Trump-Doha-Entscheidung + Bidens unkonditionierter Abzug als wichtigster Einzelfaktor des ANSF-Kollapses
Originalstelle
„Weitgehend unstrittig in der wissenschaftlichen Literatur ist, dass der wichtigste Einzelfaktor für den Zusammenbruch der afghanischen Streitkräfte im August 2021 die Entscheidung der Regierung Trump gewesen ist, ihre Streitkräfte aus Afghanistan abzuziehen, wie dies im Doha-Abkommen vereinbart ist, gefolgt von der Ankündigung des vollständigen, bedingungslosen Abzugs durch Präsident Biden im April 2021. Aufgrund der Abhängigkeit der afghanischen von den amerikanischen Streitkräften haben diese auf einander aufbauenden Entscheidungen nicht nur die Kampfkraft der ANSF, sondern auch deren Moral erheblich geschwächt.“
In der wissenschaftlichen Literatur sei weitgehend unstrittig, dass der wichtigste Einzelfaktor des ANSF-Zusammenbruchs die Trump-Doha-Abzugsentscheidung war, gefolgt von Bidens Ankündigung des vollständigen, bedingungslosen Abzugs im April 2021. Beide Entscheidungen schwächten Kampfkraft und Moral der ANSF erheblich, da sie stark von US-Streitkräften abhängig waren.
Die Übergabe der Verantwortung von RSM an die ANSF sei zu schnell und zu hastig erfolgt, wenn überhaupt; die afghanischen Soldaten seien im Kern nicht darauf vorbereitet gewesen, ohne jede Unterstützung allein zu operieren.
Viele afghanische Luftfahrzeuge seien von US-Contractors gewartet worden, angeblich bis zu 8.000, die rund um die Uhr Ersatzteile bauten und reparierten; mit dem nächtlichen US-Abzug aus Bagram sei diese Unterstützung erloschen. Die zivilen Unterstützer wären nicht schnell ersetzbar gewesen.
Zum Jahreswechsel 2019/2020 habe die internationale Gemeinschaft ihre Bereitschaft zu intensiviertem Engagement weitgehend verloren. Nicht nur unter Trump, sondern in vielen westlichen Regierungen sei nach knapp zwanzig Jahren die Geduld mit Afghanistan erschöpft gewesen.
Zwischen 08.11.2019 und 06.02.2020 verzeichnete UNAMA knapp 5.000 sicherheitsrelevante Vorfälle. Süd-, Nord- und Ostregion machten 68 % aus; der Rückgang Ende 2019 und Anfang 2020 entsprach saisonal den Wintermonaten, ein landesweiter Rückgang setzte erst am 22.02.2020 als Folge der US-Taliban-Gespräche ein.
Die US-Regierung schätzte im September 2019, dass zwischen 2.000 und 5.000 IS-K-Kämpfer in Afghanistan aktiv seien; IS-K sei die aktivste Terrorgruppe; zugleich betonte sie, die Beziehungen zwischen Al-Qaida und den Taliban seien weiterhin eng.
Hinweis: Spannung zu Zerbin, der die Glaubwürdigkeit der Al-Qaida-Abkehr der Taliban betont. Kaim und Petersmann berichten dagegen weiterhin enge Beziehungen.
Die westliche Afghanistan-Politik, insbesondere die der NATO und damit auch der Bundesrepublik, sei politisch wie militärisch vollständig von der US-Politik abhängig gewesen.
Trump habe die Kostenlast der USA betont und der afghanischen Regierung die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg zugewiesen und damit das Narrativ vorbereitet, das den Abzug 2021 begleiten sollte: nicht der Westen sei gescheitert, sondern die Kabuler Regierung sei direkt für die Machtergreifung der Taliban verantwortlich.