BewertungFrage 1 — Politische und Sicherheitslage zum Zeitpunkt des Doha-AbkommensS. 1–2ab 2001-10-07
USA ergriffen 2001 in einem ungelösten Bürgerkrieg Partei für die Nordallianz
Originalstelle
„Als die USA am 7. Oktober 2001 den Einmarsch in Afghanistan mit massiven Luftangriffen begannen, ergriffen die intervenierenden Staaten in einem bis heute ungelösten Bürgerkrieg für die sogenannte Nordallianz Partei. Bei diesem Konflikt geht es auch wesentlich um die politische Rolle des Islam. Die Feinde der Taliban, darunter Schlächter und Menschenrechtsverächter, wurden unverzichtbare Partner des Westens.“
Beim US-Einmarsch ab 7. Oktober 2001 hätten die Intervenierenden in einem bis heute ungelösten Bürgerkrieg für die Nordallianz Partei ergriffen; bei diesem Konflikt gehe es auch wesentlich um die politische Rolle des Islam. Die Feinde der Taliban (darunter „Schlächter und Menschenrechtsverächter”) seien unverzichtbare Partner des Westens geworden.
Zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens beherrschten die Taliban weite ländliche Gebiete, während die Regierung die großen Städte hielt. Die afghanische Armee sei dabei auf amerikanische Luftunterstützung angewiesen gewesen; die Zivilbevölkerung sei zwischen unklaren Fronten gefangen gewesen.
Das Doha-Abkommen sei kein Friedensabkommen für Afghanistan gewesen, sondern ein bilaterales Abzugsabkommen zwischen den USA (und damit zwangsläufig auch den Verbündeten) und den Taliban.
Fast durchgängig seit 2001 seien fundamentale Afghanistan-Entscheidungen aus innenpolitischen Motiven der intervenierenden Mächte heraus getroffen worden, nicht primär aus afghanischer Realität.
Die Islamische Republik sei zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens enorm geschwächt gewesen: Die offenbar erneut gefälschte Präsidentschaftswahl (die vierte in zwei Jahrzehnten) habe die Elite gespalten, der lähmende Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah die Staatsmacht erodiert und die Bevölkerung weiter entfremdet.