Sachverständige:rFrage 1 — Sicherheitslage und politische LageS. 3
Doha-Effekt asymmetrisch: Taliban intensivierten direkt nach Unterzeichnung, NATO und ANSF hielten sich zurück
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„Die Taliban nahmen jedoch direkt nach der Unterzeichnung des Doha-Abkommens und entgegen ihrer eigenen Behauptungen Kampfhandlungen nicht nur wieder auf, sondern intensivierten diese sogar. Die einzige Zurückhaltungen, die die Taliban in der Folge des Doha-Abkommens zeigten, betraf die Ausübung von Bombenanschlägen in der Hauptstadt Kabul sowie Grossoffensiven gegen Provinzhauptorte, welche praktisch ausblieben. … Im Gegensatz dazu hielten sich republikanische Sicherheitskräfte sowie NATO-Streitkräfte weitgehend auch nach der Unterzeichnung des Doha-Abkommens zurück, was am merklichsten durch eine Reduktion von Luftschlägen und Spezialoperationen verdeutlicht wurde.“
Direkt nach der Unterzeichnung intensivierten die Taliban Kampfhandlungen, entgegen ihrer eigenen Behauptungen; lediglich Bombenanschläge in Kabul und Großoffensiven gegen Provinzhauptorte blieben praktisch aus. Republikanische Sicherheitskräfte und NATO-Streitkräfte hielten sich dagegen weitgehend zurück, am sichtbarsten durch reduzierte Luftschläge und Spezialoperationen.
Zum Zeitpunkt von Doha kontrollierten die Taliban weniger als 10 % der Distrikte vollständig, die Republik etwa ein Drittel und alle Provinzhauptstädte und Bevölkerungszentren; militärisch waren die Taliban in einer schwächeren Stellung als die Republik.
Hinweis: Spannung zu Mielkes Befund („60 % des ländlichen Raums” unter Taliban-Einfluss). Marty differenziert ausdrücklich nach Art der Kontrolle.
Kontrolle wurde mit „ungleichen Ellen” gemessen: Die Republik galt nur als Kontrolleur, wenn sie physisch Kontrollpunkte und Posten unterhielt. Die Taliban hielten dagegen selbst in „ihren” Gebieten kaum offene Präsenz (Guerilla-Taktik, Furcht vor Luftschlägen, knappe Kapazitäten). Karten der damaligen Gebietskontrolle seien daher mit größter Vorsicht zu genießen.
Zwischen Herbst 2019 und Frühjahr 2020 verlor Daesh Khorasan seine Hochburgen in Nangarhar und Kunar (die einzigen kontrollierten Gebiete); trotz Resistenz und einzelner Anschläge bleibe die Gruppe Randerscheinung; sie stehe in offenem Konflikt mit den Taliban.
Am 9. März 2020 erklärten sich Ghani und Abdullah in rivalisierenden Zeremonien zum Präsidenten; die Krise sei erst am 17. Mai 2020 unter US-Drohung (drastische Kürzung der Finanzhilfen) gelöst worden. Abdullah erhielt im Kompromiss die Leitung des Hohen Rates für nationale Versöhnung.
Einige Beobachter gehen davon aus, dass die USA das Zurückhalten der Anerkennung des Ghani-Wahlsieges bewusst als Druckmittel für Konzessionen bei den Friedensbemühungen einsetzten; ob wahr oder nicht, die fehlende US-Anerkennung habe das angespannte Verhältnis Ghani–USA weiter vergiftet und die republikanische Ordnung untergraben.