Mit Ghanis Flucht wurde die Treueverpflichtung gebrochen: „Regierung und Armee schmolzen”
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„Mit der Flucht des Präsidenten am ersten Tag des Taliban-Aufstandes wurde die wechselseitige „Treueverpflichtung” von Seiten des Präsidenten/des Staatsoberhauptes gebrochen und daher wertlos. Gouverneure, Generale und sonstige Kommandeure wechselten das Lager und/oder legten die Waffen nieder. Die Regierung und die Armee schmolzen wie Eis in der Sonne Afghanistans! Einzig die Geheimdienste kämpften und zogen sich in das Pandschir-Tal zurück bis sie schließlich aufgaben, weil keine gewählte Regierung mehr existierte; den Taliban konnten und wollten sie sich nicht anschließen.“
Mit Ghanis Flucht am ersten Tag des Taliban-Aufstands sei die wechselseitige Treueverpflichtung gebrochen worden; Gouverneure, Generäle und Kommandeure wechselten das Lager oder legten die Waffen nieder, „Regierung und Armee schmolzen wie Eis in der Sonne Afghanistans”; einzig die Geheimdienste hätten weiter gekämpft, sich ins Pandschir-Tal zurückgezogen und schließlich aufgegeben, da keine gewählte Regierung mehr existierte.
Dokument: Stellungnahme „Beurteilung der militärischen Lage” — Lage in Afghanistan zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens
Autor:in: Hans-Lothar Domröse
General a.D.; Januar 2008 – Januar 2009 Chef des Stabes im US-geführten ISAF-HQ, Kabul; Dezember 2012 – März 2016 Befehlshaber im NATO Joint Forces Command Brunssum (NLD), u.a. verantwortlich für die NATO-geführte Mission in Afghanistan
Mit RSM und dem parallelen US-Auftrag „Global War on Terror” (GWOT) hätten zwei sehr unterschiedliche Missionen nebeneinander bestanden. Weder die afghanische Bevölkerung noch UN-Mitarbeiter konnten unterscheiden, welches Kontingent ausbildete und welches kämpfte.
Die Mehrheit der eingesetzten Soldaten habe den Wechsel von „condition based” zu „time based” begrüßt, weil zuvor angestrebte Wirkungen häufig nicht erreicht worden seien und formal kein nächster Schritt möglich war.
Viele Militärs hätten Bedenken gegen die Ausbildung nur in Kasernen und auf Übungsplätzen gehabt. Der Verzicht auf Anleitung, Begleitung und Kontrolle der ANSF im Umgang mit der Bevölkerung und der Verlust von Kontakten zu Gouverneuren, Politikern und Organisationen habe sich beim überstürzten Abzug gerächt.
Die politische Lage sei „angespannt” gewesen (faktisch zwei Regierungschefs, schwieriges Verhältnis zu Pakistan, Einsatzmüdigkeit der truppenstellenden Nationen); die militärische Lage sei dennoch relativ stabil und nicht besorgniserregend gewesen, aus Domröses Sicht „landestypisch relativ sicher”.
Hinweis: Domröses Lagebild („relativ sicher”) steht in deutlicher Spannung zu Petersmanns „Hoffnungslosigkeit / schlechte Sicherheitslage” und Zerbins Beschreibung anhaltender Unsicherheit.