Sachverständige:rFrage 1 — Sicherheitslage und politische LageS. 4März–Mai 2020
9. März 2020: Ghani und Abdullah erklären sich beide zum Präsidenten; Krise erst 17. Mai 2020 unter US-Druck gelöst
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„Da dieser Zwist zunächst nicht gelöst werden konnte, erklärten sich am 9. März 2020 — sprich nur Tage nach Unterzeichnung des Doha-Abkommens — sowohl Ghani als auch Abdullah in rivalisierenden Zeremonien zum afghanischen Präsidenten. Diese politische Zwickmühle wurde erst am 17. Mai 2020 unter anderem aufgrund einer vorgehenden U.S-amerikanischer Drohung, finanzielle Hilfe an die afghanische Republik drastisch einzuschränken, gelöst, in dem sich Ghani und Abdullah auf einen Kompromiss einigten. Unter diesem Kompromiss akzeptierte Abdullah und sein Lager Ghani als Präsidenten erhielt aber im Gegenzug das Recht, gewisse Regierungspositionen mit ihren Vertretern zu besetzen; Abdullah selber wurde zum Vorsitzenden des Hohen Rates für nationale Versöhnung ernannt.“
Am 9. März 2020 erklärten sich Ghani und Abdullah in rivalisierenden Zeremonien zum Präsidenten; die Krise sei erst am 17. Mai 2020 unter US-Drohung (drastische Kürzung der Finanzhilfen) gelöst worden. Abdullah erhielt im Kompromiss die Leitung des Hohen Rates für nationale Versöhnung.
Am 9. März 2020, wenige Tage nach Doha, hätten sich Ghani und Abdullah in getrennten Zeremonien jeweils zu Präsidenten erklärt; wie schon 2014 habe es harten US-Druck gebraucht, um eine „Regierung der nationalen Einheit” zu erzwingen, die aber keine war.
Zum Zeitpunkt von Doha kontrollierten die Taliban weniger als 10 % der Distrikte vollständig, die Republik etwa ein Drittel und alle Provinzhauptstädte und Bevölkerungszentren; militärisch waren die Taliban in einer schwächeren Stellung als die Republik.
Hinweis: Spannung zu Mielkes Befund („60 % des ländlichen Raums” unter Taliban-Einfluss). Marty differenziert ausdrücklich nach Art der Kontrolle.
Kontrolle wurde mit „ungleichen Ellen” gemessen: Die Republik galt nur als Kontrolleur, wenn sie physisch Kontrollpunkte und Posten unterhielt. Die Taliban hielten dagegen selbst in „ihren” Gebieten kaum offene Präsenz (Guerilla-Taktik, Furcht vor Luftschlägen, knappe Kapazitäten). Karten der damaligen Gebietskontrolle seien daher mit größter Vorsicht zu genießen.
Direkt nach der Unterzeichnung intensivierten die Taliban Kampfhandlungen, entgegen ihrer eigenen Behauptungen; lediglich Bombenanschläge in Kabul und Großoffensiven gegen Provinzhauptorte blieben praktisch aus. Republikanische Sicherheitskräfte und NATO-Streitkräfte hielten sich dagegen weitgehend zurück, am sichtbarsten durch reduzierte Luftschläge und Spezialoperationen.
Zwischen Herbst 2019 und Frühjahr 2020 verlor Daesh Khorasan seine Hochburgen in Nangarhar und Kunar (die einzigen kontrollierten Gebiete); trotz Resistenz und einzelner Anschläge bleibe die Gruppe Randerscheinung; sie stehe in offenem Konflikt mit den Taliban.
Einige Beobachter gehen davon aus, dass die USA das Zurückhalten der Anerkennung des Ghani-Wahlsieges bewusst als Druckmittel für Konzessionen bei den Friedensbemühungen einsetzten; ob wahr oder nicht, die fehlende US-Anerkennung habe das angespannte Verhältnis Ghani–USA weiter vergiftet und die republikanische Ordnung untergraben.