Sachverständige:rFrage 8 — Maßnahmen Republik/Verbündete nach DohaS. 19–21
NATO und USA versprachen bis Juni 2021 Weiterfinanzierung bis ≥2024; Ghani plante damit und sah sich vom abrupten Abzug überrascht
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„Die NATO ihrerseits hat seit mindestens 2012 kontinuierlich versprochen, afghanische Sicherheitskräfte bis mindestens 2024 namentlich finanziell zu unterstützen … In der Tat hat NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg bis mindestens zwei Monate vor dem Fall der afghanischen Republik … konkrete Versprechen und Bemühungen zur fortlaufenden Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte bestätigt. Diese beinhalteten namentlich: • die anhaltende Finanzierung … • Planung von Trainings … ausserhalb Afghanistans; • die geplante Weiterführung einer zivilen NATO-Präsenz … • Bemühungen, kritische Infrastruktur in Afghanistan, namentlich den Flughafen in Kabul, zu sichern und zu unterhalten. … Im besagten [Ghani-]Interview sagte Ghani explizit, dass die afghanische Republik mit dieser weiteren Unterstützung bis mindestens 2024 geplant hätte und auf den abrupten Abzug von U.S.-amerikanischen sowie anderen ausländischen Truppen und … (Sub)Unternehmer (‚Contractors') … nicht genügend vorbereitet gewesen sei.“
USA und NATO sicherten in der Joint Declaration und in fortlaufenden Stoltenberg-Statements bis mindestens zwei Monate vor dem Fall der Republik Weiterfinanzierung der ANSF (mindestens bis 2024), Trainings außerhalb AFGs, zivile NATO-Präsenz und Flughafen-Sicherung zu. Ghani sagte ex post (PBS, 25.08.2022), die Republik habe mit dieser Unterstützung geplant und sei auf den abrupten Truppen- und Contractor-Abzug nicht vorbereitet gewesen.
Zum Zeitpunkt von Doha kontrollierten die Taliban weniger als 10 % der Distrikte vollständig, die Republik etwa ein Drittel und alle Provinzhauptstädte und Bevölkerungszentren; militärisch waren die Taliban in einer schwächeren Stellung als die Republik.
Hinweis: Spannung zu Mielkes Befund („60 % des ländlichen Raums” unter Taliban-Einfluss). Marty differenziert ausdrücklich nach Art der Kontrolle.
Kontrolle wurde mit „ungleichen Ellen” gemessen: Die Republik galt nur als Kontrolleur, wenn sie physisch Kontrollpunkte und Posten unterhielt. Die Taliban hielten dagegen selbst in „ihren” Gebieten kaum offene Präsenz (Guerilla-Taktik, Furcht vor Luftschlägen, knappe Kapazitäten). Karten der damaligen Gebietskontrolle seien daher mit größter Vorsicht zu genießen.
Direkt nach der Unterzeichnung intensivierten die Taliban Kampfhandlungen, entgegen ihrer eigenen Behauptungen; lediglich Bombenanschläge in Kabul und Großoffensiven gegen Provinzhauptorte blieben praktisch aus. Republikanische Sicherheitskräfte und NATO-Streitkräfte hielten sich dagegen weitgehend zurück, am sichtbarsten durch reduzierte Luftschläge und Spezialoperationen.
Zwischen Herbst 2019 und Frühjahr 2020 verlor Daesh Khorasan seine Hochburgen in Nangarhar und Kunar (die einzigen kontrollierten Gebiete); trotz Resistenz und einzelner Anschläge bleibe die Gruppe Randerscheinung; sie stehe in offenem Konflikt mit den Taliban.
Am 9. März 2020 erklärten sich Ghani und Abdullah in rivalisierenden Zeremonien zum Präsidenten; die Krise sei erst am 17. Mai 2020 unter US-Drohung (drastische Kürzung der Finanzhilfen) gelöst worden. Abdullah erhielt im Kompromiss die Leitung des Hohen Rates für nationale Versöhnung.