Sachverständige:rFrage 5 — Reaktionen NATO und NachbarstaatenS. 5–6
Regionale Reaktionen: Irak, Iran und Hisbollah feierten als „Niederlage USA”; China empfing Taliban; Russland einberief Konferenz
Originalstelle
„In einigen MENA-Staaten, wie beispielsweise IRAK und IRAN, aber auch von der HISBOLLAH, wurde das Abkommen „als Sieg über den Westen bzw. als Niederlage der USA” lautstark gefeiert. China hat die Taliban-Führung offiziell in Peking empfangen und Unterstützung zugesichert. Russland hat zu einer AFG-Konferenz eingeladen, um die Sicherheit der Grenzen zu Usbekistan, Kasachstan und Kirgistan zu erörtern - wohl aus Sorge vor einer möglichen Destabilisierung seiner südlichen Nachbarschaft. Pakistanische Reaktionen sind mir nicht erinnerlich.“
Irak, Iran und die Hisbollah hätten das Abkommen lautstark als „Niederlage der USA” gefeiert; China habe die Taliban-Führung offiziell in Peking empfangen und Unterstützung zugesichert; Russland habe zu einer Afghanistan-Konferenz eingeladen, um die Grenzsicherheit zu Usbekistan, Kasachstan und Kirgisistan zu erörtern. Pakistanische Reaktionen seien Domröse nicht erinnerlich.
Dokument: Stellungnahme „Beurteilung der militärischen Lage” — Lage in Afghanistan zum Zeitpunkt des Doha-Abkommens
Autor:in: Hans-Lothar Domröse
General a.D.; Januar 2008 – Januar 2009 Chef des Stabes im US-geführten ISAF-HQ, Kabul; Dezember 2012 – März 2016 Befehlshaber im NATO Joint Forces Command Brunssum (NLD), u.a. verantwortlich für die NATO-geführte Mission in Afghanistan
Mit RSM und dem parallelen US-Auftrag „Global War on Terror” (GWOT) hätten zwei sehr unterschiedliche Missionen nebeneinander bestanden. Weder die afghanische Bevölkerung noch UN-Mitarbeiter konnten unterscheiden, welches Kontingent ausbildete und welches kämpfte.
Die Mehrheit der eingesetzten Soldaten habe den Wechsel von „condition based” zu „time based” begrüßt, weil zuvor angestrebte Wirkungen häufig nicht erreicht worden seien und formal kein nächster Schritt möglich war.
Viele Militärs hätten Bedenken gegen die Ausbildung nur in Kasernen und auf Übungsplätzen gehabt. Der Verzicht auf Anleitung, Begleitung und Kontrolle der ANSF im Umgang mit der Bevölkerung und der Verlust von Kontakten zu Gouverneuren, Politikern und Organisationen habe sich beim überstürzten Abzug gerächt.
Die politische Lage sei „angespannt” gewesen (faktisch zwei Regierungschefs, schwieriges Verhältnis zu Pakistan, Einsatzmüdigkeit der truppenstellenden Nationen); die militärische Lage sei dennoch relativ stabil und nicht besorgniserregend gewesen, aus Domröses Sicht „landestypisch relativ sicher”.
Hinweis: Domröses Lagebild („relativ sicher”) steht in deutlicher Spannung zu Petersmanns „Hoffnungslosigkeit / schlechte Sicherheitslage” und Zerbins Beschreibung anhaltender Unsicherheit.