Sachverständige:rBildung von Mädchen und FrauenS. 3–4
Schulbau-Gelder flossen oft nur auf Basis von Fotos, viele Schulen existierten nicht
Originalstelle
„Mir sind zahlreiche Fälle bekannt, dass Gelder nur auf der Basis von vorgelegten Fotos an lokale Bauunternehmer und an lokale Machthaber flossen. Die Gefahr „enttarnt” zu werden, war denkbar gering, da die meisten EZ-Experten der großen internationalen Agenturen nie ihre Büros in Kabul verlassen durften. Ich wurde mehrfach von Kolleginnen und Kollegen dieser Agenturen gebeten, mir im „Feld” Schulen oder Kinderheime anzuschauen. In der Regel fand ich vor Ort nichts vor.“
Es gebe zahlreiche Fälle, in denen Schulbaugelder allein auf Basis von Fotos an lokale Bauunternehmer und Machthaber flossen; da EZ-Experten ihre Kabuler Büros kaum verlassen durften, sei die Aufdeckung sehr unwahrscheinlich gewesen. Bei Stichproben im Feld habe Dube häufig nichts vorgefunden.
Dokument: Schriftliche Stellungnahme zur Expertenanhörung des 1. Untersuchungsausschusses (Afghanistan)
Autor:in: Hans-Hermann Dube
Ministerialrat a.D.; Mitarbeiter der GTZ/GIZ 2003–2015, verantwortlich für GIZ-International Services Afghanistan; Wohnsitz Afghanistan 2003–2008, dann Indien; Gastdozent an der Führungsakademie der Bundeswehr
Dube stellt ausdrücklich klar, dass er nicht im Auftrag von BMVg, BMZ oder GIZ spricht, sondern eine private, auf jahrzehntelanger Regionalerfahrung beruhende Einschätzung gibt.
Nach dem Sowjet-Abzug versank Afghanistan in einen Bürgerkrieg um Macht, Einfluss und Geld; lokale Warlords mordeten, plünderten, vergewaltigten und zerstörten. Die Bevölkerung litt landesweit unter ihrem Terror.
Rund um 1994 formierten sich in Kandahar die als „Schüler” („Taliban”) bezeichneten Kämpfer mit dem Ziel, den Bürgerkrieg zu beenden, was ihnen gelang.
Thema: Talibanab ca. 1994stellungnahmen\01-dube.json