Bridge the Gap.

← Innerafghanische Verhandlungen

Bewertung Taliban-Angebote zur Regierungsbeteiligung; regionale Absprachen S. 17–18

Keine kohärente Taliban-Vision; einige favorisierten gar mehr Machtkonzentration beim Präsidenten

Originalstelle
„Während der Friedensgespräche in Doha blieben die Positionen der Taliban zu einer Reihe von kritischen Themen, die mit der afghanischen Regierung diskutiert werden sollten, unklar oder unbestimmt … Einzelne Taliban-Vertreter gaben an, sie würden die Verfassung von 2004 niemals beibehalten … Einige Taliban schienen an einer Verfassungsordnung interessiert zu sein, die dem afghanischen Staatschef zusätzliche Befugnisse eingeräumt und die Macht, die beim Präsidenten lag, weiter konzentriert hätte. Diese Präferenz hätte sie in Konflikt mit den ethnischen Minderheiten gebracht, die eine Verfassungsänderung zur Dezentralisierung der Macht befürworteten.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)107, S. 17–18 (Original, neues Fenster)

Die Taliban hatten keine kohärente politische Vision für die Verhandlungen. Einzelne Vertreter wollten die Verfassung von 2004 verwerfen, andere schienen sogar eine stärkere Machtkonzentration beim Präsidenten zu favorisieren, was die Konflikte mit ethnischen Minderheiten verstärkt hätte. Über regionale militärische Absprachen (mit der Regierung) lägen keine weiteren Erkenntnisse vor. Angesichts der Taliban-Strategie auf militärischen Sieg seien echte Selbstverpflichtungen ohnehin allenfalls taktisch gewesen.

Thema: Innerafghanische Verhandlungen Status: entwurf_unbestaetigt

Quelle

Dokument: Schriftliche Stellungnahme zum Panel „Beurteilung der Sicherheitslage und militärischen Lage”

Autor:in: Dr. Markus Kaim

Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin

Ausschussdrucksache: 20(27)107

Datum: 2022-09-13

Art des Belegs: wörtliches Zitat

Weiteres aus derselben Quelle

Sachverständige:r Lage zum Jahreswechsel 2019/2020 S. 2

08.11.2019–06.02.2020: knapp 5.000 sicherheitsrelevante Vorfälle, 68 % in Süd-, Nord- und Ostregion

Zwischen 08.11.2019 und 06.02.2020 verzeichnete UNAMA knapp 5.000 sicherheitsrelevante Vorfälle. Süd-, Nord- und Ostregion machten 68 % aus; der Rückgang Ende 2019 und Anfang 2020 entsprach saisonal den Wintermonaten, ein landesweiter Rückgang setzte erst am 22.02.2020 als Folge der US-Taliban-Gespräche ein.

Thema: Lageeinschätzung 11/2019–02/2020 stellungnahmen\07-kaim.json
Sachverständige:r Lage zum Jahreswechsel 2019/2020 S. 2

US-Regierung 9/2019: 2.000–5.000 IS-K-Kämpfer aktiv; Taliban-Al-Qaida-Beziehungen weiterhin eng

Die US-Regierung schätzte im September 2019, dass zwischen 2.000 und 5.000 IS-K-Kämpfer in Afghanistan aktiv seien; IS-K sei die aktivste Terrorgruppe; zugleich betonte sie, die Beziehungen zwischen Al-Qaida und den Taliban seien weiterhin eng.

Hinweis: Spannung zu Zerbin, der die Glaubwürdigkeit der Al-Qaida-Abkehr der Taliban betont. Kaim und Petersmann berichten dagegen weiterhin enge Beziehungen.
Thema: Taliban stellungnahmen\07-kaim.json
Bewertung Doha-Verhandlungen unter Ausschluss Kabuls S. 3–4

Trump bereitete das Narrativ vor, die Kabuler Regierung sei selbst verantwortlich

Trump habe die Kostenlast der USA betont und der afghanischen Regierung die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg zugewiesen und damit das Narrativ vorbereitet, das den Abzug 2021 begleiten sollte: nicht der Westen sei gescheitert, sondern die Kabuler Regierung sei direkt für die Machtergreifung der Taliban verantwortlich.

Thema: Doha-Abkommen stellungnahmen\07-kaim.json