Bridge the Gap.

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Bewertung Frage 5 — Reaktionen NATO/Nachbarn S. 13–14

Marty: Pakistans Einfluss auf die Taliban wird „regelmäßig maßlos übertrieben”

Originalstelle
„In Bezug auf Pakistan ist von äusserster Wichtigkeit anzumerken, dass Pakistan und die Taliban zwar in einem speziellen Verhältnis stehen, die Rolle von Pakistan in Afghanistan sowie deren Einfluss auf die Taliban aber regelmässig massloss …“Ganze Stelle zeigenKürzer zeigen
„In Bezug auf Pakistan ist von äusserster Wichtigkeit anzumerken, dass Pakistan und die Taliban zwar in einem speziellen Verhältnis stehen, die Rolle von Pakistan in Afghanistan sowie deren Einfluss auf die Taliban aber regelmässig massloss übertrieben wird. In der Tat zeigen zahlreiche Vorfälle, dass Pakistans Einfluss auf die Taliban höchstens beschränkt war. Das klarste Beispiel ist wohl, die langjährige Unterstützung der Tehrik-e Taliban Pakistan (TTP), einem Erzfeind des pakistanischen Staates, durch die afghanischen Taliban. … Ein anderes Beispiel sind gescheiterte von Pakistan aufgegleiste Friedensverhandlungen … im pakistanischen Muree im Juli 2015. … gilt ebenfalls hervorzuheben, dass glaubhafte Indizien darauf hinweisen, dass die Taliban ihr für Verhandlungen zuständiges politisches Büro bewusst in Doha, Qatar, eröffneten, um pakistanischen Einfluss zu verhindern. … [Douglas Lute-Zitat:] „Die Mehrheit der Taliban-Kämpfer kämpften innerhalb von Gehdistanz ihrer eigenen Häuser. … Es wuchs eine Art Mythologie um die Taliban Horden, die saisonal über die Grenze aus Pakistan kamen. Aber wir sahen diese nie.”“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)106, S. 13–14 (Original, neues Fenster)

Marty argumentiert, dass Pakistans Einfluss auf die Taliban regelmäßig maßlos übertrieben werde. Beispiele: die Taliban unterstützen mit TTP einen Erzfeind des pakistanischen Staates, pakistanisch eingefädelte Murree-Verhandlungen 7/2015 scheiterten, das politische Büro wurde bewusst in Doha eröffnet. Auch der frühere US-NATO-Botschafter Douglas Lute habe konstatiert, dass die meisten Taliban-Kämpfer in „Gehdistanz” ihrer Häuser kämpften; die Mythologie pakistanischer „Horden” sei nie belegt worden.

Hinweis zur Einordnung: Marty steht hier deutlich gegen Mielke, Kaim und Schetter, die Pakistans Rolle (ISI-Unterstützung, Haqqani-Netzwerk, Medresen-Pipeline) als zentral darstellen. Beide Sichten gehören in den Datenbestand.
Thema: Taliban Akteure: Douglas Lute, TTP Status: entwurf_unbestaetigt

Quelle

Dokument: Schriftliche Stellungnahme zum Panel „Beurteilung der Sicherheitslage und militärischen Lage”

Autor:in: Franz J. Marty

Freischaffender Journalist & Fellow des Swiss Institute for Global Affairs (SIGA); seit Dezember 2014 ständig in Afghanistan tätig

Ausschussdrucksache: 20(27)106

Datum: 2022-09-12

Art des Belegs: wörtliches Zitat

Widersprüche und abweichende Sichten

Direkt widersprechende Aussagen

Sachverständige:r Frage 7 — Externe Akteure S. 11

Pakistanische sunnitische Medresen + ISI radikalisierten Flüchtlinge; Talibanbewegung ist das Resultat

Pakistanische sunnitische Medresen hatten unter Afghan:innen einen guten Ruf; Pakistan und islamistische Akteure aus den Golfstaaten hätten große Teile der Flüchtlingsbevölkerung radikalisiert. Teile der Talibanbewegung seien das Resultat. Die pakistanische Armee und der Geheimdienst hätten die Taliban maßgeblich organisatorisch und durch die Kanalisierung internationaler Gelder unterstützt (Giustozzi 2019); religiöse und wirtschaftliche Netzwerke erklärten die Resilienz der Bewegung.

Thema: Taliban Akteure: Pakistanischer Geheimdienst (ISI), Golfstaaten stellungnahmen\02-mielke.json
Sachverständige:r NATO und Nachbarstaaten S. 9–10

Pakistan unterstützte Taliban und Haqqani-Netzwerk; US-Befehlshaber führten Aufstandsmacht auf Islamabad zurück

Pakistans Sicherheitsdienste hätten bis zum Fall Kabuls Verbindungen zu afghanischen Aufständischen, vor allem zum Haqqani-Netzwerk, gepflegt; US-Befehlshaber hätten einen Großteil der Macht und Langlebigkeit der Aufständischen auf finanzielle und militärische Unterstützung aus Islamabad zurückgeführt. Trump beschuldigte Pakistan, „genau die Terroristen zu beherbergen, die wir bekämpfen”. Gleichzeitig hatte die Trump-Regierung Islamabad ab Ende 2018 um Hilfe bei den Doha-Gesprächen gebeten, Khalilzad dankte Pakistan für die Erleichterung der Taliban-Reisen.

Thema: Taliban stellungnahmen\07-kaim.json
Sachverständige:r Frage 7 — Externe Akteure: Pakistan, Iran S. 10

Pakistan unterstützte Taliban offen: Rückzugsräume, Ressourcen, religiöse und Händlernetzwerke

Pakistan habe das Wiedererstarken der Taliban relativ unverhohlen unterstützt (Rückzugsräume, Ressourcen); Verbindungen zur afghanischen Zivilgesellschaft bestünden über (a) NGOs, (b) paschtunische Händlerfamilien im Transportsektor und (c) religiöse Netzwerke (Sufi-Gemeinschaften, Wanderprediger, Medresen mit Zentren in Pakistan). Einige (nicht alle) dieser Netzwerke spielten beim Ausgreifen der Taliban eine wichtige Rolle.

Thema: Taliban stellungnahmen\04-schetter.json

Weiteres aus derselben Quelle

Sachverständige:r Frage 1 — Sicherheitslage und politische Lage S. 2

Taliban kontrollierten <10 % der Distrikte vollständig, Republik ~1/3, alle Provinzhauptstädte unter Kabul

Zum Zeitpunkt von Doha kontrollierten die Taliban weniger als 10 % der Distrikte vollständig, die Republik etwa ein Drittel und alle Provinzhauptstädte und Bevölkerungszentren; militärisch waren die Taliban in einer schwächeren Stellung als die Republik.

Hinweis: Spannung zu Mielkes Befund („60 % des ländlichen Raums” unter Taliban-Einfluss). Marty differenziert ausdrücklich nach Art der Kontrolle.
Thema: Lageeinschätzung stellungnahmen\08-marty.json
Bewertung Frage 1 — Sicherheitslage und politische Lage S. 2–3

Territoriale Kontrolle wurde mit „ungleichen Ellen” gemessen; Karten der damaligen Gebietskontrolle sind irreführend

Kontrolle wurde mit „ungleichen Ellen” gemessen: Die Republik galt nur als Kontrolleur, wenn sie physisch Kontrollpunkte und Posten unterhielt. Die Taliban hielten dagegen selbst in „ihren” Gebieten kaum offene Präsenz (Guerilla-Taktik, Furcht vor Luftschlägen, knappe Kapazitäten). Karten der damaligen Gebietskontrolle seien daher mit größter Vorsicht zu genießen.

Thema: Lageeinschätzung stellungnahmen\08-marty.json
Sachverständige:r Frage 1 — Sicherheitslage und politische Lage S. 3

Doha-Effekt asymmetrisch: Taliban intensivierten direkt nach Unterzeichnung, NATO und ANSF hielten sich zurück

Direkt nach der Unterzeichnung intensivierten die Taliban Kampfhandlungen, entgegen ihrer eigenen Behauptungen; lediglich Bombenanschläge in Kabul und Großoffensiven gegen Provinzhauptorte blieben praktisch aus. Republikanische Sicherheitskräfte und NATO-Streitkräfte hielten sich dagegen weitgehend zurück, am sichtbarsten durch reduzierte Luftschläge und Spezialoperationen.

Thema: Doha-Abkommen stellungnahmen\08-marty.json
Sachverständige:r Frage 1 — Sicherheitslage und politische Lage S. 4

9. März 2020: Ghani und Abdullah erklären sich beide zum Präsidenten; Krise erst 17. Mai 2020 unter US-Druck gelöst

Am 9. März 2020 erklärten sich Ghani und Abdullah in rivalisierenden Zeremonien zum Präsidenten; die Krise sei erst am 17. Mai 2020 unter US-Drohung (drastische Kürzung der Finanzhilfen) gelöst worden. Abdullah erhielt im Kompromiss die Leitung des Hohen Rates für nationale Versöhnung.

Thema: Afghanische Regierung & Streitkräfte März–Mai 2020 stellungnahmen\08-marty.json