Sachverständige:rLeistungsfähigkeit der ANSFS. 11–12
ANSF als „Spiegelbild” US-Streitkräfte konzipiert; Autonomie für afghanische Luftwaffe frühestens 2030 möglich
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„Darüber hinaus blieb die ANSF langfristig vom US-Militär abhängig, weil die Vereinigten Staaten diese als Spiegelbild der amerikanischen Streitkräfte konzipiert hatten: Ziel war eine militärische Struktur, die Operationen verbundener Kräfte ermöglichen sollte, die aber ein hohes Maß an professionellen militärischen Kenntnissen und Führungsqualitäten erforderte, über die die ANSF nicht verfügten. Eine entscheidende Komponente war dabei die afghanische Luftwaffe (AAF), die zwar den größten Vorteil der ANSF gegenüber den Taliban darstellte, allerdings bis mindestens zum Jahr 2030 nicht selbständig handlungsfähig gewesen wäre. Durch die Entscheidung der USA, die entsprechenden Wartungskapazitäten im Mai 2021 aus Afghanistan abzuziehen, war die Verfügbarkeit von einsatzfähigen Flugzeugen auf wichtigen regionalen Flugplätzen eingeschränkt.“
Die ANSF seien als „Spiegelbild” der US-Streitkräfte konzipiert worden. Verbundene Operationen erforderten Fähigkeiten, über die die ANSF nicht verfügten; die afghanische Luftwaffe (AAF) sei ihr größter Vorteil gewesen, hätte aber bis mindestens 2030 nicht selbständig agieren können. Mit Abzug der US-Wartungskapazitäten im Mai 2021 sei die Verfügbarkeit einsatzbereiter Flugzeuge auf wichtigen Flugplätzen eingeschränkt gewesen.
Die afghanische Luftwaffe sei zunehmend von US-Technikern instandgesetzt worden; mit deren Abzug sei das Wissen verschwunden, die Luftwaffe nicht mehr einsatzbereit gewesen. Eine Kaskade aus Nachschubengpässen (Munition, Verpflegung, Verwundetenevakuierung) habe folgen lassen, dass die Versorgung der Sicherheitskräfte nicht mehr gewährleistet war.
Viele afghanische Luftfahrzeuge seien von US-Contractors gewartet worden, angeblich bis zu 8.000, die rund um die Uhr Ersatzteile bauten und reparierten; mit dem nächtlichen US-Abzug aus Bagram sei diese Unterstützung erloschen. Die zivilen Unterstützer wären nicht schnell ersetzbar gewesen.
Zum Jahreswechsel 2019/2020 habe die internationale Gemeinschaft ihre Bereitschaft zu intensiviertem Engagement weitgehend verloren. Nicht nur unter Trump, sondern in vielen westlichen Regierungen sei nach knapp zwanzig Jahren die Geduld mit Afghanistan erschöpft gewesen.
Zwischen 08.11.2019 und 06.02.2020 verzeichnete UNAMA knapp 5.000 sicherheitsrelevante Vorfälle. Süd-, Nord- und Ostregion machten 68 % aus; der Rückgang Ende 2019 und Anfang 2020 entsprach saisonal den Wintermonaten, ein landesweiter Rückgang setzte erst am 22.02.2020 als Folge der US-Taliban-Gespräche ein.
Die US-Regierung schätzte im September 2019, dass zwischen 2.000 und 5.000 IS-K-Kämpfer in Afghanistan aktiv seien; IS-K sei die aktivste Terrorgruppe; zugleich betonte sie, die Beziehungen zwischen Al-Qaida und den Taliban seien weiterhin eng.
Hinweis: Spannung zu Zerbin, der die Glaubwürdigkeit der Al-Qaida-Abkehr der Taliban betont. Kaim und Petersmann berichten dagegen weiterhin enge Beziehungen.
Die westliche Afghanistan-Politik, insbesondere die der NATO und damit auch der Bundesrepublik, sei politisch wie militärisch vollständig von der US-Politik abhängig gewesen.
Trump habe die Kostenlast der USA betont und der afghanischen Regierung die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg zugewiesen und damit das Narrativ vorbereitet, das den Abzug 2021 begleiten sollte: nicht der Westen sei gescheitert, sondern die Kabuler Regierung sei direkt für die Machtergreifung der Taliban verantwortlich.