BewertungFrage 1 — Politische und Sicherheitslage zum Zeitpunkt des Doha-AbkommensS. 2
Es gab nie eine klare Vision für afghanisches Nation Building
Originalstelle
„Das war eine schwere Bürde für den versuchten Aufbau eines neuen Staates – zumal es zu keinem Zeitpunkt eine klare Vision zum afghanischen „nation buildung” gab – weder innerhalb der USA noch unter den europäischen Partnern. Es gab viele Ideen, viele Stakeholder und ständig wechselndes internationales Personal vor Ort.“
Eine klare Vision für ein afghanisches „Nation Building” habe es zu keinem Zeitpunkt gegeben, weder in den USA noch unter den europäischen Partnern; stattdessen viele Ideen, viele Stakeholder und ständig wechselndes internationales Personal vor Ort.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens beherrschten die Taliban weite ländliche Gebiete, während die Regierung die großen Städte hielt. Die afghanische Armee sei dabei auf amerikanische Luftunterstützung angewiesen gewesen; die Zivilbevölkerung sei zwischen unklaren Fronten gefangen gewesen.
Das Doha-Abkommen sei kein Friedensabkommen für Afghanistan gewesen, sondern ein bilaterales Abzugsabkommen zwischen den USA (und damit zwangsläufig auch den Verbündeten) und den Taliban.
Fast durchgängig seit 2001 seien fundamentale Afghanistan-Entscheidungen aus innenpolitischen Motiven der intervenierenden Mächte heraus getroffen worden, nicht primär aus afghanischer Realität.
Die Islamische Republik sei zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens enorm geschwächt gewesen: Die offenbar erneut gefälschte Präsidentschaftswahl (die vierte in zwei Jahrzehnten) habe die Elite gespalten, der lähmende Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah die Staatsmacht erodiert und die Bevölkerung weiter entfremdet.