Sachverständige:rLage zum Jahreswechsel 2019/2020S. 211/2019–02/2020
08.11.2019–06.02.2020: knapp 5.000 sicherheitsrelevante Vorfälle, 68 % in Süd-, Nord- und Ostregion
Originalstelle
„Zwischen dem 8. November 2019 und dem 6. Februar 2020 verzeichnete die United Nations Assistance Mission in Afghanistan (UNAMA) knapp 5.000 sicherheitsrelevante Vorfälle (bewaffnete Zusammenstöße, improvisierte Sprengsätze, Selbstmordattentate, Luftangriffe u.a.) - eine ähnliche Anzahl wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die meisten Vorfälle ereigneten sich in der Südregion, gefolgt von der Nord- und der Ostregion, auf die zusammen 68 Prozent aller Vorfälle entfielen. Die Kämpfe flauten Ende 2019 und Anfang 2020 zwar etwas ab, was jedoch vor allem dem saisonalen Trend in den Wintermonaten entsprach. Ein landesweiter Rückgang der Gewalt setzte erst am 22. Februar als Ergebnis der Gespräche zwischen den USA und den Taliban ein.“
Zwischen 08.11.2019 und 06.02.2020 verzeichnete UNAMA knapp 5.000 sicherheitsrelevante Vorfälle. Süd-, Nord- und Ostregion machten 68 % aus; der Rückgang Ende 2019 und Anfang 2020 entsprach saisonal den Wintermonaten, ein landesweiter Rückgang setzte erst am 22.02.2020 als Folge der US-Taliban-Gespräche ein.
Zum Jahreswechsel 2019/2020 habe die internationale Gemeinschaft ihre Bereitschaft zu intensiviertem Engagement weitgehend verloren. Nicht nur unter Trump, sondern in vielen westlichen Regierungen sei nach knapp zwanzig Jahren die Geduld mit Afghanistan erschöpft gewesen.
Die US-Regierung schätzte im September 2019, dass zwischen 2.000 und 5.000 IS-K-Kämpfer in Afghanistan aktiv seien; IS-K sei die aktivste Terrorgruppe; zugleich betonte sie, die Beziehungen zwischen Al-Qaida und den Taliban seien weiterhin eng.
Hinweis: Spannung zu Zerbin, der die Glaubwürdigkeit der Al-Qaida-Abkehr der Taliban betont. Kaim und Petersmann berichten dagegen weiterhin enge Beziehungen.
Die westliche Afghanistan-Politik, insbesondere die der NATO und damit auch der Bundesrepublik, sei politisch wie militärisch vollständig von der US-Politik abhängig gewesen.
Trump habe die Kostenlast der USA betont und der afghanischen Regierung die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg zugewiesen und damit das Narrativ vorbereitet, das den Abzug 2021 begleiten sollte: nicht der Westen sei gescheitert, sondern die Kabuler Regierung sei direkt für die Machtergreifung der Taliban verantwortlich.
Der Einstieg in die Verhandlungen erforderte, die Taliban-Forderung nach Ausschluss der afghanischen Regierung zu akzeptieren. Das sei eine bedeutende Wende gewesen, da alle US-Vorgängerregierungen seit 2001 nur einen „afghanisch geführten Ansatz” unterstützt hatten.