Bridge the Gap.

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Sachverständige:r Frage 6 — Leistungsfähigkeit ANSF S. 15

Marty: „Geistersoldaten” wurden durch biometrisches Gehaltsregister deutlich reduziert; ANSF zahlenmäßig klar überlegen

Originalstelle
„Während die Existenz von solchen Geistersoldaten in der Tat ein Problem war, wurde dies durch die Einführung von diversen Massnahmen, allen voran eines elektronischen und biometrisch verifizierten Gehaltsregisters und der grundsätzlichen Notwendigkeit eines Bankkontos für Gehaltsauszahlungen, reduziert. Dementsprechend war das Problem von Geistersoldaten bei und nach Abschluss des Doha-Abkommens nach Ansicht des Sachverständigen weniger signifikant als oft suggeriert. … Offizielle Zahlen von republikanischen Sicherheitskräfte variierten im fraglichen Zeitraum demgegenüber um 300'000, wobei niemand je behauptete dass Geistersoldaten einen so grossen Anteil ausmachen, dass die republikanischen Sicherheitskräfte den Taliban nicht klar zahlenmässig überlegen waren.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)106, S. 15 (Original, neues Fenster)

Marty argumentiert, dass das „Geistersoldaten”-Problem nach Doha durch ein biometrisch verifiziertes Gehaltsregister und die Pflicht zu Bankkonten deutlich reduziert wurde; die ANSF (~300.000) seien den Taliban (maximal ~100.000, wahrscheinlich beträchtlich weniger) zahlenmäßig zu jeder Zeit klar überlegen gewesen.

Hinweis zur Einordnung: Marty widerspricht hier direkt Zerbin (~50.000 reale Soldaten laut Payenda) und Kaim („tatsächliche Zahl nur halb so groß”). Drei sehr unterschiedliche Einschätzungen zur ANSF-Realstärke nebeneinander dokumentieren.
Thema: Afghanische Regierung & Streitkräfte Status: entwurf_unbestaetigt

Quelle

Dokument: Schriftliche Stellungnahme zum Panel „Beurteilung der Sicherheitslage und militärischen Lage”

Autor:in: Franz J. Marty

Freischaffender Journalist & Fellow des Swiss Institute for Global Affairs (SIGA); seit Dezember 2014 ständig in Afghanistan tätig

Ausschussdrucksache: 20(27)106

Datum: 2022-09-12

Art des Belegs: wörtliches Zitat

Widersprüche und abweichende Sichten

Direkt widersprechende Aussagen

Sachverständige:r Frage 6 — Leistungsfähigkeit und Kampfeswille der ANA/ANSF S. 5

Offizielle Truppenstärke von ~300.000 war wahrscheinlich grob überhöht; ehem. Finanzminister: ~50.000

Die offiziell angegebene Truppenstärke (~300.000) sei laut dem früheren Finanzminister Khalid Payenda stark überhöht gewesen; tatsächlich hätten nur etwa 50.000 Soldaten zur Verfügung gestanden. Die Differenz seien „Geistersoldaten”, die Offizieren Mittel aus Kabul einbrachten; eine zahlenmäßige Überlegenheit habe es nie gegeben.

Thema: Afghanische Regierung & Streitkräfte Akteure: Khalid Payenda stellungnahmen\09-zerbin.json
Bewertung Loyalität und Niederlegungsbefehle S. 15

„Geisterkämpfer”: tatsächliche ANSF-Stärke vermutlich nur halb so groß wie offiziell genannt

Die NATO nannte über Jahre >300.000 ANSF; die tatsächliche Zahl sei schätzungsweise nur halb so groß gewesen, „Geisterkämpfer” tauchten nur in Listen auf, damit korrupte Beamte Gehälter kassierten; zudem habe hohe Fluktuation dafür gesorgt, dass viele Stellen unbesetzt oder mit nicht kampftauglichen Mitarbeitern besetzt waren.

Thema: Afghanische Regierung & Streitkräfte stellungnahmen\07-kaim.json

Weiteres aus derselben Quelle

Sachverständige:r Frage 1 — Sicherheitslage und politische Lage S. 2

Taliban kontrollierten <10 % der Distrikte vollständig, Republik ~1/3, alle Provinzhauptstädte unter Kabul

Zum Zeitpunkt von Doha kontrollierten die Taliban weniger als 10 % der Distrikte vollständig, die Republik etwa ein Drittel und alle Provinzhauptstädte und Bevölkerungszentren; militärisch waren die Taliban in einer schwächeren Stellung als die Republik.

Hinweis: Spannung zu Mielkes Befund („60 % des ländlichen Raums” unter Taliban-Einfluss). Marty differenziert ausdrücklich nach Art der Kontrolle.
Thema: Lageeinschätzung stellungnahmen\08-marty.json
Bewertung Frage 1 — Sicherheitslage und politische Lage S. 2–3

Territoriale Kontrolle wurde mit „ungleichen Ellen” gemessen; Karten der damaligen Gebietskontrolle sind irreführend

Kontrolle wurde mit „ungleichen Ellen” gemessen: Die Republik galt nur als Kontrolleur, wenn sie physisch Kontrollpunkte und Posten unterhielt. Die Taliban hielten dagegen selbst in „ihren” Gebieten kaum offene Präsenz (Guerilla-Taktik, Furcht vor Luftschlägen, knappe Kapazitäten). Karten der damaligen Gebietskontrolle seien daher mit größter Vorsicht zu genießen.

Thema: Lageeinschätzung stellungnahmen\08-marty.json
Sachverständige:r Frage 1 — Sicherheitslage und politische Lage S. 3

Doha-Effekt asymmetrisch: Taliban intensivierten direkt nach Unterzeichnung, NATO und ANSF hielten sich zurück

Direkt nach der Unterzeichnung intensivierten die Taliban Kampfhandlungen, entgegen ihrer eigenen Behauptungen; lediglich Bombenanschläge in Kabul und Großoffensiven gegen Provinzhauptorte blieben praktisch aus. Republikanische Sicherheitskräfte und NATO-Streitkräfte hielten sich dagegen weitgehend zurück, am sichtbarsten durch reduzierte Luftschläge und Spezialoperationen.

Thema: Doha-Abkommen stellungnahmen\08-marty.json
Sachverständige:r Frage 1 — Sicherheitslage und politische Lage S. 4

9. März 2020: Ghani und Abdullah erklären sich beide zum Präsidenten; Krise erst 17. Mai 2020 unter US-Druck gelöst

Am 9. März 2020 erklärten sich Ghani und Abdullah in rivalisierenden Zeremonien zum Präsidenten; die Krise sei erst am 17. Mai 2020 unter US-Drohung (drastische Kürzung der Finanzhilfen) gelöst worden. Abdullah erhielt im Kompromiss die Leitung des Hohen Rates für nationale Versöhnung.

Thema: Afghanische Regierung & Streitkräfte März–Mai 2020 stellungnahmen\08-marty.json