BewertungFrage 6 — Leistungsfähigkeit der ANA/ANSFS. 6
Armee kämpfte nicht, weil Aufklärung, Feuerkraft und Schutz fehlten und Führung geflohen war
Originalstelle
„Im Gefecht fehlte es vor allem an Aufklärung, Feuerkraft und Schutz, aber auch das Bergen von Personal war nicht eingeübt. Die afghanische Armee hatte somit all das nicht mehr, worauf sie sich jahrelang verlassen konnte. Sie hatte kein Selbstvertrauen - folglich kämpfte sie nicht, obwohl sie den leicht bewaffneten Taliban deutlich überlegen waren. Sie kämpften auch nicht, weil ihre Führung geflohen war – und die Truppe im Stich gelassen hat.“
Im Gefecht hätten der ANA Aufklärung, Feuerkraft und Schutz gefehlt, auch die Personalbergung sei nicht eingeübt gewesen; die Armee habe so nicht mehr gehabt, worauf sie sich jahrelang verlassen konnte. Sie habe kein Selbstvertrauen mehr gehabt und nicht gekämpft, obwohl sie den leicht bewaffneten Taliban deutlich überlegen war; und sie habe nicht gekämpft, weil die Führung geflohen war und die Truppe im Stich gelassen hatte.
Dokument: Stellungnahme „Beurteilung der militärischen Lage” — Lage in Afghanistan zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens
Autor:in: Hans-Lothar Domröse
General a.D.; Januar 2008 – Januar 2009 Chef des Stabes im US-geführten ISAF-HQ, Kabul; Dezember 2012 – März 2016 Befehlshaber im NATO Joint Forces Command Brunssum (NLD), u.a. verantwortlich für die NATO-geführte Mission in Afghanistan
Mit RSM und dem parallelen US-Auftrag „Global War on Terror” (GWOT) hätten zwei sehr unterschiedliche Missionen nebeneinander bestanden. Weder die afghanische Bevölkerung noch UN-Mitarbeiter konnten unterscheiden, welches Kontingent ausbildete und welches kämpfte.
Die Mehrheit der eingesetzten Soldaten habe den Wechsel von „condition based” zu „time based” begrüßt, weil zuvor angestrebte Wirkungen häufig nicht erreicht worden seien und formal kein nächster Schritt möglich war.
Viele Militärs hätten Bedenken gegen die Ausbildung nur in Kasernen und auf Übungsplätzen gehabt. Der Verzicht auf Anleitung, Begleitung und Kontrolle der ANSF im Umgang mit der Bevölkerung und der Verlust von Kontakten zu Gouverneuren, Politikern und Organisationen habe sich beim überstürzten Abzug gerächt.
Die politische Lage sei „angespannt” gewesen (faktisch zwei Regierungschefs, schwieriges Verhältnis zu Pakistan, Einsatzmüdigkeit der truppenstellenden Nationen); die militärische Lage sei dennoch relativ stabil und nicht besorgniserregend gewesen, aus Domröses Sicht „landestypisch relativ sicher”.
Hinweis: Domröses Lagebild („relativ sicher”) steht in deutlicher Spannung zu Petersmanns „Hoffnungslosigkeit / schlechte Sicherheitslage” und Zerbins Beschreibung anhaltender Unsicherheit.