Sachverständige:rLage zum Jahreswechsel 2019/2020S. 2
US-Regierung 9/2019: 2.000–5.000 IS-K-Kämpfer aktiv; Taliban-Al-Qaida-Beziehungen weiterhin eng
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„Die US-Regierung schätzte im September 2019, dass zwischen 2.000 und 5.000 IS-K-Kämpfer in Afghanistan aktiv seien und die Gruppe über die Fähigkeit verfüge, Anschläge mit hohen Verlusten im Land zu verüben und westliche Interessen dort sowie in der Region anzugreifen. Zugleich betonte sie, dass die Beziehungen zwischen Al-Qaida und den Taliban weiterhin eng seien.“
Die US-Regierung schätzte im September 2019, dass zwischen 2.000 und 5.000 IS-K-Kämpfer in Afghanistan aktiv seien; IS-K sei die aktivste Terrorgruppe; zugleich betonte sie, die Beziehungen zwischen Al-Qaida und den Taliban seien weiterhin eng.
Hinweis zur Einordnung: Spannung zu Zerbin, der die Glaubwürdigkeit der Al-Qaida-Abkehr der Taliban betont. Kaim und Petersmann berichten dagegen weiterhin enge Beziehungen.
Das Versprechen, von afghanischem Boden gehe kein Sicherheitsrisiko mehr für USA und Verbündete aus, sei glaubhaft gewesen: Al-Qaida sei arabisch, die paschtunischen Taliban hätten andere Abstammung, Kultur und Geschichte; das Verhältnis sei schon unter Mullah Omar spannungsreich gewesen. Die Beharrung auf Gastfreundschaft für Bin Laden habe den Taliban 20 Jahre Entmachtung, Krieg und Zerstörung eingebracht.
Der Kampf gegen mutmaßliche IS-K-Zellen scheinen die Taliban ernst zu nehmen, nutzten ihn aber auch, um politische Gegner zu brandmarken und zu töten; eine öffentliche Trennung von Al-Qaida habe nicht stattgefunden; die enge Verbundenheit aus Sowjet-Krieg und Bürgerkrieg habe zu familiären Heiratsbeziehungen geführt; al-Zawahiri habe mutmaßlich in der ehemaligen Green Zone in einem Haus von Vertrauten Sirajuddin Haqqanis gelebt.
Hinweis: Widerspruch zur Einschätzung Zerbins, die Taliban hätten Anti-Al-Qaida-Zusagen glaubhaft eingehalten. Petersmann beurteilt die Verbindung als unverändert eng.
Zum Jahreswechsel 2019/2020 habe die internationale Gemeinschaft ihre Bereitschaft zu intensiviertem Engagement weitgehend verloren. Nicht nur unter Trump, sondern in vielen westlichen Regierungen sei nach knapp zwanzig Jahren die Geduld mit Afghanistan erschöpft gewesen.
Zwischen 08.11.2019 und 06.02.2020 verzeichnete UNAMA knapp 5.000 sicherheitsrelevante Vorfälle. Süd-, Nord- und Ostregion machten 68 % aus; der Rückgang Ende 2019 und Anfang 2020 entsprach saisonal den Wintermonaten, ein landesweiter Rückgang setzte erst am 22.02.2020 als Folge der US-Taliban-Gespräche ein.
Die westliche Afghanistan-Politik, insbesondere die der NATO und damit auch der Bundesrepublik, sei politisch wie militärisch vollständig von der US-Politik abhängig gewesen.
Trump habe die Kostenlast der USA betont und der afghanischen Regierung die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg zugewiesen und damit das Narrativ vorbereitet, das den Abzug 2021 begleiten sollte: nicht der Westen sei gescheitert, sondern die Kabuler Regierung sei direkt für die Machtergreifung der Taliban verantwortlich.
Der Einstieg in die Verhandlungen erforderte, die Taliban-Forderung nach Ausschluss der afghanischen Regierung zu akzeptieren. Das sei eine bedeutende Wende gewesen, da alle US-Vorgängerregierungen seit 2001 nur einen „afghanisch geführten Ansatz” unterstützt hatten.