BewertungGlaubwürdigkeit der Taliban-VersprechenS. 6
Taliban stellten Doha intern als Auftakt zum militärischen Sieg dar, nicht als Friedensprozess
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„Denn die Taliban betrachteten Gewalt eindeutig als eines ihrer wichtigsten Druckmittel. So berichteten afghanische Quellen nach dem Doha-Abkommen, dass die Taliban-Führer ihren Befehlshabern die Vereinbarung mit den Vereinigten Staaten als Auftakt zu einem militärischen Sieg nach dem Abzug der US-Streitkräfte im Mai 2021 darstellten und nicht als Beginn eines Friedensprozesses, der Kompromisse erfordern würde. Und in der Tat drängte sich der Eindruck auf, dass die Taliban so lange verhandelten, bis die USA vollständig abgezogen waren, um dann ihren Vorteil auf dem Schlachtfeld nutzen, um die Kontrolle über das Land mit Gewalt zu übernehmen.“
Afghanische Quellen berichteten, dass die Taliban-Führer ihren Befehlshabern die Doha-Vereinbarung als Auftakt zu einem militärischen Sieg nach dem US-Abzug im Mai 2021 darstellten, nicht als Beginn eines Friedensprozesses. Die Taliban verhandelten offenkundig solange, bis die USA abgezogen waren, um dann ihren Vorteil auf dem Schlachtfeld zu nutzen.
Zum Jahreswechsel 2019/2020 habe die internationale Gemeinschaft ihre Bereitschaft zu intensiviertem Engagement weitgehend verloren. Nicht nur unter Trump, sondern in vielen westlichen Regierungen sei nach knapp zwanzig Jahren die Geduld mit Afghanistan erschöpft gewesen.
Zwischen 08.11.2019 und 06.02.2020 verzeichnete UNAMA knapp 5.000 sicherheitsrelevante Vorfälle. Süd-, Nord- und Ostregion machten 68 % aus; der Rückgang Ende 2019 und Anfang 2020 entsprach saisonal den Wintermonaten, ein landesweiter Rückgang setzte erst am 22.02.2020 als Folge der US-Taliban-Gespräche ein.
Die US-Regierung schätzte im September 2019, dass zwischen 2.000 und 5.000 IS-K-Kämpfer in Afghanistan aktiv seien; IS-K sei die aktivste Terrorgruppe; zugleich betonte sie, die Beziehungen zwischen Al-Qaida und den Taliban seien weiterhin eng.
Hinweis: Spannung zu Zerbin, der die Glaubwürdigkeit der Al-Qaida-Abkehr der Taliban betont. Kaim und Petersmann berichten dagegen weiterhin enge Beziehungen.
Die westliche Afghanistan-Politik, insbesondere die der NATO und damit auch der Bundesrepublik, sei politisch wie militärisch vollständig von der US-Politik abhängig gewesen.
Trump habe die Kostenlast der USA betont und der afghanischen Regierung die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg zugewiesen und damit das Narrativ vorbereitet, das den Abzug 2021 begleiten sollte: nicht der Westen sei gescheitert, sondern die Kabuler Regierung sei direkt für die Machtergreifung der Taliban verantwortlich.