte hielt. Die afghanische Armee sei dabei auf amerikanische Luftunterstützung angewiesen gewesen; die Zivilbevölkerung sei zwischen unklaren Fronten gefangen gewesen.
Das Doha-Abkommen sei kein Friedensabkommen für Afghanistan gewesen, sondern ein bilaterales Abzugsabkommen zwischen den USA (und damit zwangsläufig auch den Verbündeten) und den Taliban.
Fast durchgängig seit 2001 seien fundamentale Afghanistan-Entscheidungen aus innenpolitischen Motiven der intervenierenden Mächte heraus getroffen worden, nicht primär aus afghanischer Realität.
Die Islamische Republik sei zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens enorm geschwächt gewesen: Die offenbar erneut gefälschte Präsidentschaftswahl (die vierte in zwei Jahrzehnten) habe die Elite gespalten, der lähmende Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah die Staatsmacht erodiert und die Bevölkerung weiter entfremdet.