Keine relevanten regionalen Absprachen Republik–Taliban im Untersuchungszeitraum bekannt, nur lokale Erntewaffenruhen; Dand-e-Ghuri-Abkommen 2015 als historisches Beispiel
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„Im gemäss Untersuchungsauftrag relevanten Zeitraum zwischen 29. Februar 2020 und 30. September 2021 sind dem Sachverständige keine relevanten regionalen militärischen Absprachen zwischen den Taliban und der afghanischen Republik bekannt. Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass es während des fraglichen Zeitraums zu gewissen lokalen und temporär eng begrenzten Waffenstillstandsvereinbarungen gekommen ist, hauptsächlich um es Bauern zu erlauben, die Ernte sicher einzubringen. … die einzige offizielle Abmachung … betraf eine am 3. September 2015 unterzeichnete Vereinbarung … in Dand-e Ghuri … in der nordafghanischen Provinz Baghlan. … brach sie schnell endgültig auseinander, nachdem sich die Sicherheitslage verschlechterte und die Vereinbarung gar teilweise als ein Faktor in der temporären Taliban-Übernahme von Kunduz-Stadt … Ende September / Anfang Oktober 2015 gesehen wurde.“
Im Untersuchungszeitraum (29.02.2020 – 30.09.2021) sind Marty keine relevanten regionalen Absprachen Republik–Taliban bekannt; es habe nur lokale, temporäre Waffenstillstände für die Ernte gegeben. Das einzige offizielle Beispiel sei das Dand-e-Ghuri-Abkommen vom 3.9.2015 in Baghlan. Es zerbrach schnell und wurde teils als Faktor in der Taliban-Kunduz-Übernahme Ende September bis Anfang Oktober 2015 angesehen. Marty kennt zudem keine bestätigten Taliban-Drittstaaten-Absprachen; Berichte (Pakistan, Iran, Russland) seien regelmäßig fragwürdig.
Zum Zeitpunkt von Doha kontrollierten die Taliban weniger als 10 % der Distrikte vollständig, die Republik etwa ein Drittel und alle Provinzhauptstädte und Bevölkerungszentren; militärisch waren die Taliban in einer schwächeren Stellung als die Republik.
Hinweis: Spannung zu Mielkes Befund („60 % des ländlichen Raums” unter Taliban-Einfluss). Marty differenziert ausdrücklich nach Art der Kontrolle.
Kontrolle wurde mit „ungleichen Ellen” gemessen: Die Republik galt nur als Kontrolleur, wenn sie physisch Kontrollpunkte und Posten unterhielt. Die Taliban hielten dagegen selbst in „ihren” Gebieten kaum offene Präsenz (Guerilla-Taktik, Furcht vor Luftschlägen, knappe Kapazitäten). Karten der damaligen Gebietskontrolle seien daher mit größter Vorsicht zu genießen.
Direkt nach der Unterzeichnung intensivierten die Taliban Kampfhandlungen, entgegen ihrer eigenen Behauptungen; lediglich Bombenanschläge in Kabul und Großoffensiven gegen Provinzhauptorte blieben praktisch aus. Republikanische Sicherheitskräfte und NATO-Streitkräfte hielten sich dagegen weitgehend zurück, am sichtbarsten durch reduzierte Luftschläge und Spezialoperationen.
Zwischen Herbst 2019 und Frühjahr 2020 verlor Daesh Khorasan seine Hochburgen in Nangarhar und Kunar (die einzigen kontrollierten Gebiete); trotz Resistenz und einzelner Anschläge bleibe die Gruppe Randerscheinung; sie stehe in offenem Konflikt mit den Taliban.
Am 9. März 2020 erklärten sich Ghani und Abdullah in rivalisierenden Zeremonien zum Präsidenten; die Krise sei erst am 17. Mai 2020 unter US-Drohung (drastische Kürzung der Finanzhilfen) gelöst worden. Abdullah erhielt im Kompromiss die Leitung des Hohen Rates für nationale Versöhnung.