Ghani wechselte militärische Führung ständig aus, schwächte Befehlsketten und Moral
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„Darüber hinaus hat es die afghanische Regierung versäumt, eine nationale Sicherheitsstrategie und einen Plan für die landesweite Sicherheit nach dem Abzug der US-Truppen zu entwickeln. Stattdessen wechselte Präsident Ghani häufig die militärischen Führer aus und ernannte ihm loyale Personen, während er gut ausgebildete ANSF-Offiziere, die eng mit den amerikanischen Streitkräften verbunden waren, an den Rand drängte. Dieser ständige Wechsel schwächte die militärischen Befehlsketten, das Vertrauen und die Moral in den Streitkräften.“
Die afghanische Regierung versäumte eine nationale Sicherheitsstrategie für die Zeit nach dem US-Abzug; Ghani wechselte die militärische Führung ständig aus und ernannte Loyalisten, während er gut ausgebildete, US-nahe Offiziere an den Rand drängte. Dieser ständige Wechsel schwächte Befehlsketten, Vertrauen und Moral.
Statt politischer Stabilität sei es Ghani um persönlichen Machterhalt gegangen. Bei zunehmenden Taliban-Angriffen entließ und ernannte er Verteidigungsminister und Generäle erratisch, verbündete sich in letzter Minute mit Warlords, die ihn zuvor angewidert hatten, und klammerte sich an die Annahme, die USA würden nie bedingungslos abziehen.
Zum Jahreswechsel 2019/2020 habe die internationale Gemeinschaft ihre Bereitschaft zu intensiviertem Engagement weitgehend verloren. Nicht nur unter Trump, sondern in vielen westlichen Regierungen sei nach knapp zwanzig Jahren die Geduld mit Afghanistan erschöpft gewesen.
Zwischen 08.11.2019 und 06.02.2020 verzeichnete UNAMA knapp 5.000 sicherheitsrelevante Vorfälle. Süd-, Nord- und Ostregion machten 68 % aus; der Rückgang Ende 2019 und Anfang 2020 entsprach saisonal den Wintermonaten, ein landesweiter Rückgang setzte erst am 22.02.2020 als Folge der US-Taliban-Gespräche ein.
Die US-Regierung schätzte im September 2019, dass zwischen 2.000 und 5.000 IS-K-Kämpfer in Afghanistan aktiv seien; IS-K sei die aktivste Terrorgruppe; zugleich betonte sie, die Beziehungen zwischen Al-Qaida und den Taliban seien weiterhin eng.
Hinweis: Spannung zu Zerbin, der die Glaubwürdigkeit der Al-Qaida-Abkehr der Taliban betont. Kaim und Petersmann berichten dagegen weiterhin enge Beziehungen.
Die westliche Afghanistan-Politik, insbesondere die der NATO und damit auch der Bundesrepublik, sei politisch wie militärisch vollständig von der US-Politik abhängig gewesen.
Trump habe die Kostenlast der USA betont und der afghanischen Regierung die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg zugewiesen und damit das Narrativ vorbereitet, das den Abzug 2021 begleiten sollte: nicht der Westen sei gescheitert, sondern die Kabuler Regierung sei direkt für die Machtergreifung der Taliban verantwortlich.