BewertungTaliban-Angebote zur Regierungsbeteiligung; regionale AbsprachenS. 17–18
Keine kohärente Taliban-Vision; einige favorisierten gar mehr Machtkonzentration beim Präsidenten
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„Während der Friedensgespräche in Doha blieben die Positionen der Taliban zu einer Reihe von kritischen Themen, die mit der afghanischen Regierung diskutiert werden sollten, unklar oder unbestimmt … Einzelne Taliban-Vertreter gaben an, sie würden die Verfassung von 2004 niemals beibehalten … Einige Taliban schienen an einer Verfassungsordnung interessiert zu sein, die dem afghanischen Staatschef zusätzliche Befugnisse eingeräumt und die Macht, die beim Präsidenten lag, weiter konzentriert hätte. Diese Präferenz hätte sie in Konflikt mit den ethnischen Minderheiten gebracht, die eine Verfassungsänderung zur Dezentralisierung der Macht befürworteten.“
Die Taliban hatten keine kohärente politische Vision für die Verhandlungen. Einzelne Vertreter wollten die Verfassung von 2004 verwerfen, andere schienen sogar eine stärkere Machtkonzentration beim Präsidenten zu favorisieren, was die Konflikte mit ethnischen Minderheiten verstärkt hätte. Über regionale militärische Absprachen (mit der Regierung) lägen keine weiteren Erkenntnisse vor. Angesichts der Taliban-Strategie auf militärischen Sieg seien echte Selbstverpflichtungen ohnehin allenfalls taktisch gewesen.
Zum Jahreswechsel 2019/2020 habe die internationale Gemeinschaft ihre Bereitschaft zu intensiviertem Engagement weitgehend verloren. Nicht nur unter Trump, sondern in vielen westlichen Regierungen sei nach knapp zwanzig Jahren die Geduld mit Afghanistan erschöpft gewesen.
Zwischen 08.11.2019 und 06.02.2020 verzeichnete UNAMA knapp 5.000 sicherheitsrelevante Vorfälle. Süd-, Nord- und Ostregion machten 68 % aus; der Rückgang Ende 2019 und Anfang 2020 entsprach saisonal den Wintermonaten, ein landesweiter Rückgang setzte erst am 22.02.2020 als Folge der US-Taliban-Gespräche ein.
Die US-Regierung schätzte im September 2019, dass zwischen 2.000 und 5.000 IS-K-Kämpfer in Afghanistan aktiv seien; IS-K sei die aktivste Terrorgruppe; zugleich betonte sie, die Beziehungen zwischen Al-Qaida und den Taliban seien weiterhin eng.
Hinweis: Spannung zu Zerbin, der die Glaubwürdigkeit der Al-Qaida-Abkehr der Taliban betont. Kaim und Petersmann berichten dagegen weiterhin enge Beziehungen.
Die westliche Afghanistan-Politik, insbesondere die der NATO und damit auch der Bundesrepublik, sei politisch wie militärisch vollständig von der US-Politik abhängig gewesen.
Trump habe die Kostenlast der USA betont und der afghanischen Regierung die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg zugewiesen und damit das Narrativ vorbereitet, das den Abzug 2021 begleiten sollte: nicht der Westen sei gescheitert, sondern die Kabuler Regierung sei direkt für die Machtergreifung der Taliban verantwortlich.