„Geisterkämpfer”: tatsächliche ANSF-Stärke vermutlich nur halb so groß wie offiziell genannt
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„Die NATO gab die Zahl der afghanischen Sicherheitskräfte über Jahre mit mehr als 300.000 an. Die tatsächliche Zahl könnte nach Schätzungen jedoch nur halb so hoch gewesen sein. Denn die Zahlen über die Größe der afghanischen Streitkräfte wurden immer wieder durch das Problem der sog. „Geisterkämpfer” in Frage gestellt: Soldaten und Polizisten, die nicht auftauchten, weil sie nur in den Angestelltenlisten aufgeführt waren, damit korrupte Beamte ihre Gehälter kassieren konnten. Zudem bedeutete die anhaltend hohe Fluktuation in den afghanischen Reihen, dass viele Militärstellen entweder unbesetzt waren oder von Mitarbeitern besetzt wurden, die nicht für den Kampf ausgebildet und ausgerüstet waren.“
Die NATO nannte über Jahre >300.000 ANSF; die tatsächliche Zahl sei schätzungsweise nur halb so groß gewesen, „Geisterkämpfer” tauchten nur in Listen auf, damit korrupte Beamte Gehälter kassierten; zudem habe hohe Fluktuation dafür gesorgt, dass viele Stellen unbesetzt oder mit nicht kampftauglichen Mitarbeitern besetzt waren.
Die offiziell angegebene Truppenstärke (~300.000) sei laut dem früheren Finanzminister Khalid Payenda stark überhöht gewesen; tatsächlich hätten nur etwa 50.000 Soldaten zur Verfügung gestanden. Die Differenz seien „Geistersoldaten”, die Offizieren Mittel aus Kabul einbrachten; eine zahlenmäßige Überlegenheit habe es nie gegeben.
Zum Jahreswechsel 2019/2020 habe die internationale Gemeinschaft ihre Bereitschaft zu intensiviertem Engagement weitgehend verloren. Nicht nur unter Trump, sondern in vielen westlichen Regierungen sei nach knapp zwanzig Jahren die Geduld mit Afghanistan erschöpft gewesen.
Zwischen 08.11.2019 und 06.02.2020 verzeichnete UNAMA knapp 5.000 sicherheitsrelevante Vorfälle. Süd-, Nord- und Ostregion machten 68 % aus; der Rückgang Ende 2019 und Anfang 2020 entsprach saisonal den Wintermonaten, ein landesweiter Rückgang setzte erst am 22.02.2020 als Folge der US-Taliban-Gespräche ein.
Die US-Regierung schätzte im September 2019, dass zwischen 2.000 und 5.000 IS-K-Kämpfer in Afghanistan aktiv seien; IS-K sei die aktivste Terrorgruppe; zugleich betonte sie, die Beziehungen zwischen Al-Qaida und den Taliban seien weiterhin eng.
Hinweis: Spannung zu Zerbin, der die Glaubwürdigkeit der Al-Qaida-Abkehr der Taliban betont. Kaim und Petersmann berichten dagegen weiterhin enge Beziehungen.
Die westliche Afghanistan-Politik, insbesondere die der NATO und damit auch der Bundesrepublik, sei politisch wie militärisch vollständig von der US-Politik abhängig gewesen.
Trump habe die Kostenlast der USA betont und der afghanischen Regierung die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg zugewiesen und damit das Narrativ vorbereitet, das den Abzug 2021 begleiten sollte: nicht der Westen sei gescheitert, sondern die Kabuler Regierung sei direkt für die Machtergreifung der Taliban verantwortlich.