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Sachverständige:r Frage 7 — Loyalität und Befehlslage S. 7

Multi-ethnische ANSF mit Leistungsprinzip, dennoch verwandtschaftliche Einflussnahmen und „Seilschaften”

Originalstelle
„Seit Beginn der Mission wurde besonderer Wert auf die multi-ethnische Ausrichtung der ANSF gelegt; d.h. man hat verschiedene Volksgruppen in Kompanien und Bataillonen „zusammengewürfelt”. … Ebenso hat man das sog Leistungsprinzip eingeführt … Gleichwohl gab es verwandtschaftliche Beziehungen, die über alle Hierarchien hinweg, Einflussnahmen begünstigten. Die enge Verbindung der Polizeikräfte mit „IHREM” Gouverneur beispielsweise war auffällig. Hier bestand eine besondere Loyalität. Man kann sagen: Abhängigkeit – die quasi über dem Dienst für den Staat stand. Beim Militär war das nicht ganz so ausgeprägt, gleichwohl gab es enge „Seilschaften” (Beispiele: ATTA / DOSTUM / Ghani / Wardack & Chod & 6 KGs). Insgesamt aber war die Armee aus meiner Sicht dem Staat gegenüber im Grunde loyal.“

Quelle: Ausschuss-Drs. 20(27)99, S. 7 (Original, neues Fenster)

Die ANSF seien bewusst multi-ethnisch zusammengesetzt worden, mit Leistungsprinzip; gleichwohl hätten verwandtschaftliche Beziehungen und ethnische Spannungen Einflussnahmen begünstigt; Polizeikräfte seien besonders eng an „ihren” Gouverneur gebunden gewesen (Abhängigkeit über dem Staatsdienst); beim Militär seien „Seilschaften” (Atta, Dostum, Ghani, Wardack) bekannt. Insgesamt sei die Armee aus Domröses Sicht im Grunde staatsloyal gewesen.

Thema: Afghanische Regierung & Streitkräfte Status: entwurf_unbestaetigt

Quelle

Dokument: Stellungnahme „Beurteilung der militärischen Lage” — Lage in Afghanistan zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens

Autor:in: Hans-Lothar Domröse

General a.D.; Januar 2008 – Januar 2009 Chef des Stabes im US-geführten ISAF-HQ, Kabul; Dezember 2012 – März 2016 Befehlshaber im NATO Joint Forces Command Brunssum (NLD), u.a. verantwortlich für die NATO-geführte Mission in Afghanistan

Ausschussdrucksache: 20(27)99

Datum: 2022-09-05

Art des Belegs: wörtliches Zitat

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