Nach Doha wurde im Kern „nichts” zur Stärkung der ANSF unternommen; NATO und USA rechneten nicht mit sofortigem Kollaps
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„Hier kann ich nur aufgrund meiner Erfahrung vermuten: NICHTS. Die internationale RSM-Truppe wird mit Sicherheit in einen Übergabe-Modus gewechselt haben, denn was sie in 20 Jahren nicht geschafft hatten, hätten sie in den verbleibenden Tagen und Wochen nicht mehr ausgleichen können. Es wird darauf angekommen sein, die Liegenschaften (Camp MARMAL u.a.) zu übergeben und in erster Linie den eigenen Abzug zu sichern. An einen sofortigen Zusammenbruch der Streitkräfte hat man von Seiten der NATO, Ihrer Partner und den USA mit Sicherheit NICHT gedacht.“
Domröse vermutet, dass nach Doha im Kern „nichts” mehr zur Stärkung der ANSF getan worden sei. Die RSM-Truppe sei in einen Übergabe-Modus gewechselt (z. B. Camp Marmal) und habe primär den eigenen Abzug gesichert; mit einem sofortigen Zusammenbruch hätten NATO, Partner und USA mit Sicherheit nicht gerechnet.
Dokument: Stellungnahme „Beurteilung der militärischen Lage” — Lage in Afghanistan zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens
Autor:in: Hans-Lothar Domröse
General a.D.; Januar 2008 – Januar 2009 Chef des Stabes im US-geführten ISAF-HQ, Kabul; Dezember 2012 – März 2016 Befehlshaber im NATO Joint Forces Command Brunssum (NLD), u.a. verantwortlich für die NATO-geführte Mission in Afghanistan
Mit RSM und dem parallelen US-Auftrag „Global War on Terror” (GWOT) hätten zwei sehr unterschiedliche Missionen nebeneinander bestanden. Weder die afghanische Bevölkerung noch UN-Mitarbeiter konnten unterscheiden, welches Kontingent ausbildete und welches kämpfte.
Die Mehrheit der eingesetzten Soldaten habe den Wechsel von „condition based” zu „time based” begrüßt, weil zuvor angestrebte Wirkungen häufig nicht erreicht worden seien und formal kein nächster Schritt möglich war.
Viele Militärs hätten Bedenken gegen die Ausbildung nur in Kasernen und auf Übungsplätzen gehabt. Der Verzicht auf Anleitung, Begleitung und Kontrolle der ANSF im Umgang mit der Bevölkerung und der Verlust von Kontakten zu Gouverneuren, Politikern und Organisationen habe sich beim überstürzten Abzug gerächt.
Die politische Lage sei „angespannt” gewesen (faktisch zwei Regierungschefs, schwieriges Verhältnis zu Pakistan, Einsatzmüdigkeit der truppenstellenden Nationen); die militärische Lage sei dennoch relativ stabil und nicht besorgniserregend gewesen, aus Domröses Sicht „landestypisch relativ sicher”.
Hinweis: Domröses Lagebild („relativ sicher”) steht in deutlicher Spannung zu Petersmanns „Hoffnungslosigkeit / schlechte Sicherheitslage” und Zerbins Beschreibung anhaltender Unsicherheit.