BewertungDoha-Verhandlungen unter Ausschluss KabulsS. 3
NATO und Bundesrepublik politisch wie militärisch vollständig von US-Politik abhängig
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„Will man die Wirkung des Doha-Abkommens auf die politische Lage bzw. die Sicherheitslage erfassen, muss man den Blick zuerst auf die amerikanische Afghanistan-Politik der Regierung Trump richten. Denn die westliche Politik, insbesondere die der NATO und damit auch die der Bundesrepublik, war aus einer Fülle von Gründen politisch wie militärisch vollständig von der amerikanischen Politik abhängig.“
Die westliche Afghanistan-Politik, insbesondere die der NATO und damit auch der Bundesrepublik, sei politisch wie militärisch vollständig von der US-Politik abhängig gewesen.
Zum Jahreswechsel 2019/2020 habe die internationale Gemeinschaft ihre Bereitschaft zu intensiviertem Engagement weitgehend verloren. Nicht nur unter Trump, sondern in vielen westlichen Regierungen sei nach knapp zwanzig Jahren die Geduld mit Afghanistan erschöpft gewesen.
Zwischen 08.11.2019 und 06.02.2020 verzeichnete UNAMA knapp 5.000 sicherheitsrelevante Vorfälle. Süd-, Nord- und Ostregion machten 68 % aus; der Rückgang Ende 2019 und Anfang 2020 entsprach saisonal den Wintermonaten, ein landesweiter Rückgang setzte erst am 22.02.2020 als Folge der US-Taliban-Gespräche ein.
Die US-Regierung schätzte im September 2019, dass zwischen 2.000 und 5.000 IS-K-Kämpfer in Afghanistan aktiv seien; IS-K sei die aktivste Terrorgruppe; zugleich betonte sie, die Beziehungen zwischen Al-Qaida und den Taliban seien weiterhin eng.
Hinweis: Spannung zu Zerbin, der die Glaubwürdigkeit der Al-Qaida-Abkehr der Taliban betont. Kaim und Petersmann berichten dagegen weiterhin enge Beziehungen.
Trump habe die Kostenlast der USA betont und der afghanischen Regierung die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg zugewiesen und damit das Narrativ vorbereitet, das den Abzug 2021 begleiten sollte: nicht der Westen sei gescheitert, sondern die Kabuler Regierung sei direkt für die Machtergreifung der Taliban verantwortlich.
Der Einstieg in die Verhandlungen erforderte, die Taliban-Forderung nach Ausschluss der afghanischen Regierung zu akzeptieren. Das sei eine bedeutende Wende gewesen, da alle US-Vorgängerregierungen seit 2001 nur einen „afghanisch geführten Ansatz” unterstützt hatten.